Es ist das Detail, das alles über den Zustand der Berliner CDU verrät: Der Brief, der Kai Wegner das Amt kosten könnte, trägt noch kein Datum. Wo Tag und Stunde stehen müssten, klafft ein „xx“. Quer über die Seiten zieht sich, als Wasserzeichen, das Wort „Schrägentwurf“. Es ist ein Dokument im Werden – und genau das macht es so brisant.
Denn dass ein solcher Entwurf überhaupt existiert und binnen kürzester Zeit Verbreitung fand, ist der eigentliche Befund des heutigen Morgens. Eine Partei, die ihren Spitzenkandidaten öffentlich zum Rücktritt auffordert, tut dies nicht aus einer Laune. Sie tut es, weil sie den Bruch bereits vollzogen hat – innerlich, bevor er auf dem Papier steht.
Chronologie der Kai-Wegner-Krise der CDU
Der Ton des Entwurfs ist bemerkenswert. Er greift den Bürgermeister nicht an, er entzieht ihm die Grundlage. „Es geht nicht mehr um Sie, Herr Wegner“, heißt es gleich zu Beginn – „es geht um das Amt, die Partei und diese Stadt.“ Das ist die Rhetorik der Loyalisten, nicht der Rebellen. Und sie ist gefährlicher als jede Frontalattacke, weil sie dem Amtsinhaber die letzte Verteidigungslinie nimmt: den Verweis auf innerparteiliche Illoyalität. Wer im Namen der Partei gegen ihren Vorsitzenden schreibt, kann nicht mehr als Nestbeschmutzer abgetan werden.
