PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungEigenanteilDie bittere Wahrheit über die PflegeheimeStand: 15:32 UhrLesedauer: 3 MinutenQuelle: Getty Images/MaskotNeue Zahlen zeigen: Die Kosten für die stationäre Pflege klettern rasant in die Höhe. Aber trotz steigender Eigenanteile können Heimbewohner nicht mit Entlastung rechnen. Der Ansatz von Gesundheitsministerin Warken ist richtig.Die Versorgung in den Pflegeheimen wird immer teurer. Diese Kostenexplosion trifft nicht nur die Sozialversicherung, sondern auch die Betroffenen. Ihr Eigenanteil kletterte nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen im ersten Aufenthaltsjahr auf durchschnittlich 3364 Euro monatlich. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 256 Euro. Vor allem die stark gestiegenen Personalkosten schlagen zu Buche. Denn die Löhne der Altenpfleger klettern seit Jahren viel dynamischer als in anderen Berufen, zumal die Politik in dieser Branche eine tarifliche Bezahlung per Gesetz für alle Häuser durchgesetzt hat.Dass die Heimbewohner deshalb auch immer mehr aus eigener Tasche beisteuern müssen, gilt vielen Menschen als unsozial. Die Forderung vor allem linker Parteien nach einer Entlastung stößt deshalb auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Doch schon heute schreibt die Pflegeversicherung tiefrote Zahlen. Um den drohenden nächsten Beitragssatzanstieg zu verhindern, muss Bundesgesundheitsministerin Nina Warken im Herbst ihr nächstes Sparpaket auf den Weg bringen. Lesen Sie auchNach den Krankenkassen müssen die defizitären Pflegekassen schnellstens stabilisiert werden. Die reformfreudige CDU-Politikerin plant, auch bei der stationären Versorgung zu sparen. Das ist dringend nötig. Denn ihre Amtsvorgänger, Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), haben gefährliche Kostentreiber bei der Heimbetreuung eingebaut, die ohne eine Entschärfung zum Kollaps der Pflegeversicherung führen werden.Spahns Weichenstellung kommt Arbeitgeber und Versicherte teuer zu stehenNoch im letzten Jahr der großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte Spahn 2021 einen gestaffelten Zuschuss zum Eigenanteil in der stationären Versorgung durch. Seither bekommen Heimbewohner einen mit der Aufenthaltsdauer steigenden Zuschuss. Überdies sorgte der CDU-Mann auch dafür, dass die Angehörigen in den allermeisten Fällen nicht mehr an den Kosten beteiligt werden, falls das Sozialamt die Pflegekosten für einkommensschwächere Heimbewohner übernimmt. Unter der Ampel-Regierung stieg der Zuschuss zum Eigenanteil dann noch einmal. Er liegt heute bei 15 Prozent im ersten Jahr und steigt in den Folgejahren auf bis zu 75 Prozent.Spahns Weichenstellung kommt Arbeitgeber und Versicherte teuer zu stehen. Seit 2021 schnellten die Ausgaben der Kassen für die stationäre Pflege von 12,6 Milliarden Euro auf 20,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr in die Höhe. Dass die Heimbewohner – unabhängig von ihren eigenen finanziellen Möglichkeiten – beim Eigenanteil erheblich bezuschusst werden, ist einer der Gründe, warum die Beiträge in den vergangenen Jahren immer schneller kletterten und jetzt trotzdem schon wieder ein riesiges Finanzloch in der Pflegeversicherung klafft. Lesen Sie auchGesundheitsministerin Warken plant, Heimbewohnern in Zukunft erst ein halbes Jahr später als bisher einen Zuschuss zu zahlen. Auch sollen die zeitlich gestaffelten nächsten Stufen jeweils um sechs Monate später erfolgen. Das wäre eine wirkungsvolle und sozialverträgliche Kostendämpfung. Zumal viele Heimbewohner erhebliche finanzielle Ressourcen haben und die Solidargemeinschaft auch weiterhin den großen Teil der Kosten ihrer stationären Pflege trägt. Wer das Leistungsversprechen der Sozialversicherung im Kern erhalten will, muss auf die Grenze der Belastbarkeit bei den Beitragszahlern Rücksicht nehmen. Nina Warken ist seit vielen Jahren die Erste in ihrem Amt, die das beherzigt.