PfadnavigationHomePolitikAuslandRussische Einschläge„Vorschriften wurden missachtet“ – Selenskyj will Militärs bestrafenStand: 01:13 UhrLesedauer: 4 MinutenUkraines Präsident Wolodymyr Selenskyj Quelle: Danylo Antoniuk/AP/dpaBei russischen Angriffen auf eine Stadt nahe Kiew war ein Munitionslager in die Luft gegangen. Neun Menschen sind gestorben. Selenskyj macht nun die Leiter zweier Staatsbetriebe verantwortlich.Bei einem russischen Raketenangriff gingen vor einigen Tagen nahe Kiew Munitionslager in die Luft – nun will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die verantwortlichen Beamten bestrafen. Es sei eindeutig verboten gewesen, Depots in der Stadt Wyschnewe anzulegen, „doch all diese Vorschriften wurden missachtet“, klagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Dabei gebe es genügend Plätze in der Ukraine, um solche Depots in sicherer Entfernung von Wohnhäusern aufzubauen.Laut Selenskyj waren für den Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften Leiter zweier Staatsbetriebe verantwortlich. Gegen sie und andere Manager werde ermittelt.Das russische Militär hatte in der Nacht zum 6. Juli einen massiven Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern auf die Ukraine gestartet. Ziel war neben Kiew auch die Stadt Wyschnewe unmittelbar westlich der ukrainischen Hauptstadt. Durch den Einschlag und die Folgeexplosionen kamen in Wyschnewe nach Behördenangaben neun Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Wegen der andauernden Explosionsgefahr mussten die Behörden Hunderte Anwohner evakuieren. Tagelang kämpften die Einsatzkräfte gegen die Flammen.Lesen Sie auchAm Samstag wurden bei russischen Angriffen in der Ukraine acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, Russland habe sein Land in der Nacht mit mehr als 120 Drohnen und zwölf Raketen angegriffen. „Zivile Infrastruktur wurde getroffen, bevor Luftalarm ausgerufen wurde“, erkläre Selenskyj. Er veröffentlichte Videos von Einsatzkräften, die in den Trümmern von Gebäuden nach Verschütteten suchten. In der Hauptstadt Kiew seien Wohngebäude, Büros und eine theologische Lehranstalt beschädigt worden, erklärte der Staatschef. Auch in anderen Landesteilen liefen Bergungseinsätze.Klitschko spricht von weiterer Eskalation des KriegsZunächst war nur von Verletzten die Rede gewesen. Später erklärte aber der Bürgermeister der nordukrainischen Stadt Sumy, Artem Kobsar, dort habe eine russische Lenkbombe fünf Menschen getötet, darunter ein junges Mädchen. Bei einem Raketenangriff in der südukrainischen Hafenstadt Odessa starben nach Angaben von Regionalgouverneur Oleg Kiper zwei weitere Menschen. In der östlichen Stadt Slowjansk wurde Behördenangaben zufolge ebenfalls ein Mensch bei einem russischen Angriff getötet. In Kiew wurden nach Angaben der Stadtverwaltung zwölf Menschen bei russischen Angriffen verletzt, darunter zwei Kinder. Lesen Sie auchKiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach angesichts der vermehrten russischen Luftangriffen in den vergangenen Tagen von einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs durch Moskau. Er habe so etwas seit Kriegsbeginn noch nicht erlebt. „Die Angriffe mit russischen ballistischen Raketen sind schlimmer als je zuvor“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Die von Kremlchef Wladimir Putin betriebene Eskalation sei auch auf die neue Stärke der Ukraine auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, zeigte sich Klitschko überzeugt. Putin stehe so unter Druck, „dass er jetzt offenbar Kiew kaputt bomben will, bevor der Winter beginnt“, sagte der frühere Box-Weltmeister. Klitschko rief die westlichen Partner der Ukraine zu weiteren Hilfen bei der Flugabwehr auf. Gerade beim Abfangen ballistischer Raketen ist Kiew auf Systeme wie die von den USA produzierten Patriot-Komplexe angewiesen.Selenskyj erneuert Appell an VerbündeteAuch Selenskyj erneuerte seinen Appell an die Verbündeten seines Landes, mehr militärische Ausrüstung zur Abwehr der russischen Invasion bereitzustellen. Dabei forderte er die USA ausdrücklich auf, ihre Zusage einzulösen, der Ukraine eine Lizenz für die Herstellung der Patriot-Luftabwehrsysteme zu erteilen.„Zwischen der Ankündigung eines Hilfspakets für die Ukraine und dessen Realisierung dürfen nicht Wochen liegen“, sagte Selenskyj. „Ukrainische Krieger brauche mehr Mittel, mehr Ressourcen, um Leben zu schützen, um Menschen vor dem russischen Übel zu schützen.“Nato-Staaten haben der Ukraine mehrere Patriot-Systeme zur Verfügung gestellt, bislang liefern sie ihr auch die Raketen. Zuletzt gingen die ukrainischen Reserven jedoch zur Neige. Die Luftabwehr hatte daher erhebliche Probleme beim Abfangen der Raketen.US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara bekanntgegeben, sein Land werde der Ukraine „das Recht geben, Patriots herzustellen“. Selenskyj sagte am Donnerstag, es seien noch technische Details zu klären. dpa/AFP/luwi