Sport, Ernährung, Rauchstopp: Das ändert wenig am Cholesterin. Was die Werte sinken lässt und weshalb der Lebensstil trotzdem entscheidend istGesünder leben schützt das Herz – aber anders als gedacht.09.04.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenNüsse und Fisch tun der Herzgesundheit gut.Fcafotodigital / E+ / GettyZum Glück haben wir Cholesterin im Blut. Blutfette sind ein wichtiger Baustein für die Hüllen unserer Zellen – und damit lebenswichtig. Unser Körper nutzt Cholesterin ausserdem, um Hormone herzustellen, etwa Östrogen, Testosteron und Vitamin D. Trotzdem hat Cholesterin einen schlechten Ruf. Denn wenn zu viel davon im Blut ist, steigt die Gefahr, dass es sich an den Wänden der Blutgefässe ablagert. Sie verengen sich, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Cholesterin selbst ist nicht im Blut löslich und wird daher in Eiweisse verpackt transportiert. Verschiedene Verpackungen haben ein unterschiedlich schädliches Potenzial. Vor allem das LDL-Cholesterin kann sich an den Blutgefässen ablagern. Auch die sogenannten Triglyceride können zu Atherosklerose führen – umgangssprachlich: Verkalkungen. Wie aber senkt man Blutfettwerte, die laut dem Hausarzt oder dem Kardiologen zu stark erhöht sind? Reicht es aus, den Lebensstil zu verändern? Und wann sind Medikamente nötig? Eine Übersicht.Inhaltsverzeichnis1. Welchen Einfluss ein Rauchstopp hat2. Bewegung hält die Blutgefässe gesund3. Was es bringt, die Ernährung umzustellen4. Wann Medikamente nötig sind1. Welchen Einfluss ein Rauchstopp hat«Auf das Rauchen zu verzichten, hat keinen direkten Effekt auf den Spiegel des LDL-Cholesterins», sagt Isabella Sudano, Leitende Ärztin der Kardiologie des Universitätsspitals Zürich. «Mit dem Rauchen aufzuhören, ist mit Abstand die wichtigste Lebensstilveränderung, mit der man seine Gesundheit und speziell auch die Herzgesundheit unterstützen kann», sagt Ulrich Laufs, Professor für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Die Fachleute äussern sich nur scheinbar gegensätzlich. Beide haben recht – mehr noch: Sie geben einander recht. Wer auf Zigaretten verzichtet, wird höchstens minimal verbesserte Cholesterinwerte haben – und doch das Risiko für Gefässverkalkungen drastisch senken. Wie kann das sein?Der Rauch von Zigaretten enthält etliche schädliche Substanzen. Sie greifen das Endothel an. Das ist die Auskleidung der Blutgefässe. Ulrich Laufs vergleicht das Endothel in seinem neuen Buch «Runter mit dem Cholesterin» mit der Beschichtung einer Teflonpfanne. Ist die Teflonschicht intakt, bleibt nichts haften. Ist sie zerkratzt, bleibt beim Braten auch einmal etwas an der Pfanne zurück.Die Stoffe im Zigarettenrauch beschädigen die schützende Schicht der Blutgefässe. So kann mehr Cholesterin in die Blutgefässwand eindringen und dort hängen bleiben. Es kommt zur Gefässverkalkung. Schon bis zu fünf Zigaretten am Tag erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 50 Prozent im Vergleich zu Nichtrauchern. Aufhören lohnt sich: Das Risiko sinkt direkt nach dem Rauchstopp, fällt in den ersten zehn Jahren besonders stark ab und gleicht sich dem von Nierauchern nach ungefähr zwanzig Jahren an.2. Bewegung hält die Blutgefässe gesund«Man darf nicht erwarten, dass Bewegung den Spiegel des LDL-Cholesterins senkt», sagt Ulrich Laufs. Trotzdem empfiehlt der Kardiologe seinen Patienten kreislaufwirksame sportliche Betätigung, im Klartext: «Haben Sie dreimal pro Woche einen richtig nassen Fleck auf dem T-Shirt. Wie Sie den bekommen, ist egal. Das kann Radfahren oder Joggen sein, Tanzen oder Boxen. Tun Sie, was Ihnen zusagt.»Der Grund: Bewegung hält das Herz-Kreislauf-System auf ganz verschiedenen Wegen gesund. Unter anderem hat Sport eine positive Wirkung auf das Endothel, die schützende Schicht der Blutgefässe. Ist sie in gutem Zustand, bilden sich weniger Ablagerungen. «Sport hat sehr viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Der LDL-Spiegel ist einfach nicht das richtige Instrument, sie zu messen», stellt Ulrich Laufs klar.Zumindest der Triglyceridspiegel kann durch eine Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport