Das Londoner Finanzviertel Canary Wharf ist als Standort für Immobilien weiterhin begehrt. Anders als vor zehn Jahren beim Brexit-Votum von manchen vorhergesagt oder auch in der Covid-Zeit befürchtet, gab es keinen dauerhaften Einbruch der Nachfrage. Im Gegenteil: Mehrere Banken investieren kräftig in bestehende oder in neue Bürotürme auf der ehemaligen Isle of Dogs an der Themse, etwas östlich der historischen City.Barclays hat beschlossen, ihr Bürohochhaus in Canary Wharf für 750 Millionen Pfund (umgerechnet fast 880 Millionen Euro) zu erwerben. Die Bank mietet seit gut zwei Jahrzehnten das zweiunddreißigstöckige silbrige Gebäude am Churchill Place. Nun wird Barclays das bisherige Mietverhältnis gegen eine Pacht über 999 Jahre umwandeln, wie sie gerade mitteilte.750 Millionen Pfund: Barclays hat ihr Bürohochhaus in Canary Wharf in Erbpacht erworben.ReutersVerkäufer des Barclays-Turms in London ist die Canary Wharf Group (CWG), der im Finanzdistrikt fast die Hälfte der großen Gewerbeimmobilien gehört. Eigentümer der CWG sind seit einigen Jahren der US-Vermögensverwalter Brookfield und der Staatsfonds des Golfemirats Qatar (QIA). Brookfield teilte zu dem Verkauf mit: „Diese Transaktion bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass hochwertige Bürogebäude in den weltweit führenden Gateway-Städten weiterhin einen erheblichen Wert haben. Wir sind schon seit Langem der Ansicht, dass Canary Wharf unterschätzt wird, und dieser Verkauf ist ein klarer Beweis dafür.“Neues Hauptquartier für Amerikas größte BankAuch die amerikanische Großbank JPMorgan Chase investiert in großem Stil in einen neuen Büroturm in London. Sie hat vor Kurzem grünes Licht erhalten für ihren Plan, den mit 265 Metern höchsten Wolkenkratzer in Canary Wharf zu bauen. Aufgrund der Nähe zum London City Airport, der knapp fünf Kilometer entfernt liegt, war die Höhe des Neubaus umstritten und bedurfte einer speziellen Genehmigung. Der Flughafen hat indes keine Bedenken geäußert.Der JPMorgan-Turm wird den bislang höchsten Wolkenkratzer One Canada Square (235 Meter), der mehr als drei Jahrzehnte die Spitzenposition hielt, deutlich überragen. Die größte US-Bank wird in den von Foster + Partners entworfenen Bau etwa drei Milliarden Pfund (gut 3,5 Milliarden Euro) investieren. Das neue britische JPMorgan-Hauptquartier soll in etwa sechs Jahren fertiggestellt sein.Vergangene Woche gab zudem PwC bekannt, dass sie Büroflächen für mehrere Tausend Mitarbeiter in Canary Wharf anmieten wird. Ihr Londoner Hauptsitz soll dorthin umziehen. Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verlangt von ihren Angestellten nun mindestens drei Tage in der Woche Anwesenheitspflicht im Büro. KPMG sitzt schon länger im Finanzdistrikt. Zudem wird Visa dort Büros übernehmen, die die Ratingagentur Moody's räumen wird.HSBC will Hotel und Gärten unterbringenEinige andere große Mieter haben Canary Wharf in jüngerer Zeit ganz oder teils den Rücken gekehrt. Dies plante auch HSBC. Europas größte Bank hatte zunächst vor, aus dem Finanzdistrikt komplett wegzuziehen und einen modernen großen Bau in der City zu mieten. Die HSBC wird nun aber doch noch Büros auch in Canary Wharf behalten. Ihr bisheriges Hauptquartier, der markante Turm mit 45 Stockwerken am Canada Square, wird nach ihrem Auszug im Frühjahr 2027 mit hohem finanziellem Aufwand renoviert und umgebaut.800 Millionen Pfund: HSBC will Fassadenteile abnehmen und Platz für Gärten schaffen.ReutersDabei werden große Teile der Fassade abgenommen und geöffnet, ganze Etagenböden entfernt und über mehrere Stockwerke Platz für Gärten geschaffen. In dem bisherigen HSBC-Gebäude sollen nach dem Umbau in den oberen Etagen ein Hotel mit 180 Zimmern sowie Freizeit- und Kulturangebote und eine Aussichtsgalerie entstehen. Die Kosten des architektonisch anspruchsvollen Projekts könnten bis zu 800 Millionen Pfund betragen.Die Canary Wharf Group, der 13 der 32 Bürotürme auf der Halbinsel an der Themse gehören, hat seit einigen Jahren begonnen, vom Konzept eines reinen Finanzviertels abzurücken. Mit zusätzlichen Restaurants, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie dem Bau von Wohngebäuden soll das Viertel stärker durchmischt werden. Statt eines reinen Banken- und Büroviertels soll es auch in den Abendstunden nach Büroschluss belebter werden. Die Leerstandsquote in Canary Wharf, die nach der Pandemie auf über 16 Prozent stieg, ist Ende 2025 mit knapp zwölf Prozent auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren gesunken.