Über Generationen blieb dieser Kunstschatz fast ganz im Verborgenen: Die Sammlung des Stuttgarter Kaufmanns Max Brommer und seiner Frau Else bildet ab, wie das Paar mit Leidenschaft die künstlerische Entwicklung einer Epoche anhand von Künstlern einer Region verfolgte. Allerdings hatte der Stuttgarter Raum auch Lohnendes von internationalem Gewicht zu bieten, als die Brommers in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Kollektion zusammentrugen. Wichtig waren dabei persönliche Beziehungen zu den Künstlern. Der mit den Eheleuten befreundete Willi Baumeister nannte Max Brommer (1898 bis 1955) in einem Nachruf einen außergewöhnlichen Kunstkenner, engagierten Förderer und leidenschaftlichen Sammler.Ans Bauhaus in Weimar und DessauAm 15. Juli versteigert Nagel in Stuttgart Brommers konzentrierte Kollektion der Moderne, in der Werke Oskar Schlemmers und Baumeisters die tragenden Säulen bilden, im Rahmen der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst. Schlemmer, ein gebürtiger Stuttgarter, studierte in der Stadt in der Klasse von Adolf Hölzel und lernte dort Baumeister kennen. Später lehrte er am Bauhaus in Weimar und Dessau, doch sein berühmtes „Triadisches Ballett“ wurde 1922 in Stuttgart uraufgeführt. Als die Nationalsozialisten seine erfolgreiche Karriere abwürgten, kehrte Schlemmer nach Südwestdeutschland zurück.Soll 50.000 bis 80.000 Euro erlösen: Oskar Schlemmer, „Kopf nach links geneigt“, 1931/31, Bleistift und Öl auf Nessel, 21,3 mal 12,3 ZentimeterNagelBaumeister vermittelte dem in finanzieller Bedrängnis Steckenden Arbeit bei Albrecht Kämmerer, der in Stuttgart einen Malerbetrieb führte und engagiert Kunst sammelte. Aus seiner Kollektion übernahmen die Brommers den „Weiblichen Profilkopf nach links“ von 1936 (Taxe 80.000 bis 120.000), ein ebenso charakteristisches Beispiel für Schlemmers Figurenauffassung wie der „Kopf nach links geneigt“ von 1931/32 (50.000/80.000) oder das um 1929 entstandene Pastell „Barocker Knabenakt“ (55.000/75.000). Für Kämmerer führte der Künstler einen Zyklus von 13 Hinterglasbildern mit religiösen Motiven aus. Diesem Spätwerk von 1942 gilt eine Taxe von 20.000 bis 30.000 Euro.In Baumeisters Atelier begeisterten sich die Brommers für die 1942 in Öl gefasste, archaisch wirkende „Afrikanische Erzählung“ (10.000/20.000) und die „Studie weiß und schwarz I“ von 1952 (45.000/65.000). Unbestritten zählt Baumeister auch als Lehrer zu den prägenden Künstlern der deutschen Nachkriegsabstraktion. Dass dagegen sein eigener Lehrer Hölzel in der Sammlung Brommer nur marginal vertreten ist, entspricht einer Rezeption, die das Œuvre dieses frühen Wegbereiters der Abstraktion weniger wertschätzt als seine Wirkung auf den „Hölzel-Kreis“.Das teuerstes Los der Auktion stammt nicht aus der Sammlung Brommer: Max Beckmann, „Judith und Holofernes“, 1912, Öl auf Leinwand, 110 mal 100 Zentimeter, Taxe 80.000 bis 120.000 EuroNagelIda Kerkovius, die diesem angehörte, scheint das Ehepaar Brommer, gemessen an der Vielzahl der – oftmals direkt bei der Künstlerin erworbenen – Werke, sehr geschätzt zu haben. Das Ölbild einer „Komposition mit sitzender Figur“ schmückt den Katalogtitel der Auktion (2500/3500).Spuren von Hölzels WirkenHölzel und sein Kreis hinterließen auch bei Gottfried Grafs abstrahierten Figuren ihre Spuren. Hinzu kam seine Bewunderung für den Kubismus von Albert Gleizes, den er während eines Frankreichaufenthalts kennenlernte. Beides verquicken seine Gemälde „Sonnenjüngling“ von 1920 und „Schreitendes Liebespaar II“ von 1919 (je 8000/12.000).Das höchsttaxierte Los der Auktion, Max Beckmanns „Judith und Holofernes“, kommt nicht aus der Sammlung Brommer. Im Unterschied zum klassischen Gemäldemotiv, das die alttestamentarische Retterin ihres Volkes beim Abtrennen oder Vorzeigen des Kopfs von dem verführten Assyrer darstellt, zeigt Beckmann seine mächtige, mit dem Schwert ausholende Frauengestalt am Beginn der Tat. Die großformatige, 1912 gemalte Leinwand gehört noch in die spätimpressionistische Phase des Künstlers, zeugt aber bereits von der expressiven Kraft, die sein Werk später beherrschen sollte (80.000/120.000).
Auktion der Sammlung Brommer bei Nagel in Stuttgart
Das Auktionshaus Nagel versteigert einen lange verborgenen Schatz aus Privatbesitz: Die Sammlung Brommer zeigt, welche bedeutende Rolle Stuttgarter Künstler bei der Entfaltung moderner Kunst spielten.






