China hat den Export von Helium untersagt. Das teilten das Handelsministerium und der Zoll am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das „vorübergehende Ausfuhrverbot“ trete ab sofort in Kraft. Eine Begründung lieferten die Behörden am Freitag zunächst nicht.Anders als etwa bei den Seltenen Erden geht es für China jedoch weniger darum, geopolitisch Druck auszuüben. Stattdessen sieht sich China nun selbst einer großen Abhängigkeit gegenüber. Es gebe eine Versorgungslücke bei Helium von mehr als 60 Prozent, teilte der chinesische Industriegasverband am Freitag mit. Man habe eine „hohe Abhängigkeit von ausländischen Quellen“. Im Jahr 2025 seien 84 Prozent des verbrauchten Heliums importiert worden.„Unersetzliche Bedeutung für Zukunftsbranchen“Chinas wichtigste Lieferanten sind dem Verband zufolge Qatar (55 Prozent) und Russland (44 Prozent). Diese Abhängigkeit fällt Peking nun auf die Füße. Iran beschädigte durch einen Angriff im März den Flüssiggas-Hub Qatars in Ras Laffan, der als Nebenprodukt Helium herstellte und für rund 30 Prozent der globalen Heliumproduktion stand. Das führte zu stark steigenden Weltmarktpreisen für das Gas.Russland, das mit knapp einem Zehntel der drittgrößte Produzent von Helium ist, führte schon im April Exportkontrollen auf das Gas ein, nach Angaben des Verbandes reduzierte das Land seine Lieferquoten für Asien auf 40 Prozent des Wertes aus dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die USA als Flüssiggas-Macht sind mit mehr als 40 Prozent der größte Helium-Hersteller der Welt.„Eine stabile Heliumversorgung ist von unersetzlicher Bedeutung für die Sicherheit der strategischen Zukunftsbranchen Chinas, darunter Halbleiter, Medizintechnik und Luft- und Raumfahrt“, heißt es vom Industriegasverband. Helium ist für die globale Halbleiterproduktion existenziell und wird dort für die Kühlung von Siliziumwafern oder in der Lithographie eingesetzt, also der Belichtung der Wafer. Die Halbleiterindustrie steht laut dem Pekinger Analysehaus Trivium für rund 20 bis 25 Prozent der globalen Nachfrage. 25 bis 30 Prozent gehen in die Medizin. Dort wird Helium etwa benutzt, um Magnete in MRTs zu kühlen.Die Mangellage führte in China nun zu großen Verwerfungen. Der Preis für im Inland produziertes hochreines Helium in Röhrenform sei seit dem Kriegsausbruch Ende Februar um 664,7 Prozent gestiegen, schrieb der Verband. Für importiertes Helium belaufe sich der Anstieg auf 528 Prozent. Das Gas könne aber nicht eigenständig abgebaut werden.China hat große Vorräte an Öl und war deshalb infolge des Irankriegs widerstandsfähiger als andere Länder in der Region. Für Helium hat China diese Reserven laut Trivium jedoch nicht und ist deshalb verwundbarer. Zudem seien Chinas Chipfabriken anders als die Konkurrenz in Korea und Taiwan nicht dafür bekannt, viel Helium zu lagern.„Die Regierung sieht vermutlich die Notwendigkeit, einen Puffer zu bilden, um Produktionsstörungen in wichtigen Industrien zu verhindern“, sagte Dan Wang, China-Direktorin der Eurasia Group, eines Beratungshauses für Geopolitik. „Der Schritt sieht nach Selbstschutz aus.“