Ob der gordische Knoten tatsächlich schon gelöst ist, muss sich erst noch zeigen. Immerhin will Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) beim schon lange geplanten sechsspurigen Ausbau der Autobahn 643 nun offenbar neue Wege beschreiten. Schließlich haben sich all seine Amtsvorgänger in den vergangenen zwei Jahrzehnten an diesem Stück Asphalt, das seit den Sechzigerjahren wie mit dem Lineal gezogen mitten durch das europaweit einzigartige Naturschutzgebiet „Mainzer Sand“ führt, die Zähne ausgebissen.Unstrittig scheint inzwischen, dass zumindest das erste Teilstück der von der Schiersteiner Brücke aus zum Dreieck Mainz führenden A 643 dringend einen neuen Unterbau braucht. Um diese Vorlandbrücke möglichst schnell realisieren zu können, wollen der Verkehrsminister und die Autobahn GmbH das Vorhaben nun von der sonstigen Planung der acht Kilometer langen Ausbaustrecke abkoppeln. Das dürfte zu einer deutlichen Beschleunigung des viele Millionen Euro teuren Projekts führen. Denn gegen die Vorlandbrücke sind kaum Klagen von Umweltschützern zu erwarten. Und auch die Europäische Union müsste dem Neubau nicht eigens zustimmen.Wie das Ganze ausgeht, wenn nach der Schiersteiner Brücke irgendwann auch die sich daran anschließende Vorlandbrücke auf der linken Rheinseite sechsspurig sein sollte, ist ungewiss. Umwelt- und Naturschützer beharren weiterhin auf der weniger Fläche verbrauchenden Vier-plus-zwei-Variante. Diese sieht vier Fahrspuren sowie zwei nur im Bedarfsfall freizugebende Standstreifen nebst Tempolimit und Flüsterasphalt vor. Derweil bevorzugt der Bund die große Lösung, also sechsspuriger Ausbau plus Standstreifen und Lärmschutzpaket. Gewiss ist also nur eines: Der komplette Ausbau wird, für welches Modell man sich auch entscheidet, noch lange auf sich warten lassen.