Der Vertriebschef einer großen amerikanischen Finanzfirma bittet um Vertraulichkeit, als das Gespräch auf MSCI kommt. Dann sagt er frei heraus: „An denen beißen sich alle die Zähne aus. Da können Sie als Konkurrent so billig sein, wie Sie wollen – die Leute bleiben denen trotzdem treu.“Das Kürzel, das den Vertriebschef schier zur Verzweiflung bringt, ist in der Finanzwelt wohlbekannt: MSCI hat einige der wichtigsten Börsenbarometer der Welt entwickelt, allen voran den MSCI World, in den viele Sparer regelmäßig investieren. Oft wird darüber berichtet, dass der Zusatz „World“, den der Index im Namen trägt, in Wahrheit eine Mogelpackung ist. Denn der MSCI World bildet die Wertentwicklung von rund 1300 Aktiengesellschaften aus den wichtigsten Industrieländern nach, aber eben nicht die ganze Welt.Wenig wird dagegen über das Unternehmen gesprochen, das sich hinter dem Kürzel MSCI verbirgt. Dabei ist das die eigentliche Geschichte.Die Geschichte hinter MSCIMSCI ist eine börsennotierte Gesellschaft, auf die Anleger genauso setzen können wie auf den MSCI World. Das Überraschende daran ist: Mit der MSCI-Aktie ließ sich in den vergangenen Jahren noch mehr verdienen als mit dem MSCI World. Seit Jahresanfang 2020 hat dieser seinen Wert in etwa verdoppelt, ein Zugewinn von hundert Prozent. Für die MSCI-Aktie lief es noch besser: Ihr Plus betrug im gleichen Zeitraum sogar 134 Prozent.Wie konnte das gelingen? Und was hat es nun mit dem ominösen Kürzel auf sich, das der Firma ihren Namen gibt? Die zweite Frage lässt sich schneller beantworten als die erste. Das Unternehmen hinter den heute so populären Aktienindizes wurde Ende der 1960er-Jahre unter dem Namen Capital Indices International gegründet. Die Idee, systematisch die Börsendaten von Märkten außerhalb der USA auszuwerten, galt damals als seltsam. Die Großanleger jener Zeit stammten fast alle aus den Vereinigten Staaten und interessierten sich nur wenig für Aktien außerhalb ihrer Heimat.Später übernahm die Großbank Morgan Stanley das Unternehmen, was endlich auch erklärt, wofür die Buchstabenkombination steht, die heute jeder kennt: Morgan Stanley Capital International. Heute haben die Bank und MSCI nichts mehr miteinander zu tun, 2007 ging MSCI als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Den Namen behielt man aber, weil er schon damals in der Finanzszene einen guten Klang hatte.Das Geschäft mit den GebührenWomit wir bei der anderen Frage wären: Wie hat es MSCI geschafft, eine Stellung zu erlangen, die die Konkurrenz zur Verzweiflung bringt und die Anleger erfreut? Henry Fernandez, seit fast dreißig Jahren an der Spitze von MSCI, hat der Sonntagszeitung dazu vor einiger Zeit in einem Interview sinngemäß gesagt: Man habe mit den Börsenbarometern eine Art Standard geschaffen, an dem niemand vorbeikomme. „Das ist vergleichbar mit der physischen Infrastruktur eines Landes.“Das sind große Worte, wie sie ein selbstbewusster Firmenchef schon einmal wählen darf, der seit vielen Jahren verlässlich einen Nettogewinn von mehr als einer Milliarde Dollar einfährt. Aber auch unabhängige Analysten wie Rajiv Bhatia vom Analysehaus Morningstar stimmen in den Lobgesang ein: „Das Indexsegment ist das Kronjuwel der Firma.“ Dort habe sie Preissetzungsmacht. Andere Geschäftsfelder, zum Beispiel im Bereich der Risikoanalyse von Portfolios, sind im Vergleich dazu zu vernachlässigen.Konkret ist mit „Indexsegment“ Folgendes gemeint: Fondsmanager aus der ganzen Welt messen ihre Leistung daran, wie gut oder schlecht sie im Vergleich zu einem bestimmten Börsenindex abschneiden. Das Fachwort hierfür lautet „Benchmark“, und kein Vergleichsmaß wird im Bereich der internationalen Aktienmärkte so häufig gewählt wie der MSCI World. Um jederzeit Zugriff auf die dahinterstehenden Daten zu haben, zahlen die Fondsgesellschaften MSCI eine Gebühr. Die falle deutlich höher aus als bei anderen Indexanbietern, ist in der Branche zu hören. Dass sich trotzdem kaum einer für einen Wechsel entscheidet, hat auch mit der Qualität der angebotenen Datensätze zu tun. Kaum ein Konkurrent hat für Aktiengesellschaften außerhalb Amerikas Datenreihen, die detailliert bis in die 1960er-Jahre zurückreichen. Dies erklärt, warum nach Angaben von MSCI Geldanlagen im Wert von mehr als 18 Billionen Dollar an die Aktienbarometer des Unternehmens gekoppelt sind.Die Partnerschaft mit BlackrockDass die Summe derart hoch ausfällt, hat auch mit einer Entwicklung zu tun, die in den Anfangstagen von MSCI niemand so absehen konnte: Die Rede ist vom enormen Erfolg der börsengehandelten Indexfonds, besser bekannt unter dem Kürzel ETF. Vor allem vielen Privatleuten leuchtet diese Art des Geldanlegens ein, bei der es nicht mehr darum geht, die besten Aktien zu finden. ETF beschränken sich stattdessen darauf, einen Aktienmarkt in seiner ganzen Breite abzubilden. Das ist, so zeigen es seit Jahren viele Studien, auf lange Sicht der erfolgversprechendere Weg.
MSCI Aktie: So schlägt sie den MSCI World Index
Viele Sparer investieren in den Aktienindex MSCI World. Doch die Firma hinter dem Index hat sich für Aktionäre noch mehr gelohnt.






