Was vor ein paar Jahren unsagbar schien, sei heute salonfähig, heißt es oft. Aber stimmt das? Zu Besuch bei Friseur Bernd Rzepka im „SalonFähig“ in Amberg.
D er Tag beginnt mit einem Schreck. Das Licht ist weg. „Manche Frisuren kann ich mit geschlossenen Augen schneiden“, sagt Bernd Rzepka. „Das wäre dann jetzt der Moment, es auszuprobieren.“ Er lacht. Man sollte den Dingen mit Humor begegnen, das ist Rzepkas Devise. Der Friseur wird dann aber doch schnell wieder ernst, wie er da so im Halbdunkeln hinter dem hölzernen Kassentisch steht, das volle Terminbuch aufgeschlagen. Die erste Kundin soll gleich um 9 Uhr kommen, die nächste um 9.30 Uhr. Und dann ist auch noch die Journalistin zu Besuch, um ihn bei der Arbeit zu begleiten. Ausgerechnet an so einem Tag funktionieren die Lampen nicht.
Ein Dienstag im Juni. In Amberg, einer kleinen Stadt in der Oberpfalz östlich von Nürnberg, geht es am frühen Morgen noch beschaulicher zu als sonst. Wenige Menschen sind auf der Georgenstraße unterwegs, die quer durch die von einer mittelalterlichen Stadtmauer eingefasste Altstadt verläuft, vorbei an pittoresken Häuserfronten, über den Marktplatz und über das grüne Wasser der Vils. Kleidergeschäfte wie Wöhrl und Vero Moda haben noch geschlossen. In der Nähe der St. Georg-Kirche, schräg gegenüber von einem Barbershop, ist Bernd Rzepkas Salon. Ein verschnörkeltes schwarzes Schild hängt an der Fassade, darauf steht in hellen Lettern „SalonFähig“.







