Das Verbreiten von Verschwörungsmythen, homophobe und rassistische Äußerungen sowie das Leugnen des menschengemachten Klimawandels: Die Schirmherrin der Regensburger Schlossfestspiele, Gloria von Thurn und Taxis, fällt immer wieder mit rechten Thesen auf. Wiederholt bezeichnete sie Abtreibung als „Mord“, der rechtsextreme AfD-Politiker Björn Höcke sei ein „deutscher Idealist“ und im ARD-Podcast „Nicht mein Land“, behauptete sie, „Hitler war ein Sozialist“.An diesem Freitag starten die „Thurn und Taxis Schlossfestspiele“ auf Schloss St. Emmeram in Regensburg. Gloria von Thurn und Taxis ist zwar nicht Veranstalterin der Konzerte und somit auch nicht für das Line-up verantwortlich, lädt als Schlossherrin aber gerne persönlich ein. Zu den geladenen Gästen der vergangenen Jahre gehörte neben dem ungarischen Autokraten Viktor Orbán, den Thurn und Taxis als „Helden“ begrüßte, auch AfD-Politiker Maximilian Krah und die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel.MeinungRegensburger Schlossfestspiele:Vicky Leandros beweist ein Mindestmaß an Anstand – mehr auch nichtAls Reaktion auf Weidels Besuch im vergangenen Jahr hatten sich spontan Proteste formiert. Der Konzeptkünstler und Fotograf Jonas Höschl, Initiator der Proteste von 2023, rechnet auch in diesem Jahr wieder mit prominenten Gästen aus dem rechten Lager. Auch Martin Oswald, Pressesprecher der Regensburger „Initiative gegen Rechts“ sagt: „Wir sind immer wachsam.“ Sollten extrem rechte Akteure in die Stadt kommen, würde die Initiative zum Protest aufrufen.Vor drei Jahren hatten die Protestaktionen gegen die Schirmherrin der Schlossfestspiele mit einem offenen Brief der Kulturschaffenden bundesweit für Aufsehen gesorgt. Seitdem habe sich die Radikalisierungsspirale von Gloria von Thurn und Taxis deutlich weitergedreht, sagt Höschl. „Sie bietet rechtsextremen Positionen aktiv eine Bühne und trägt damit zu deren Normalisierung bei.“ Thurn und Taxis habe eine Schienenfunktion zwischen Konservativen und rechtsextremen Positionen. „Dessen müssen sich alle bewusst sein, die die Veranstaltung mittragen.“Festspiele und Veranstaltungsort sind nur schwer von der Persönlichkeit Gloria von Thurn und Taxis zu trennen. Auf dem Facebook-Kanal „Thurn und Taxis Schloss St. Emmeram, das Original“ mit mehr als 12 000 Followern werden Videos gezeigt, in denen die 66-Jährige die Ausbeutung in der Kolonialzeit infrage stellt, rassistische Feindbilder propagiert und Zusammenhänge zwischen Migration und wachsender Homophobie herstellt. Dazwischen werden die Schlossfestspiele beworben. In der Beschreibung des Profils heißt es „Fürstliches Schloss St. Emmeram in Regensburg“, ein Link führt direkt auf die Internetseite des Schlosses.Gloria von Thurn und Taxis hat sich mittlerweile als Netzwerkerin der Rechten einen Namen gemacht. Ihre finanziellen Mittel und ihre Prominenz ermöglichen ihr Zugang zur Politik, sei es die CSU oder die AfD, zum Vatikan bis hin zur extremen Rechten in den USA. Erst 2023 veranstaltete sie ein Benefiz-Dinner mit Hans-Georg Maaßen, der inzwischen vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft ist. Nur wenige Monate vor dem rechten Netzwerktreffen in Potsdam, auf das bundesweite Proteste folgten. Dort stellte der österreichische Identitäre Martin Sellner Gleichgesinnten seine Pläne zur sogenannten Remigration von Menschen mit Migrationshintergrund vor. Auch die Schlossfestspiele würden dazu genutzt, sich in der rechten Szene zu vernetzen, sagt Martin Oswald. Darin bestünde die Problematik der Veranstaltung. „Da findet in der Regel auch ein Dinner mit bestimmten Personen statt, bei dem Kontakte geknüpft werden.“Peter Maffay distanziert sich, tritt aber trotzdem aufIn den vergangenen Jahren hatte es nicht nur immer wieder Proteste gegeben, auch Sponsoren der Schlossfestspiele haben sich zurückgezogen, darunter BMW und der regionale Energieversorger Rewag. Im vergangenen Jahr stieg Stephanie Birnthaler als langjähriger Caterer der Veranstaltung aus. Ob der Besuch der AfD-Parteichefin ein Grund war, ist unklar. Doch scheint die selbst ernannte „Fürstin“ immer mehr zum Imagerisiko zu werden.Von der Stadt Regensburg heißt es, Oberbürgermeister Thomas Burger (SPD) werde die Festspiele nicht besuchen. Die Stadtspitze stehe für eine tolerante, offene Gesellschaft. Die Festspiele seien ein kulturelles Highlight im Sommer. Dass versucht werde, die Veranstaltung politisch zu instrumentalisieren, sei „sehr bedauerlich“.Der Veranstalter „Odeon Concerte“ verwies immer wieder darauf, dass Schloss St. Emmeram lediglich der Austragungsort der Festspiele sei. Geschäftsführer Ludwig Söll sieht in den Schlossfestspielen „keine politische, sondern eine rein kulturelle Veranstaltung“, bei der Musik und Kunst im Mittelpunkt stünden.Zum musikalischen Programm zählen in diesem Jahr Schlagersängerin Andrea Berg, Stargeiger David Garrett und Peter Maffay. Auf SZ-Nachfrage distanzierte sich Maffay „entschieden“ von den Aussagen und Kontakten von Gloria von Thurn und Taxis. Aber aus diesem Grund der Veranstaltung fernzubleiben, „käme einer Kapitulation vor genau dieser Positionierung gleich“.Martin Oswald von der „Initiative gegen Rechts“ kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Die Positionen der Schirmherrin seien zur Genüge bekannt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Peter Maffay bei einem AfD-Parteitag spielen würde.“ Es sei keine Kapitulation, Konzertanfragen abzusagen.Die Band Revolverheld distanzierte sich 2019 während ihres Auftritts von der Schirmherrin und spendete ihre Gage an die Regensburger Organisation für Seenotrettung „Sea-Eye“. Schlagersängerin Vicky Leandros hatte sich im vergangenen Jahr geweigert, mit der AfD-Parteivorsitzenden Weidel im Publikum aufzutreten.Oswald wünscht sich von der Öffentlichkeit eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Weltbild von Gloria von Thurn und Taxis. „Anschließend sollte man überlegen, ob man da guten Gewissens noch hingehen kann.“ Wer ein Problem mit einem extrem rechten Weltbild habe, gehe nicht zu den Schlossfestspielen.
Gloria von Thurn und Taxi gibt ihre umstrittenen Schlossfestspiele - Peter Maffay, Andrea Berg und David Garrett treten auf
Am Freitag beginnt das Musikfestival in Regensburg. Die Schirmherrin, Gloria von Thurn und Taxis, gilt als Netzwerkerin der Rechten. Im letzten Jahr gab es einen Eklat rund um den Besuch von Alice Weidel.







