Wenn der Technologiekonzern Apple seine Anwälte losschickt, dürfte er auch etwas in der Hand haben. Das dürfte auch diesmal kaum anders sein. In einer aktuellen Klage vor einem kalifornischen Gericht wirft der Konzern zwei Ex-Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse illegal an das KI-Unternehmen Open AI weitergegeben zu haben. Dabei geht es insbesondere um noch unveröffentlichte Geräte des Hardware-Spezialisten Apple. Auch Open AI plant, künftig Hardware zu verkaufen, in die die künstliche Intelligenz des Unternehmens perfekt integriert sein soll.Mit der Klage steht auch die Kooperation der beiden Unternehmen auf dem Spiel. Denn Open AI, Erfinder des Chatbots Chat-GPT, sollte eigentlich auch Apples Smartphones und Tablets endlich Weltklasse-KI verleihen.Im Zentrum der Vorwürfe steht ein Mann namens Tang Tan, der bei Apple zuvor wichtige Posten bei der Hardware-Entwicklung innehatte. Tan war vor einigen Jahren Berichten zufolge auch für den Job des Hardware-Chefs gehandelt worden. Den bekam dann John Ternus, der nun am 1. September offiziell Tim Cook als Unternehmenschef beerben soll.Es geht um besonderes Hardware-WissenTan verließ Apple 2024, um gemeinsam mit Apples ehemaligem Chefdesigner Jony Ive das Unternehmen Io Products zu gründen, an dem sich Open AI erst mit 23 Prozent beteiligte. 2025 kaufte Open AI das Start-up komplett. Es soll jetzt für Open AI Hardware entwickeln.Bei der Beschaffung von Material sollen Tan und ein weiterer Ex-Apple-Mitarbeiter der Klage zufolge weit über den Bereich des Erlaubten hinausgegangen sein. Io Products und Open AI haben in den vergangenen Jahren Berichten zufolge rund 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter davon überzeugt, den Arbeitgeber zu wechseln. Tan soll die Kandidaten dabei etwa dazu aufgefordert haben, noch in der Entwicklung befindliche Apple-Produkte zu Vorstellungsgesprächen mitzunehmen und über Geschäftsgeheimnisse zu plaudern. Apple habe ein Muster bemerkt, dass viele Noch-Mitarbeiter vor Vorstellungsgesprächen Daten besorgt haben sollen.Der andere Angeklagte, ein ehemaliger Apple-Elektroingenieur, soll nach seinem Weggang über eine Sicherheitslücke im System weiterhin auf interne Daten zugegriffen haben. Apple liegt demnach sogar ein Chatverlauf vor, in dem der Ingenieur einer noch bei Apple angestellten Mitarbeiterin schreibt „LOL, ich habe rausgefunden, ich habe immer noch Zugriff“, woraufhin sie zurückgeschrieben haben soll: „Ich bin bereit.“ Auch besagte Mitarbeiterin soll später Apple für einen Job bei Open AI verlassen haben.Die Partnerschaft zwischen Open AI und Apple dürfte nun also vor Gericht Risse bekommen. Apple betont zwar in der Klageschrift, dass die bestehende Beziehung mit der Klage nichts zu tun habe. Doch den Apple-Chefs dürfte nicht entgangen sein, dass im Mai Gedankenspiele von Open AI öffentlich wurden, Apple mithilfe einer Anwaltskanzlei einen Bruch der Vertragsbedingungen vorzuwerfen. Eine Provokation des fast 40 Jahre jüngeren Start-ups, das kurz vor einem gigantischen Börsengang steht.Die Partnerschaft der beiden stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Dass Apple-Legende Jony Ive und Sam Altman eine Zusammenarbeit planten, war bereits klar, als Apple und Open AI im Juni 2024 eine Partnerschaft für KI verkündeten: Chat-GPT sollte Apples Siri verbessern, indem etwa Suchanfragen auf Apple-Hardware an Chat-GPT ausgelagert würden. Außerdem sollte die KI beim Texten mit Apple-Geräten helfen. Beobachter erwarteten damals, dass die Integration beiden Seiten helfen dürfte: Milliardenumsätze für Open AI, weniger peinliche KI für Apple. Doch beides passierte nicht.Für die Beziehungspflege wenig hilfreich gewesen sein dürfte zudem, dass der Selbstvermarkter Sam Altman bei jeder Gelegenheit davon sprach, mit Ive die nächste Iteration des iPhones zu bauen. Kein Telefon zwar, aber ein Gerät, das die Funktion des iPhones als wichtigster Begleiter im Alltag ersetzen sollte. Das war ein direkter Angriff auf Apple.Open AI kann schlechte Nachrichten vor dem Börsengang gar nicht brauchenApples Klage kommt für Altman zu einer ungünstigen Zeit. Erst im Mai war ein Prozess zu Ende gegangen, den Elon Musk gegen Altman und Open AI geführt hatte. Der Vorwurf: Altman habe aus der gemeinnützigen Organisation, als die er und Musk Open AI einst gegründet hatten, zu Unrecht ein kommerzielles Unternehmen gemacht. Das Gericht entschied, die Vorwürfe seien verjährt. Jetzt aber kommt vielleicht der nächste Prozess, der Open AIs Börsenpläne stört.Die sahen eigentlich vor, es Space-X nachzumachen und noch in diesem Jahr mit viel Brimborium an die Börse zu gehen. Ob der Plan sich problemlos in die Tat umsetzen lässt, wird langsam unklar. Denn gerade erst hat Open AI den Titel des am höchsten bewerteten KI-Start-ups an Anthropic verloren. Das liegt vor allem daran, dass die Claude-Modelle des Konkurrenten als besser eingestuft werden als die neueren Varianten von Chat-GPT. Apple hatte zuvor bereits verkündet, Chat-GPT für die meisten Anwendungen durch Googles KI Gemini zu ersetzen. Kommt es nun zum Gerichtsprozess, bei dem schmutzige Wäsche gewaschen wird, könnte dieser die Hardware-Pläne des Unternehmens verzögern. Einige Investoren könnten sich dann zwei- bis dreimal überlegen, ob sie wirklich viel Geld in Open AI stecken wollen.
Vom Partner zum Prozessgegner: Apple verklagt zwei Mitarbeiter von Open AI
Apple verklagt Open AI und wirft Ex-Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben. Der Prozess kommt für Open AI zur Unzeit.












