Heftige Luftangriffe in Jemen: Droht in Südarabien eine zweite Front?Am Montag kam es am Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zu schweren Luftangriffen. Die dort herrschenden Huthi machen Saudiarabien verantwortlich. Weitet sich der Nahost-Krieg jetzt aus?13.07.2026, 17.55 Uhr3 LeseminutenRauch über der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Am Montagnachmittag war dort der Flughafen angegriffen worden.Khaled Abdullah / ReutersYahya Saree, der Sprecher der Huthi, ist längst eine kleine Berühmtheit. Seit Jahren macht der Mann in der blitzblanken Militäruniform mit wütenden Tiraden auf sich aufmerksam. Am Montagnachmittag war es wieder so weit. «Bei Gott», donnerte Saree. «Hierbei handelt es sich um eine ungerechte und eklatante Aggression.» Der Feind werde dafür bezahlen. «Dies wird nicht unbeantwortet bleiben.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zuletzt hatten sich solch harte Worte stets gegen die Israeli oder die Amerikaner gerichtet, welche die jemenitischen Huthi in den vergangenen Jahren immer wieder mit schweren Bombardements überzogen. Doch diesmal meinte Saree nicht etwa die verhassten Imperialisten oder Zionisten, sondern das benachbarte Saudiarabien.Kurz zuvor sollen laut Huthi-Angaben saudische Kampfflugzeuge den Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bombardiert haben. Auf Videoaufnahmen aus der von den Huthi kontrollierten Stadt waren Rauchwolken zu sehen. Riad äusserte sich zu dem Angriff bisher nicht. Stattdessen beansprucht die von Saudiarabien unterstützte, international anerkannte Regierung Jemens die Operation für sich. Ob sie über entsprechende Waffen verfügt, ist aber zweifelhaft.Streit um ein FlugzeugDem Angriff ging ein Streit über ein iranisches Flugzeug voraus. Die Maschine der Mahan Air war unterwegs von Teheran nach Sanaa. Die mit Iran verbündeten Huthi pochen schon länger auf eine derartige Verbindung. Die von Saudiarabien gesponserte Anti-Huthi-Koalition hingegen will sie unbedingt verhindern. Am Ende musste das Flugzeug wegen des Beschusses in die Hafenstadt Hodeida ausweichen.Dabei besteht zwischen Riad und der 2015 in Nordjemen an die Macht gekommenen Rebellenbewegung seit 2022 ein Waffenstillstand. Er beendete einen jahrelangen Bürgerkrieg, in dem die saudische Luftwaffe gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten aufseiten der international anerkannten, mit den Huthi verfeindeten Regierung Jemens gekämpft hatte. Trotz massiven Luftangriffen war es den Saudi damals nicht gelungen, die Huthi aus Sanaa zu vertreiben.Nun könnte der eingefrorene Krieg erneut ausbrechen. Jedenfalls sehen das offenbar die Huthi so, die offiziell bereits in der vergangenen Woche eine Generalmobilmachung beschlossen hatten. Zuletzt kam es in Jemen auch zu Lande zum ersten Mal seit langem wieder zu Gefechten. Südlich von Hodeida gerieten Huthi-Kämpfer und Regierungstruppen aneinander. Dabei starben angeblich Dutzende Soldaten.Bis jetzt halten sich die Huthi zurückDie jüngsten Kämpfe in Südarabien passen ins allgemeine Lagebild im Nahen Osten, wo zuletzt auch der Krieg zwischen Amerika und Iran wieder aufgeflammt ist. Immer wieder wurde darüber spekuliert, ob die Huthi ihren Verbündeten in Teheran zu Hilfe kommen würden. Saudiarabien, welches zuletzt ebenfalls von Iran bombardiert worden ist, fürchtet sich hingegen vor einer Einkreisung und will daher unbedingt Entschlossenheit demonstrieren.Bis jetzt halten sich die Huthi zurück. Dabei hätten die zur Staatsmacht mutierten Milizionäre einen Trumpf in der Hand. So könnten sie etwa Saudiarabien mit Raketen und Drohnen angreifen oder das Tor der Tränen sperren, die Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean. Nach der Blockade der Strasse von Hormuz wäre dies ein weiterer Schlag gegen die Weltwirtschaft. Ob die Huthi so weit gehen würden, ist jedoch unklar.Die Nordjemeniten haben ein Interesse daran, einen offenen Krieg mit ihren Nachbarn zu vermeiden – zumal die Saudi derzeit so gut wie alle Anti-Huthi-Kräfte kontrollieren. Bis heute haben sich die Huthi kaum von den amerikanischen und israelischen Bombardements der letzten Jahre erholt. Jerusalem und Washington hatten damit nach 2023 auf Angriffe der Huthi auf Israel und die Schifffahrt im Roten Meer reagiert.Passend zum Artikel