Die Hauptgläubiger des angeschlagenen Batterieherstellers Varta haben sich jetzt erstmals offiziell zum Angebot der Schweizer Investors Allswiss geäußert, alle Schulden zu übernehmen und so die Zerschlagung des baden-württembergischen Unternehmens zu verhindern. Die Gruppe, zu der neben den britischen Investmentfonds Blantyre, Bluebay und Whitebox auch die Deutsche Bank gehört, erklärt, dass Allswiss noch immer nicht die erforderlichen Unterlagen zur Prüfung des Angebots vorgelegt habe. Zudem weisen die Gläubiger die Darstellung von Allswiss-Gründer Pino Sergio zurück, dass nicht auf das Angebot reagiert worden sei.Die Gläubigergruppe „war im Zusammenhang mit der indikativen Interessenbekundung seitens Allswiss kontinuierlich und konstruktiv mit Allswiss im Austausch und hat über die entsprechenden Kommunikationskanäle zeitnah reagiert“, wie ein Sprecher der „Ad-hoc-Gläubigergruppe um Blantyre, Deutsche Bank, RBC Bluebay und Whitebox“ der F.A.Z. sagte. Die Gläubiger sprechen nicht von einem echten Angebot, sondern nur von einer Interessenbekundung, die Allswiss abgegeben habe. Für die Beurteilung habe die Gruppe um die Bereitstellung der erforderlichen Informationen gebeten. „Diese Informationen, einschließlich der Einzelheiten zur vorgeschlagenen Transaktionsstruktur, wurden bislang nicht vorgelegt“, sagte der Sprecher der Gruppe weiter, zu der nach Informationen der F.A.Z. aus Finanzkreisen auch die Landesbank Bayern gehört.Stillhalteabkommen der Hauptgläubiger läuft noch zwölf TageDeutsche Bank, Blantyre, Whitebox und Bluebay sind die hochrangigsten Gläubiger der Varta AG. Sie haben nach zwei Verstößen gegen Finanzierungsverpflichtungen („Covenants“) das Recht, ihre Darlehen fällig zu stellen und ihre Sicherheiten zu verwerten. In diesem Fall droht dem Batteriehersteller die Zerschlagung. Ein Stillhalteabkommen läuft in zwölf Tagen am 22. Juli aus. Die drei Fonds und das Geldinstitut haben vor mehr als zwei Jahren zu sehr günstigen Konditionen Darlehen übernommen, die andere Varta-Gläubiger verkauft haben, weil sie das Vertrauen in das Unternehmen verloren hatten.Der Batteriehersteller ist nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung im Sommer 2024 vor wenigen Wochen abermals in die Krise geraten – nicht zuletzt deswegen, weil der US-Technologiekonzern Apple von Oktober an keine Batterien mehr von Varta beziehen will. Das Management um Vorstandschef Michael Ostermann versucht, den Konzern als Ganzes zusammenzuhalten, um mit dem Wissen aus allen Varta-Geschäftsbereichen eine Produktion von Natrium-Ionen-Zellen aufzubauen. „Bei einer Zerschlagung würde viel Innovationskraft verloren gehen. Damit wären Standortchancen im Energiespeicherbereich wie die einer Natrium-Ionen-Technologie verloren“, heißt es in Branchenkreisen. „Der Batteriesektor in Deutschland wäre um einen relevanten Player ärmer, und das Know-how würde nach Fernost abwandern.“„Es hat zu keinem Zeitpunkt direkte Gespräche gegeben“Die Schweizer Investmentgesellschaft ist nach Angaben von Allswiss-Gründer Pino Sergio bereit, sämtliche Forderungen der aktuellen Finanzierungsgläubiger in Höhe von 298 Millionen Euro zum Nominalwert aufzukaufen, um Varta als Ganzes zu erhalten. „Varta hat im Natrium-Ionen-Ansatz eine Zukunftstechnologie ausgearbeitet, die hoch skaliert werden kann und uns in der Batterietechnik ein Stück weit aus der Abhängigkeit von chinesischen Unternehmen befreit“, sagt Sergio.Der Schweizer Investor weist die Darstellung zurück, dass die Ad-hoc-Gläubigergruppe mit ihm im konkreten Austausch stehe. „Es hat zu keinem Zeitpunkt direkte Gespräche mit Blantyre, der Deutschen Bank, Bluebay oder Whitebox gegeben“, sagt Sergio. „Es hat lediglich Kontaktversuche meinerseits gegeben, die jedoch erfolglos geblieben sind.“ Die drei Fonds und die Deutsche Bank seien zwar über die Kanzlei Freshfields an Allswiss herangetreten, um eine gemeinsame Vertraulichkeitsvereinbarung abzuschließen; einen Abschluss dieser Verhandlungen habe es nie gegeben.In der Folge hat sich Allswiss nach Angaben von Sergio an die Global Loan Agency Services (GLAS) gewendet, die die Sicherheiten von Varta – insbesondere den profitabel arbeitenden Geschäftsbereich Haushaltsbatterien – verwaltet. GLAS habe das Angebot aus der Schweiz „einschließlich der vorgeschlagenen Transaktionsstruktur und der vorgesehenen Rollenverteilung“ an alle Gläubiger, auch die im dritten und vierten Rang, weitergeleitet. „Die im jeweiligen Verfahrensstadium erforderlichen Nachweise wurden erbracht“, erklärt der Allswiss-Gründer. „Der indikative Finanzierungsnachweis stammt von einem von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht beaufsichtigten Schweizer Wertpapierhaus, das zugleich als Zahlstelle des vorgesehenen Finanzierungsinstruments fungiert und die Finanzierung aus seinem Investorennetzwerk sicherstellt.“Die Identität der beteiligten Investoren wird nach Angaben Sergios „im Zusammenhang mit der Abgabe eines verbindlichen Angebots“ offengelegt. Voraussetzung dafür sei eine Prüfung der Finanzsituation und der Sicherheiten der Varta AG. Der Sicherheitsagent GLAS hat Allswiss deswegen am Mittwochabend um 18.08 Uhr den Zugang zu allen Büchern und Daten der Varta AG gewährt. Seitdem laufe bei Allswiss die Auswertung der Unterlagen. „Wir sind unverändert bereit, den Prozess zügig und konstruktiv fortzuführen“, sagt Sergio.Auch die Gläubigergruppe um Deutsche Bank, Blantyre, Bluebay und Whitebox setzt sich nach eigenen Angaben für Lösungen ein, „die eine operative Kontinuität gewährleisten“ und gleichzeitig „eine faire Behandlung aller Beteiligten sicherstellen“.
Kampf um Batteriehersteller: Varta-Gläubiger erhöhen den Druck
Der Ton zwischen den Hauptgläubigern von Varta und dem Investor Allswiss, der den Batteriehersteller retten will, wird rauer. Die Darlehensgeber um die Deutsche Bank verlangen endlich Details zum Übernahmeangebot.






