PfadnavigationHomeRegionalesSachsenForscher: Neue Mückenarten werden sich in Sachsen behauptenStand: 04:04 UhrLesedauer: 4 MinutenNeue Mückenarten wie die Tigermücke finden in Sachsens Städten nach Ansicht von Experten ideale Bedingungen. (Archivbild)Quelle: Uwe Anspach/dpaDie Tigermücke gilt als möglicher Überträger tropischer Krankheiten. Wie groß ist die Gefahr für Sachsen? Experten geben eine Einschätzung.Neue Mückenarten wie die als Überträger tropischer Krankheiten bekannte Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) werden sich auch in Sachsen weiter behaupten. «Die Modellierungen auch für die Tigermücke sind so, dass sie sich hier fest etablieren wird», sagte der Insektenkundler Matthias Nuß der Deutschen Presse-Agentur. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es weitere Fundpunkte innerhalb Dresdens, aber auch in anderen Ortschaften geben werde, ist sich der Leiter der Abteilung Museum für Tierkunde in den Naturhistorischen Sammlungen Dresden sicher. Zunehmend mildere Temperaturen im Winter begünstigten dies zusätzlich.Welche Mückenarten gibt es in Sachsen?Insektenforscher Nuß und sein Team haben 2025 ein umfassendes Monitoring des Mückenvorkommens im Großraum Dresden durchgeführt und dabei 25 der in Deutschland bekannten 53 Mückenarten nachgewiesen. Die Ergebnisse fassen die Forschenden derzeit zusammen, um sie noch in diesem Jahr in einer Fachpublikation zu veröffentlichen. Demnach ist besonders die Asiatische Buschmücke bereits jetzt weit verbreitet, wie das Team anhand von eingesendeten Proben nachweisen konnte. Die Daten, die auf dem Mitmach-Portal «Insekten-Sachsen» online einsehbar sind, zeigen für die Buschmücke neben dem Großraum Dresden etwa Nachweise bis nach Meißen, aber auch in Döbeln, Chemnitz, dem Erzgebirge und dem Vogtland.Die Buschmücke sehe der Tigermücke zum Verwechseln ähnlich, sei aber weniger gefährlich. Grundsätzlich sei zwar auch die Buschmücke in der Lage, tropische Krankheiten wie das Dengue-Fieber zu übertragen. «Aber die Krankheitsübertragung erfolgt bei ihr nicht mit der Zuverlässigkeit wie bei der Tigermücke», so Nuß. Die beiden eingeschleppten Mückenarten sind deutlich kleiner als die in Deutschland verbreitete Gemeine Hausmücke (Culex pipiens). Erkennbar sind sie vor allem durch ihr auffälliges schwarz-weißes Muster.Wo finden die Mücken die besten Bedingungen vor?Bislang fänden sich die neuen Mückenarten vor allem im Siedlungsraum. Funde «draußen in der Natur» gebe es bislang nicht. In dichten Siedlungsräumen fänden die Insekten ideale Bedingungen vor, erklärte Nuß.Mit einer Informationsinitiative - etwa einem im April veröffentlichten Flyer - wollen das sächsische Gesundheitsministerium und die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) die Bevölkerung für die neue Mückenart und die damit verbundenen Gefahren sensibilisieren. Denn: «Nur wenn auch auf privaten Grundstücken mögliche Brutstätten für die Asiatische Tigermücke entfernt werden, kann diese erfolgreich eingedämmt werden», so eine Sprecherin. Die Tigermücke nutze bereits kleinste Wasseransammlungen als Brutstätte - etwa Blumentopfuntersetzer, Kinderspielzeug und Regentonnen.Anders als in Südeuropa - etwa in Frankreich - ist in Deutschland bisher noch keine lokale Übertragung von Krankheitserregern wie Dengue- oder Chikungunya-Virus durch die Tigermücke bekanntgeworden, heißt es aus dem Ministerium. Experten halten das aber nur für eine Frage der Zeit. Die Tigermücke kann Erreger nur übertragen, wenn sie sich selbst vorher an einem erkrankten Blutwirt infiziert.Was ist über die Verbreitung der Tigermücke bekannt?Neue Fundorte abseits des bekannten Vorkommens der Tigermücke in der Dresdner Neustadt sind Ministerium und LUA bislang nicht bekannt. Wie im vergangenen Jahr überwacht die Behörde auch in diesem Sommer das betroffene Gebiet mit Mückenfallen. 2025 wurden in den Fallen nach LUA-Angaben 17 Asiatische Tigermücken gefangen. «Zusätzlich haben Anwohner einige aus der Luft gefangene Tigermücken abgegeben und von Belästigungen berichtet.» Insektenforscher Nuß verweist auf eine dünne Datenlage. Da ein flächendeckendes Monitoring nicht stattfinde, sei nicht klar, wo genau die Tigermücke bereits heimisch ist.Wichtig sei deshalb, dass Bürgerinnen und Bürger helfen, die Vorkommen des Insekts einzudämmen, und dass Funde der Mücke gemeldet werden, heißt es aus dem Ministerium. Möglich ist das über Bildeinsendungen per Mail an die Landesuntersuchungsanstalt. Auch ganze Exemplare können eingesendet werden. Um das Insekt eindeutig zu bestimmen, dürfe es nicht beschädigt werden, so Nuß. Am besten sei es, die Mücke mit einem Glas einzufangen und über Nacht ins Kühlfach zu packen. Die so getötete Mücke könne dann etwa in einer Streichholzschachtel versendet werden - an die Landesbehörden oder auch an den sogenannten Mückenatlas. In diesem Projekt untersucht Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg seit 2012 Mücken aus ganz Deutschland.Wie lange dauert die Mückensaison?Ende Juni hat die Flugzeit der Tigermücke begonnen, so Mückenexperte Nuß. Bis Ende September seien Exemplare im vergangenen Jahr noch nachgewiesen worden. Anders als die in Deutschland am häufigsten vorkommende Hausmücke, deren Weibchen etwa innerhalb von Gebäuden in warmen Kellerräumen überwintern, komme die Tigermücke erst im Sommer in die Gänge, wenn die ersten Exemplare aus ihren Eiern schlüpfen.Zumindest bislang hätte das Wetter keine idealen Voraussetzungen für die Mückensaison geboten, sagte Nuß. Hohe Temperaturen seien für die Insekten zwar positiv. «Wenn es natürlich extrem trocken ist und die Wasserkörper austrocknen, dann gibt es keine Entwicklung mehr.» Davon könnten sich die Insekten aber auch schnell erholen.dpa-infocom GmbH