Es ist eine unendliche Geschichte mit der Sanierung des Staatstheaters in Augsburg. Es wird teurer, die Arbeiten verzögern sich. Wie es besser gehen soll, das will Augsburgs neuer Oberbürgermeister Florian Freund (SPD) nun direkt vor dem Theater zeigen: Dort beginnt die Fuggerstraße, „das Tor zur Innenstadt“, ein momentan ziemlich graues, asphaltiertes und von Bussen zugestelltes Tor.Ein ums andere Mal hat Freund im zurückliegenden Wahlkampf betont, dass er diesen hässlichen Stadtflecken verschönern will, und zwar zügig und eben auch, um den Bürgern zu zeigen, dass das Rathaus Großprojekte stemmen kann. Genau daran zweifeln viele Augsburger bereits seit Längerem, nicht allein wegen des Staatstheaters.Die Schultoiletten, der Fünf-Minuten-Takt der Trambahn und die Aufwertung der Fuggerstraße, das waren drei zentrale Wahlkampfversprechen des neuen Oberbürgermeisters, und offenbar hat er damit einen Nerv getroffen. Etwa 300 Meter sind es vom Staatstheater bis zum Königsplatz, seit mehr als zehn Jahren sieht es dort aus wie in einem Provisorium. Dabei waren Planungen schon weit fortgeschritten, doch dann gab es Streit, ob die Bäume dort erhalten bleiben sollen, und die Stadt schreckte vor den Kosten eines Umbaus zurück, nach heutigem Maßstab knapp 19 Millionen Euro.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Und so stehen in der Mitte der Fahrbahnen, neben den Trambahngleisen, heute die Busse des AVV, wenn sie Pause machen. Am Straßenrand stehen regelmäßig die Gefährte anderer Busunternehmen. Zu viel Beton, zu viele Fahrbahnen für Autos, die ja seit Bau des Königsplatzes kaum mehr einfahren in die Stichstraße, zu wenig Bäume und anderes Grün. Schön anzusehen ist die Fuggerstraße, früher Hauptverkehrsader der Stadt, auf diesem Abschnitt nicht, eine Promenade in die Innenstadt ist sie schon gar nicht.Etwa zwei Monate nach der Amtsübernahme lässt OB Freund deshalb seinen Worten Taten folgen und stellt einen abgewandelten Umbauplan vor, auch einen Modellversuch der abgewählten Vorgängerregierung kassiert er ein: CSU und Grüne hatten vergangenes Jahr noch den Bau einer Musterstrecke beschlossen, mit einem zusätzlichen Grünstreifen statt neuer Bäume, um Materialien und Entsiegelungen zu erproben. 350 000 Euro hätte der Versuch gekostet, den die Stadt vor einem Komplettumbau wohl wieder hätte rückbauen müssen.Dieses Geld steckt Freund nun lieber in eine neue Planung, die zwar in der Umsetzung nicht 19 Millionen Euro, aber immer noch elf bis 13 Millionen Euro kosten soll. Vorgesehen ist, Fahrbahnen zurückzubauen und Fußgängern auf breiteren Gehwegen mehr Platz zu gewähren. Zusätzlich zu den zwei bestehenden Baumreihen, die nicht, wie vor vielen Jahren angedacht, gefällt und ersetzt werden sollen, werden zwei neue Baumreihen entstehen.Für stark beschädigte Exemplare unter den knapp 50 bestehenden Linden sollen neue kommen. Die Lebensbedingungen der übrigen Bäume wollen die Planer mit einem breiteren Grünstreifen verbessern, den Fußgänger auf gepflasterten Querungen passieren können – dort, „wo es das Wurzelwerk der Bestandsbäume zulässt“, wie es in der Vorlage heißt. Autoverkehr soll weiterhin möglich sein.Das Rathaus rechnet damit, etwa 60 Prozent der förderfähigen Kosten aus der Städtebauförderung finanziert zu bekommen. Die restlichen Millionen will die Stadt aus dem Topf nehmen, der eigentlich für andere Fuß- und Radwegeprojekte vorgesehen ist.Planungsmittel auszugeben, ohne die Mittel für die Ausführung realistisch gesichert zu haben, ist unehrlich und nicht nachhaltig.Verena von Mutius-BartholyDas wiederum führt bei den Grünen zu harscher Kritik: Wenn allein die Planungen eine Million Euro kosten und die Mittel „mit dem Verzicht auf Stadtsanierungsprojekte“ und „durch Umwidmung von Geldern für den Ausbau von Geh- und Radwegen“ finanziert werden sollen, müsse die Stadtregierung transparent darstellen, zu Lasten welcher Vorhaben das gehe. „Planungsmittel auszugeben, ohne die Mittel für die Ausführung realistisch gesichert zu haben, ist unehrlich und nicht nachhaltig“, sagt Verena von Mutius-Bartholy, Sprecherin für Stadtplanung.Die Grünen betonen, dass sie grundsätzlich für eine Umgestaltung der Fuggerstraße sind, sehen aber auch die Gefahr, dass die Kosten im weiteren Verlauf der Planungen noch stark steigen könnten. Der Stadtentwicklungsausschuss folgte am Donnerstag deshalb dem Antrag der Fraktion, das Thema nur zu beraten und noch keinen Beschluss zu fassen.Für die weitere Planung veranschlagt das Bauamt ohnehin noch zwei bis drei Jahre, 2029 sollen die Regionalbusse in ein bis dahin errichtetes Terminal südlich des Hauptbahnhofs umziehen. Der Umbau erfolgt anschließend in zwei Abschnitten bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2031 – dann soll auch das Staatstheater fertig saniert sein.