Eigentlich ist die Eiserne Lunge heute ein Museumsstück, man kann dieses riesige Instrument etwa im Medizinhistorischen Museum in Berlin besichtigen. Doch ein Mensch auf der Welt hat sie bis vor kurzem noch benutzt, als vermutlich letzter: Es ist Martha Lillard, die bereits Ende Juni im Alter von 78 Jahren im US-Bundesstaat Oklahoma an den Folgen einer chronischen Lungenerkrankung und des Post-Polio-Syndroms starb. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf ihre Familie.
Lillard hatte sich im Alter von fünf Jahren mit Kinderlähmung (Polio) infiziert. Die Krankheit führte zu einer Lähmung vom Hals abwärts und beeinträchtigte ihre Atemmuskulatur so stark, dass sie zum Atmen auf eine Eiserne Lunge angewiesen war. Trotzdem ging sie als Kind zwei Stunden am Tag in die Schule. Während der Corona-Pandemie verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand nach zwei Covid-19-Infektionen, sodass sie zeitweise nahezu rund um die Uhr in dem Gerät verbringen musste. Eigentlich sollte sie nicht älter als 20 Jahre alt werden, erzählte ihre Schwester Fox News, aber sie sei entschlossen gewesen, das Beste aus ihrem Leben zu machen.
Die Eiserne Lunge ist ein großvolumiges, zylinderförmiges Beatmungsgerät, das vor allem während der Polio-Epidemien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingesetzt wurde und viele Leben rettete. Sie steht sinnbildlich für den extremen Lebenswillen von Langzeitpatienten, die jahrzehntelang in der Röhre aus Stahl lebten. Anders als moderne Beatmungsgeräte arbeitete sie mit Unterdruck: Der Körper des Patienten lag bis auf den Kopf in einer luftdicht verschlossenen Metallkammer. Durch wechselnden Unterdruck hob und senkte sich der Brustkorb, wodurch Luft in die Lungen strömte und wieder herausgedrückt wurde. Das Verfahren ersetzte die Atemarbeit, wenn die Atemmuskulatur durch die Polioviren gelähmt war.










