Beginnen soll dieser Konzertabend mit einem Treppenwitz der deutschen Musikgeschichte. Nachdem beide Bands ewiglang durch grimmige Feindschaft und neckische Gegnerschaft verbunden waren, wünschen Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González der Hörerschaft ihrer vorgeblichen Lieblingsrivalen auf dutzenden Plakatwänden entlang der S-Bahngleise: „Viel Spaß bei den Hosen! Eure Ärzte“.

Bald wird es das endgültig gewesen sein mit diesem vergnüglichen Antagonismus: Die Toten Hosen sagen Lebewohl. Vor wenigen Wochen haben sie ihr letztes Studioalbum vorgelegt, eine stürmisch-versonnene Abschiedsrevue voller historischer Reminiszenzen, ein letztes Herzensecho aus viereinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte, theatral und lakonisch zu gleichen Teilen. Nun folgt also die weitschweifige Abschiedsreise – eine Schlusstournee, welche die Band an diesem elften Juliabend auch noch einmal ins Olympiastadion führt.

Spaßpunks und Stadionkünstler

Gegen 20 Uhr ertönt zunächst eine der essenziellen Urmelodien, sie stammt nicht aus eigenen Federn und doch gilt sie ihnen wie ihren Jüngern als lebenslanger Schwur: „You’ll never walk alone“. Während der Ouvertüre werden an den Bühnenrändern zwei großgestische Flaggen gehisst, „Bis zum bitteren Ende“ lautet das Gelöbnis. Und tatsächlich, als die scheidende Rockerbande um Campino die Bühne betritt, erheben sich die Menschen auf den Rängen: „Dürfen wir uns kurz vorstellen, wir sind aus Düsseldorf, wir sind die Jungs von der Opel-Gang!“