Marl (dpa/lnw) - Die nordrhein-westfälische AfD will bei der Landtagswahl im kommenden Jahr erstmals mit einem Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in den Wahlkampf gehen. Das haben die Delegierten beim Landesparteitag in Marl beschlossen.Voraussichtlich schickt die AfD ihren Landespartei- und Fraktionschef Martin Vincentz als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Er kandidierte ohne einen Gegenkandidaten für Platz 1 der AfD-Landesliste. Das Wahlverfahren zog sich am Nachmittag aber länger hin als erwartet.Vincentz unterstrich seinen Anspruch in seiner Bewerbungsrede. Die AfD könne dafür sorgen, dass sich der „Niedergang des Landes“ nicht weiter fortsetze. „Mit einer Kanzlerin Alice Weidel, mit einem Ministerpräsidenten Martin Vincentz werden wir das ändern und mit Nordrhein-Westfalen wird es wieder bergauf gehen“, rief er vor den knapp 500 Delegierten.NRW-AfD-Chef: „Migration ist keine Naturgewalt“Außer in der Wirtschafts- und Energiepolitik müsse die AfD in der Migrationspolitik für Veränderungen sorgen. „Migration ist keine Naturgewalt. Es ist nichts, dem wir uns ergeben müssen“, sagte Vincentz, der als Vertreter des gemäßigten Flügels im Landesverband gilt. Man müsse darüber diskutieren dürfen, dass die „Innenstädte nicht mehr so aussehen, wie sie vor 20 Jahren aussahen“, sagte er in diesem Kontext. „Das ist nicht rechts, das ist nicht radikal, sondern das ist ein normaler demokratischer Vorgang“, rief Vincentz unter dem Applaus der Delegierten.NRW-AfD-Chef Martin Vincentz wird die Partei voraussichtlich in den Landtagswahlkampf führen. Thomas Banneyer/dpaDass die AfD ihren Spitzenkandidaten im anstehenden Landtagswahlkampf erstmals als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bezeichnet, hat keine rechtlichen Auswirkungen - denn gewählt wird der Ministerpräsident erst vom neuen Landtag. Es unterstreicht nur den Anspruch der Partei, auf mehr Einfluss in der Landespolitik zu hoffen.Kein Lagerkampf um vordere ListenplätzeAuf Platz 2 der Landesliste kandidierte die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias - ebenfalls ohne Gegenkandidaten. Die AfD-Politikerin hatte zuletzt Bewohner eines Stadtteils mit hohem Migrationsanteil in scharfem Ton aufgefordert, Straße und Gehweg zu putzen.Die Partei filmte die Aktion und veröffentlichte das sogenannte Putz-Video in den sozialen Medien. Für die Aktion wurde Seli-Zacharias beim Parteitag laut beklatscht. Die Politikerin selbst beklagte, dass es daraufhin eine „Hexenjagd“ der Medien und der übrigen Parteien gegen sie und die AfD gegeben habe.Will auf Platz 2 der Landesliste: Die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias, die sich erst jüngst nach einer umstrittenen Putzaktion einem Shitstorm stellen musste. Thomas Banneyer/dpaDie zuletzt heftig zerstrittenen Lager in der NRW-AfD hatten sich im Vorfeld über die Kandidatenliste abgestimmt. Die Listenplätze 1 bis 10 wurden zwischen beiden Lagern aufgeteilt, so dass alle Bewerber dort ohne Gegenkandidaten antraten.Streit über elektronische ZählhilfeDie Partei hatte zuvor erbittert darüber gestritten, ob bei den zahlreichen Wahlgängen eine elektronische Zählhilfe eingesetzt werden darf. Während der Landesvorstand damit das Verfahren beschleunigen wollte, gab es vor allem aus dem rechten Lager der Partei massive Vorbehalte gegen die Zuverlässigkeit und die Datensicherheit des Systems.Am Ende einigten sich die beiden Lager darauf, das elektronische System zu nutzen. Allerdings sollte der Wahlleiter nach jeder Abstimmung würfeln - und bei einer 6 sollte das Ergebnis von Hand nachgezählt werden.Auf mehreren Konferenzen will die AfD bis Mitte September 80 Listenplätze vergeben- Thomas Banneyer/dpaAfD will 80 Kandidaten für die Landtagswahl bestimmenInsgesamt will die AfD auf mehreren Konferenzen bis Mitte September 80 Listenplätze vergeben. Angesichts der hohen Umfragewerte rechnet die Partei damit, dass sie 2027 mit mindestens 30 Abgeordneten in den Landtag einziehen könnte. Derzeit sitzen 12 AfD-Abgeordnete im Parlament. Eine Umfrage im Auftrag des WDR sah die AfD in NRW zuletzt bei 17 Prozent und damit gleichauf mit der SPD auf Platz zwei hinter der CDU, die auf 32 Prozent käme. Machtkampf in der AfD in NRWDie AfD-Parteispitze in NRW ist tief zerstritten und in ein eher gemäßigt auftretendes und ein äußerst rechtes Lager gespalten. Im März war Vincentz nach einem erbitterten Machtkampf im mitgliederstärksten AfD-Landesverband knapp als Parteichef wiedergewählt worden. Der 40-jährige Mediziner führt den Landesverband seit 2022. Er wirbt für einen moderaten Kurs der AfD im Land.© dpa-infocom, dpa:260710-930-362030/3
AfD schickt Kandidat für Ministerpräsidenten-Amt ins Rennen
