Die Opposition im Hessischen Landtag kritisiert die Entscheidung der Landesregierung, das Programm für die Sprach-Kitas Ende 2026 auslaufen zu lassen. „Nach den massiven Kürzungen bei den Integrierten Gesamtschulen sowie dem Sozialindex ist dies der nächste Kahlschlag bei der Bildung in Hessen“, heißt es von den Grünen. Allerdings beschreibt das nicht die ganze Wahrheit. Denn die Förderung war ursprünglich ein nationales Programm, das eingestellt wurde. Die frühere schwarz-grüne Koalition in Hessen setzte sie vom 1. Juli 2023 an mit Mitteln des Bundes und des Landes fort, fügte aber hinzu, dass die Finanzierung nur bis Ende 2026 reiche.„Dadurch hat das Land für alle Beteiligten Zeit gewonnen, um entsprechende Übergänge zu gestalten“, heißt es heute in dem von Heike Hofmann (SPD) geführten Sozialministerium. Bereits Ende 2024 habe das Ministerium die Träger informiert, dass das Programm Ende 2026 in der bisherigen Form auslaufe. Die Förderung werde umgestellt, „weil wir die sprachliche Bildung in den Kitas für außerordentlich wichtig halten“. Angesichts dieser Perspektive sank die Zahl der Stellen nach und nach von 500 auf 354 im laufenden Jahr. Bisher wurden jene Kitas besonders gefördert, in denen es überdurchschnittlich viele Kinder gibt, die sprachliche Unterstützung besonders benötigen. Sie machen ein knappes Zehntel aller Kitas aus.Berührungspunkt zwischen Grünen und SozialministeriumDen Verlust beklagen die Oppositionsfraktionen im Landtag und die Träger. Sprachförderung sei der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und ein essenzieller Baustein für eine gelungene Integration, äußern zum Beispiel die Grünen. Damit werde in den Kindertagesstätten der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiographie gelegt. Längst sei die Sprachförderung ein zentraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit in allen Kitas.An diesem Punkt berühren sich die Positionen von Grünen und Landesregierung. „Sprachliche Bildung darf nicht auf einzelne geförderte Einrichtungen beschränkt sein, sondern muss integraler Bestandteil der frühkindlichen Bildung sein“, meint Sozialministerin Hofmann.Mit zusätzlichen Mitteln über die Betriebskostenförderung, Sprach-Coaches und Fortbildungen durch das neu eingerichtete Sprachkompetenzzentrum will sie dafür sorgen, dass die sprachliche Bildung zukünftig flächendeckend in hessischen Kitas gestärkt werde. Mehr als 90 Prozent der Einrichtungen würden von dieser Neuausrichtung profitieren, so die Ministerin, und sie fügt hinzu: „Damit sorgen wir für mehr Gerechtigkeit und stellen sicher, dass jede hessische Kita eine Sprach-Kita wird.“ Die Mittel würden nicht gekürzt, sondern auf gleichbleibendem Niveau anders verteilt. Das finanzielle Volumen belaufe sich gegenwärtig auf 14 Millionen Euro.Während mit dem Programm Sprach-Kitas weniger als zehn Prozent der Einrichtungen in Hessen eine befristete projektähnliche Förderung erhalten hätten, würden die Mittel in demselben Volumen über die Betriebskostenförderung an alle Kitas in Hessen gegeben. Dabei erhielten Kitas mit besonderem Förderbedarf eine stärkere Unterstützung. Genaueres werde man mit der geplanten Anpassung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches regeln. Die Novelle tritt allerdings erst am 1. Juli 2027 in Kraft.Die FDP-Fraktion im Landtag moniert deshalb, dass die Regierungskoalition die Sprach-Kitas Ende dieses Jahres auslaufen lassen will und die Sprachförderkräfte deshalb vor dem Aus stünden. Das Nachfolgesystem existiere dann noch nicht, und es gebe eine Finanzierungslücke. „Klar ist schon jetzt, dass die Förderung nach dem schwarz-roten Modell verwässert wird und die Mittel nicht mehr gezielt dort eingesetzt werden, wo der Bedarf am größten ist“, so der Abgeordnete René Rock. Der Sprecher des Sozialministeriums hingegen kündigt an, dass die Kitas im ersten Halbjahr 2027 Abschlagszahlungen erhalten sollten.
Sprach-Kitas: Sozialministerin will nicht kürzen, sondern das Geld anders verteilen
Ende des Jahres läuft in Hessen das Programm für Sprach-Kitas aus. Die Opposition im Landtag schlägt Alarm, die Landesregierung will mit dem Geld ein grundlegend neues Konzept finanzieren.







