Wer heute an ihren Ufern steht, sieht auf den ersten Blick nur eine friedliche Naturkulisse. Doch die Elbe ist historisch aufgeladen. Auf einer Strecke von rund 94 Kilometern bildete sie einst die unerbittliche Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Zahllose Menschen wagten hier den Sprung ins Ungewisse, getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit.Manche Geschichten grenzten an Wunder, andere endeten in einer Tragödie und manche gingen nach dem Scheitern doch noch gut aus: Ein Ehepaar hatte mit langer Planung ein U-Boot gebaut und wagte 1976 die Flucht. Doch bei der Wasserung verfing sich ein Tau; das Gefährt wurde manövrierunfähig und das halb erfrorene Paar entdeckt. Ihr Wille blieb im Gefängnis ungebrochen: Sie lehnten jede Wiedereingliederung ab und hielten starr an ihren Ausreiseplänen fest.1982 setzten sie schließlich ihre Auswanderung in den Westen durch – und gelangten so doch noch auf die andere Seite der Elbe. Dass Fluchtversuche fehlschlugen, lag auch an den Schnellbooten der DDR-Grenzer vom Typ GSB 066 – „Boote, die speziell für die Strömungsverhältnisse der Elbe flach und schnell gebaut wurden und den Spitznamen ‚Flussbiber‘ hatten“, erinnert sich der Berliner DDR-Schiffshistoriker Uwe Giesler. „Die Besatzung der Boote konnte zügig in die Sandbuhnen fahren. Dort wartete das Boot und lauerte darauf, mit den kraftvollen Motoren Grenzverletzungen im Fluss zu verhindern.“