PfadnavigationHomeRegionalesHamburgAurubis zieht um„Eine gute Opportunität“ – Warum die neue Zentrale in der Hafencity sitztVeröffentlicht am 13.07.2026Lesedauer: 4 MinutenAurubis-Konzernchef Toralf Haag in der neuen Konzernzentrale in der Hafencity in HamburgQuelle: Olaf PreußDer Kupferkonzern und Multimetall-Hersteller Aurubis verlegt seine Hauptverwaltung aus dem Stammwerk auf der Veddel in die Hamburger Innenstadt. Freie Kapazität entstand am Brooktorkai vor allem auch, weil ein anderer, global tätiger Konzern dort seit der Pandemie auf mehr Arbeit im Homeoffice setzt.Das Stammwerk des Kupferkonzerns Aurubis auf der Peute ist ein rustikales, eindrucksvolles Stück Hamburger Industriegeschichte. Das rund einen Quadratkilometer große Areal wird permanent umgebaut, überarbeitet und an die wirtschaftlichen, technologischen und ökologischen Erfordernisse der Zeit angepasst.Nun zieht die Konzernzentrale aus dem Werksgelände aus. Direkt neben der Produktion auf der Peute, die zum Stadtteil Veddel gehört, wird die Hauptverwaltung angesichts moderner Kommunikationsmittel heutzutage nicht mehr nicht benötigt. Am Brooktorkai in der Hafencity hingegen finden 650 Beschäftigte von Aurubis auf viereinhalb Etagen und 7100 Quadratmetern Bürofläche Platz – und eine wesentlich bessere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch mit dem Fahrrad an die Stadt als auf der Veddel. Umgezogen wird im Juli in vier Schüben.Lesen Sie auchDie alte Hauptverwaltung im Werk wird perspektivisch abgerissen und der Produktion zugeschlagen, sagt Aurubis-Konzernchef Toralf Haag bei einem Rundgang durch die neuen Räume. Die Anmietung in der Hafencity sei „eine gute Opportunität“ gewesen: „Die alte Hauptverwaltung zu sanieren, hätte einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Wir haben von der Hafencity eine Standleitung auf die Peute, und die Mitglieder des Vorstands werden auch weiterhin regelmäßig und häufig im Werk sein.“ Die neue Konzernzentrale mit offenen Strukturen in Großräumen, mit Begegnungs- und auch Rückzugsräumen sei „Teil unserer Unternehmenskulturinitiative“, sagt Haag. „Wir bekennen uns auch damit ausdrücklich zum Standort Hamburg.“ Individuelle Arbeitsplätze in der klassischen Form gibt es im Gebäude in der Hafencity nicht mehr. Schreibtische werden vorab per App gebucht, ebenso Stellplätze in der Tiefgarage. Für persönliche Gegenstände hat jeder Mitarbeiter seinen eigenen Spind.Aurubis ist eines der wichtigsten Industrieunternehmen in Hamburg und Norddeutschland und einer der führenden Hersteller und Recycler von Kupfer weltweit. Neben Kupfer erzeugt Aurubis aus dem Rohstoff Kupferkonzentrat und aus Recyclingmaterial eine große Bandbreite von Metallen, darunter die Edelmetalle Gold, Platin und Silber. Bis zu 350 Millionen Euro investiert der Konzern jährlich in die Erneuerung seiner Werke und in den Neubau von Anlagen. In der vorvergangenen Woche nahm Aurubis auf der Peute die weltweit modernste Multimetall-Recyclinganlage in Betrieb, deren Bau 190 Millionen Euro gekostet hat.Lesen Sie auchFreie Kapazität am Brooktorkai entstand in den vergangenen Jahren vor allem, weil der Platzbedarf von DNV am Standort geschrumpft ist. Das norwegische Unternehmen, das 2013 den Germanischen Lloyd in Hamburg übernommen hatte, ist einer der weltweit führenden Prüf- und Klassifikationskonzerne und Marktführer in der maritimen Wirtschaft. „Die Entwicklung von DNV in Hamburg und Deutschland ist in den vergangenen Jahren insgesamt stabil“, sagte ein DNV-Sprecher WELT: „Die Mitarbeiterzahl in Deutschland liegt aktuell bei rund 1320 – mit rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bleibt Hamburg der mit Abstand größte Standort.“Das Gebäude am Brooktorkai 18 gehört der Gator Beteiligungsverwaltungsgesellschaft des Tchibo-Erben Günter Herz. Er war seit 2006 am Germanischen Lloyd und nach dessen Übernahme durch DNV bis 2017 auch an DNV GL beteiligt, wie das Unternehmen seinerzeit hieß. Neben DNV und Aurubis sitzt am Brooktorkai 18 auch der Hamburger Verkehrs-Verbund (hvv).Lesen Sie auchWesentlicher Treiber für die veränderte Flächennutzung von DNV am Brooktorkai sei „die Transformation hin zu flexiblen und hybriden Arbeitsmodellen, die wir seit der Corona-Pandemie konsequent umgesetzt haben“, sagt der DNV-Sprecher. „Unsere Mitarbeitenden arbeiten im Regelfall drei Tage im Büro und zwei Tage im Homeoffice. Auch durch die Nutzung von Desksharing-Konzepten werden die Büroflächen heute deutlich effizienter genutzt als früher – ein Trend, den wir weltweit beobachten.“Zeitweise war Hamburg die globale Zentrale von DNV für das maritime Geschäft. Diese Struktur gebe es heutzutage so allerdings nicht mehr, sagt der Sprecher: „DNV hat seine globale Organisationsstruktur in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und stärker dezentral sowie international ausgerichtet. Klassische, klar abgegrenzte Hauptquartiere einzelner Geschäftsbereiche gibt es in dieser Form nicht mehr. Hamburg zählt jedoch weiterhin zu den zentralen globalen Hubs für das maritime Geschäft von DNV.“Insgesamt entwickele sich das maritime Geschäft von DNV in Deutschland „positiv, getragen von einer steigenden Nachfrage bei Reedern, Werften und Zulieferern. Hamburg ist und bleibt ein zentraler Standort für DNV, und Deutschland einer unserer Heimatmärkte – insbesondere für das maritime Geschäft.“Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet vor allem über die maritime Wirtschaft, die Energiewirtschaft, die norddeutsche Industrie und über die Verkehrs-Infrastruktur.