deutlich sinken. Infolge der intensiven Bewegung werden die Triglyceride aufgespalten. Das setzt Fettsäuren frei, die den Muskelzellen als Energiequelle dienen. Durchhaltevermögen ist wichtig: Der Effekt hält nur an, wenn man regelmässig Sport treibt.In manchen Fällen ist zuvor eine ärztliche Beratung nötig, um einzuschätzen, wie viel Sport das Herz verträgt. Das gilt vor allem für Personen, die bereits einen Herzinfarkt hatten.3. Was es bringt, die Ernährung umzustellenEine Ernährung, reich an Ballaststoffen aus pflanzlichen Lebensmitteln, mit ungesättigten Fettsäuren, wie sie etwa in Raps- oder Olivenöl, Nüssen und Fisch vorkommen – das kann helfen, die Blutfettwerte in einem gesunden Rahmen zu halten.Wunder sollte man von einer Ernährungsumstellung allerdings nicht erwarten, stellt der Kardiologe Ulrich Laufs klar. «Den grössten Effekt werden Menschen sehen, die sich bisher kaum bewegt und sich im Wesentlichen aus der Fritteuse ernährt haben. So jemand kann seinen LDL-Wert durch eine fundamentale Änderung des Lebensstils auch um bis zu 30 Prozent senken. Aber das ist wirklich die Ausnahme.» Die meisten Menschen können das LDL-Cholesterin über den Lebensstil um nicht mehr als 10 bis 15 Prozent senken. Zum Vergleich: Mit Medikamenten fallen die Werte um bis zu 80 Prozent. Dennoch hat eine gesunde Ernährung positive Effekte. Sie trägt wie der Sport dazu bei, das Endothel gesund zu halten.Genau wie beim Sport lassen sich zumindest die Triglyceride über die Ernährung stärker beeinflussen. «Man kann sie damit fast normalisieren, es sei denn, sie sind extrem erhöht», sagt Isabella Sudano. Worauf man zur Senkung der Triglyceride laut einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit von Ulrich Laufs besonders achten sollte: Übergewicht reduzieren, auf Alkohol verzichten, den Zuckerkonsum einschränken, auf die bereits erwähnten ungesättigten Fettsäuren achten.4. Wann Medikamente nötig sindIsabella Sudano und Ulrich Laufs haben auch Patienten, die schlank sind, sich vorbildlich ernähren und sich regelmässig bewegen, die nicht rauchen. Isabella Sudano sagt: «Ich höre sehr oft die Frage: Warum habe ich so hohe Cholesterinwerte, obwohl ich schon so viel für meine Gesundheit tue?» Diese Situation kennt auch Ulrich Laufs: «Manche meiner Patienten muss ich regelrecht von ihren Schuldgefühlen erlösen», sagt er.Eine von rund 250 Personen hat eine genetisch bedingte Hypercholesterinämie. Der Körper produziert dabei viel zu viel Cholesterin, ein gesunder Lebensstil kann daran nichts ändern. Nur Medikamente können die Cholesterinwerte auf das empfohlene Mass senken – und somit helfen, einem Herzinfarkt vorzubeugen.Wer seine Cholesterinwerte aus anderen Gründen senken sollte, der kann durch starke Veränderungen des Lebensstils womöglich mehr ausrichten. «Teilweise setzen wir Medikamente übergangsweise ein, bis eine Person ihr Gewicht reduziert hat und mehr Sport macht. Dann können wir erneut schauen, ob die Medikamente noch nötig sind», sagt Isabella Sudano.Aber selbst wenn sich die Werte verbessern – in einigen Fällen ist es sinnvoll, die Cholesterinsenker weiterhin zu nehmen. Zum Beispiel, weil sich bereits viele Ablagerungen gebildet haben und so wenige wie möglich hinzukommen sollten. Die Cholesterinwerte sollten deshalb so niedrig sein, dass der Lebensstil allein nicht ausreicht. Wer bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, profitiert ebenfalls von der starken cholesterinsenkenden Wirkung der Medikamente.Die wichtigste Medikamentengruppe zur Senkung des Cholesterinwerts sind die Statine. Sie hemmen die Bildung von Cholesterin in der Leber. In Deutschland und der Schweiz gehören sie zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. «Sie sind sicher, gut verträglich und wirken zuverlässig», sagt Ulrich Laufs. Für den Fall, dass doch unangenehme Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen auftreten, gibt es Alternativen. Isabella Sudano: «Wir finden für jeden Patienten das passende Mittel.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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