Marl (dpa/lnw) - Die nordrhein-westfälische AfD will bei der Landtagswahl im kommenden Jahr erstmals mit einem Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in den Wahlkampf gehen. Das haben die Delegierten beim Landesparteitag in Marl beschlossen.Voraussichtlich schickt die AfD ihren Landespartei- und Fraktionschef Martin Vincentz als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Er kandidierte ohne einen Gegenkandidaten für Platz 1 der AfD-Landesliste. Das Wahlverfahren zog sich am Nachmittag aber länger hin als erwartet.Vincentz unterstrich seinen Anspruch in seiner Bewerbungsrede. Die AfD könne dafür sorgen, dass sich der „Niedergang des Landes“ nicht weiter fortsetze. „Mit einer Kanzlerin Alice Weidel, mit einem Ministerpräsidenten Martin Vincentz werden wir das ändern und mit Nordrhein-Westfalen wird es wieder bergauf gehen“, rief er vor den knapp 500 Delegierten.NRW-AfD-Chef: „Migration ist keine Naturgewalt“Außer in der Wirtschafts- und Energiepolitik müsse die AfD in der Migrationspolitik für Veränderungen sorgen. „Migration ist keine Naturgewalt. Es ist nichts, dem wir uns ergeben müssen“, sagte Vincentz, der als Vertreter des gemäßigten Flügels im Landesverband gilt. Man müsse darüber diskutieren dürfen, dass die „Innenstädte nicht mehr so aussehen, wie sie vor 20 Jahren aussahen“, sagte er in diesem Kontext. „Das ist nicht rechts, das ist nicht radikal, sondern das ist ein normaler demokratischer Vorgang“, rief Vincentz unter dem Applaus der Delegierten.NRW-AfD-Chef Martin Vincentz wird die Partei voraussichtlich in den Landtagswahlkampf führen. Thomas Banneyer/dpaDass die AfD ihren Spitzenkandidaten im anstehenden Landtagswahlkampf erstmals als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bezeichnet, hat keine rechtlichen Auswirkungen - denn gewählt wird der Ministerpräsident erst vom neuen Landtag. Es unterstreicht nur den Anspruch der Partei, auf mehr Einfluss in der Landespolitik zu hoffen.Kein Lagerkampf um vordere ListenplätzeAuf Platz 2 der Landesliste kandidierte die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias - ebenfalls ohne Gegenkandidaten. Die AfD-Politikerin hatte zuletzt Bewohner eines Stadtteils mit hohem Migrationsanteil in scharfem Ton aufgefordert, Straße und Gehweg zu putzen.Die Partei filmte die Aktion und veröffentlichte das sogenannte Putz-Video in den sozialen Medien. Für die Aktion wurde Seli-Zacharias beim Parteitag laut beklatscht. Die Politikerin selbst beklagte, dass es daraufhin eine „Hexenjagd“ der Medien und der übrigen Parteien gegen sie und die AfD gegeben habe.Will auf Platz 2 der Landesliste: Die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias, die sich erst jüngst nach einer umstrittenen Putzaktion einem Shitstorm stellen musste. Thomas Banneyer/dpaDie zuletzt heftig zerstrittenen Lager in der NRW-AfD hatten sich im Vorfeld über die Kandidatenliste abgestimmt. Die Listenplätze 1 bis 10 wurden zwischen beiden Lagern aufgeteilt, so dass alle Bewerber dort ohne Gegenkandidaten antraten.Streit über elektronische ZählhilfeDie Partei hatte zuvor erbittert darüber gestritten, ob bei den zahlreichen Wahlgängen eine elektronische Zählhilfe eingesetzt werden darf. Während der Landesvorstand damit das Verfahren beschleunigen wollte, gab es vor allem aus dem rechten Lager der Partei massive Vorbehalte gegen die Zuverlässigkeit und die Datensicherheit des Systems.Am Ende einigten sich die beiden Lager darauf, das elektronische System zu nutzen. Allerdings sollte der Wahlleiter nach jeder Abstimmung würfeln - und bei einer 6 sollte das Ergebnis von Hand nachgezählt werden.Auf mehreren Konferenzen will die AfD bis Mitte September 80 Listenplätze vergeben- Thomas Banneyer/dpaAfD will 80 Kandidaten für die Landtagswahl bestimmenInsgesamt will die AfD auf mehreren Konferenzen bis Mitte September 80 Listenplätze vergeben. Angesichts der hohen Umfragewerte rechnet die Partei damit, dass sie 2027 mit mindestens 30 Abgeordneten in den Landtag einziehen könnte. Derzeit sitzen 12 AfD-Abgeordnete im Parlament. Eine Umfrage im Auftrag des WDR sah die AfD in NRW zuletzt bei 17 Prozent und damit gleichauf mit der SPD auf Platz zwei hinter der CDU, die auf 32 Prozent käme. Machtkampf in der AfD in NRWDie AfD-Parteispitze in NRW ist tief zerstritten und in ein eher gemäßigt auftretendes und ein äußerst rechtes Lager gespalten. Im März war Vincentz nach einem erbitterten Machtkampf im mitgliederstärksten AfD-Landesverband knapp als Parteichef wiedergewählt worden. Der 40-jährige Mediziner führt den Landesverband seit 2022. Er wirbt für einen moderaten Kurs der AfD im Land.© dpa-infocom, dpa:260710-930-362030/3









