Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung steigen weiter. Im ersten Quartal dieses Jahres waren sie bereits etwa doppelt so hoch wie die Einnahmen. In der Debatte um die Kosten des Gesundheitswesens geht es immer wieder um unnötige Eingriffe, insbesondere kostspielige Hüft-OPs. Doch wie ist die Situation wirklich?
Die AOK Nordost hat jetzt eine Analyse von Krankenhausdaten für Berlin vorgestellt. Ergebnis: In der Hauptstadt wurden zuletzt fast 50 Prozent je 100.000 Einwohner mehr Hüftprothesen eingesetzt als durchschnittlich in allen 38 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD). Bei Knieprothesen lag Berlin 15 Prozent über dem Durchschnitt.
AOK-Chefin: Ist eine Prothese medizinisch immer die beste Option?
„Eine Operation an Hüfte oder Knie verändert das Leben. Deshalb sollte sie nur dann erfolgen, wenn sie medizinisch wirklich die beste Option ist“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Auch für Berlin ist das relevant: Die Zahl der Eingriffe liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Deshalb ist es richtig, dass der Gesetzgeber geregelt hat, dass Versicherte künftig verpflichtend über ihren Anspruch auf eine Zweitmeinung informiert werden müssen.“Bundestag und Bundesrat haben kurz vor der Sommerpause das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet. Als eine Maßnahme zur Kostendämpfung sieht es vor, dass das Recht von Patienten auf eine Zweitmeinung bei bestimmten Eingriffen verpflichtend werden soll. Endoprothetik macht bundesweit etwa fünf Prozent der Kosten für stationäre Klinikbehandlungen aus.














