Vor einem Jahr ist die spanische Großbank BBVA in den deutschen Markt eingetreten. Angeheizt hat sie vor allem den Wettbewerb um Tagesgeldzinsen. Wer zum Start der Bank ein Konto eröffnete, bekam eine Verzinsung von drei Prozent auf das Girokonto und zusätzlich bis zu 250 Euro im Monat Rückzahlung für Zahlungen mit der Debitkarte – ein Jahr lang. Wenige Wochen nach dem Start gewährte die BBVA diese Konditionen nur noch für sechs Monate.Erst kurz im Amt: Jürgen von der Lehr ist Deutschlandchef der BBVA.BBVAAber das Zeichen war gesetzt. Mittlerweile bieten auch andere Banken Zinsen auf Tagesgeld, die höher als drei Prozent liegen. Allen voran die US-Bank J.P. Morgan, die unter ihrem Markennamen Chase vier Prozent im Angebot hat – allerdings nur in den ersten vier Monaten. Den Markteintritt der US-Bank habe man „bemerkt“, sagt Jürgen von der Lehr, seit gut zwei Monaten Deutschlandchef der BBVA: „Tut er uns weh? Nein.“Mit Zahlen ist der Banker, der zuvor für den direkten Konkurrenten ING Deutschland gearbeitet hat, ziemlich zurückhaltend. Wie viele Kunden die spanische Bank in den vergangenen zwölf Monaten gewonnen hat, mag er nicht verraten und antwortet ausweichend: „Eine sechsstellige Kundenzahl ist ja schon mal veröffentlicht worden und damit in der Range, in der wir uns sehr wohlfühlen. Es ist keine Frage, es ist definitiv nicht das Endziel, aber wir fühlen uns für den Moment damit sehr wohl.“ Nach einem anfänglich steilen Anstieg der Kundenzahl habe sich das Wachstum auf eine fünfstellige Anzahl von Neukunden im Monat eingependelt, sagt von der Lehr.Keine konkreten ZahlenMehr ist ihm nicht zu entlocken. Seine Zurückhaltung begründet er damit, dass die BBVA als börsennotiertes Unternehmen in einer so frühen Phase keine Marktentwicklungen preisgeben wolle. Zu einem späteren Zeitpunkt solle es genauere Angaben geben. Wann genau, das lässt er offen.In einem Punkt bewegt sich die BBVA unter ihrem neuen Deutschlandchef aber. Bislang lehnte die spanische Bank es ab, der freiwilligen Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken beizutreten. Stattdessen verwies sie auf ihre knapp 170-jährige Geschichte und vor allem auf finanzielle Stabilität. Das spanische Institut zählt nach Börsenwert zu den fünf größten in Europa. Daher hielt man es für ausreichend, dass Kundeneinlagen bisher nur im EU-weit geltenden rechtlichen Rahmen bis zu 100.000 Euro von der spanischen Einlagensicherung abgedeckt waren.Kenner des deutschen MarktesDoch das könnte sich nun ändern. „Wir schauen uns das gerade besonders intensiv an“, sagt von der Lehr, der den deutschen Privatkundenbankmarkt gut kennt, mit Blick auf eine Mitgliedschaft in der freiwilligen Einlagensicherung: „Wir hören auf das Kundenfeedback. Und haben dabei auch Dinge im Auge, die uns helfen, weiterzuwachsen, den einen oder anderen Kunden vielleicht davon abgehalten haben, Kunde bei uns zu werden.“ Mitbewerber wie sein früherer Arbeitgeber werben offen damit, dass bei ihnen auch Einlagen, die 100.000 Euro überschreiten, abgesichert seien.Und von der Lehr weiß auch, dass Zeit durchaus eine Rolle spielt. Mit den Regeln des freiwilligen Einlagenfonds ist er bestens vertraut. Die Aufnahmegebühr richtet sich nach der Größe der Bank (gemessen an der Bilanzsumme beziehungsweise dem Eigenkapital). Darum ist ein frühzeitiger Eintritt mit noch geringerem Geschäftsvolumen wirtschaftlich besonders attraktiv. Danach fällt ein jährlicher Beitrag an. Dieser bemisst sich nach der Höhe der im Fonds abgesicherten Einlagen, insbesondere der Kundengelder, die über die gesetzliche Grenze von 100.000 Euro hinausgehen, wie auch dem individuellen Risikoprofil der Bank.Profit ist nach einem Jahr nicht entscheidend„Wir schauen nicht nach Jahr eins auf die Frage, wie viele Kunden wir haben und wie viel Geld wir mit ihnen verdienen, sondern wir orientieren uns eher an der Frage, wie das ‚Kundenzufriedenheitslevel‘ ist“, sagt von der Lehr. So ist die BBVA in Deutschland vom ersten Tag an telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Am anderen Ende der Leitung sitzen Menschen und kein KI-gesteuerter Bot.Doch der Banker sieht noch Luft nach oben. Auf einer Skala von eins bis zehn wertet er den gegenwärtigen Service mit sieben bis acht. Darum will er das Callcenter auch verstärkt in Deutschland ansiedeln. Kunden, die heute bei BBVA anrufen, landen in Madrid, wenn sie vor neun Uhr morgens oder nach 17 Uhr nachmittags anrufen. Ziel sei es, den telefonischen Kundendienst Stück für Stück von Deutschland aus anzubieten, sagt er. Nicht nur eine kurze Wartezeit von maximal 20 oder 30 Sekunden ist ihm wichtig, sondern auch, dass das Anliegen des Kunden mit einem Anruf erledigt werden könne.Die BBVA hat jüngst eine neue Aktion für Neukunden gestartet. Für sechs Monate erhalten sie 3,5 Prozent Zinsen sowie 3,5 Prozent „Cashback“ für getätigte Umsätze. Bestandskunden zahlt das spanische Institut 2,25 Prozent, bei aktiver Nutzung des Kontos sogar 2,75 Prozent. Dann muss aber entweder das Gehalt aufs Konto eingehen oder mit Debit- und/oder der Kreditkarte monatlich mindestens 1500 Euro umgesetzt werden.„Wir bieten nicht nur gute Promo-Konditionen, sondern auch anschließend gute Zinsen“, sagt von der Lehr: „Und da wüsste ich jetzt auch niemanden, der dem standhalten kann.“ Aber wie will er nun langfristig Geld verdienen? „Im Bereich Kredite“, nennt er ein Beispiel. Mit der BBVA ist es möglich, Kartentransaktionen in drei Raten abzubezahlen: „Da können Sie auskömmlich verdienen, ebenso wie mit klassischen Konsumentenkrediten. Wir verdienen natürlich auch an Kontoüberziehungen sowie der Nutzung des Überziehungskredits.“ Den Online-Aktienhandel oder die Baufinanzierung sieht er ebenfalls als mögliche Einnahmequellen. Geschäftsbereiche, die sich die BBVA allerdings erst einmal erschließen muss.
BBVA erwägt höhere Einlagensicherung für Gelder deutscher Kunden
Vor einem Jahr trat die spanische Großbank BBVA in das deutsche Privatkundenbankgeschäft ein. Einen möglichen Wachstumsnachteil könnte das Institut in Zukunft beseitigen. Dies deutete der neue Deutschlandchef der BBVA, Jürgen von der Lehr, im Gespräch mit der F.A.Z. an.






