Das Rhein-Main-Gebiet ist mit großem landschaftlichen Reich­tum gesegnet – nur eines fehlt: Gewässer zum Baden. Im gesamten Taunus findet sich mit dem Hattsteinweiher nahe Usingen lediglich ein geeigneter – und zugelassener – See. In den vergangenen Jahren galt die Wasserqualität als gut und erfüllt die Richt­linien der EU für dieserart Nutzung. Auch der Sicherheitsaspekt gewann: Der Teich wird bei sonnigem Wetter am Wochen­ende bewacht – gleichwohl ohne Haftung –, der breite Streifen vor dem aufgeschütteten Sandstrand gehört Nichtschwimmern und ist vom tieferen See in der Mitte abgegrenzt. Der westliche Teil des eineinhalb Hektar großen Areals bleibt tabu und steht unter Schutz. Das natürliche Filtrat der Röhrichtzonen trägt seinen Teil zur Wassergüte bei.Ganz so geordnet ging es noch nicht zu, als der berühmteste Gast am Hattsteinweiher bei Wirt „Gustav“ im August 1959 ein Bierchen trank: Elvis Presley. Allerdings schenkt man diesem werbeträchtigen Umstand keine Beachtung. Während unterdessen jedes biographische Detail seines Militärdienstes in Friedberg dokumentiert und mit Gedenkstätten gewürdigt wird, verschwanden hier selbst die lange aushängenden Fotos und entsprechenden Zeitungsar­tikel.Usingen besitzt einen schönen Altstadtkern mit Fachwerkhäusern und der reformiert-hugenottischen Kirche, die heute Bücherei und Standesamt beherbergt.Thomas KleinOb sich „The King“ auch in Usingen umsah? Damals noch ein beschauliches Landstädtchen, gewann es seither als beliebter Wohnort an Ausdehnung. Der historische Kern wurde aufgewertet. Zu Presleys Zeit waren noch viele der Fachwerke unter Putz, und auch der terrassenartig angelegte Schlosspark musste erst erneuert werden. Nach dem verheerenden Brand der vormaligen Residenz 1873, an deren Stelle ein hellgelber Klinkerbau trat, der heute ein Gymnasium beherbergt, bildet der Park die bedeutendste Erinnerung an jene 85 Jahre als Sitz der Nassauer Linie Usingen. 1744 wurde der Sitz ins repräsentativere Wiesbaden-Biebrich verlegt.Am Parkzugang wurde 1905 dem ersten Landesherrn, Fürst Walrad (1640 bis 1702), ein mit Quarzkristallen gezierter Gedenkstein gesetzt. Schon er hatte die Folgen einer Feuersbrunst (1692) zu meistern, die nur das unverändert genutzte Fachwerk-Rathaus und die spät­gotische Laurentiuskirche überdauerten. Anstelle der Burg schuf Walrad das Barockschloss. Die im absolutistischen Geist rasterförmig angelegte „Neustadt“ zielte auf die Ansiedlung von Hugenotten. Auch dieses Quartier um ihre ungewöhnlich große Kirche (heute Bücherei und Standesamt) ist weitgehend saniert und dank Gastronomie belebt.WegbeschreibungDer etwas außerhalb liegende Bahnhof Usingens – mit großem Parkplatz – eröffnet zum Einstieg mehrere Möglichkeiten. Ohne Stadtbesichtigung hält man sich links vom Stationsgebäude in den unscheinbaren Abgang gen Stockheimer Weg, und mit ihm über das gleichnamige Bachtal und die Neutorstraße (B­ 275). Auf der gegenüberliegenden Dienstbach-Straße geht es wieder bergauf zur Hattsteiner Allee. Der lindengesäumte Weg reicht bis an den Wald, rechts und links zum eintrittsfreien Weiher. Oberhalb der Liegewiese gibt es einen Imbiss sowie benachbart ein Terrassen-Restaurant.Bei Einschluss des historischen Kerns läuft man die Bahnhofstraße abwärts in Richtung Neuer Marktplatz, wo man ebenfalls parken kann. Rechts, durch die Wilhelmjstraße, gelangt man zu Rathaus und Schlosspark; am oberen Ende dann jenseits der Weilburger Straße (B 456) in den Schlagweg, überwechselnd zur Hattsteiner Allee. Für den direkten Gang zum Barockviertel führt die Treppe vom Neuen Marktplatz hinauf.Der Hattsteinweiher kann vollständig umrundet werden. Zurück bleibt er an der nordwestlichen Ecke in den angezeigten Alten Wilhelmsdorfer Weg. Dass sich die Naturpark-Zeichen roter Rehbock und blaue Libelle rarmachen, fällt nicht ins Gewicht, da es bei leichtem Bergauf durch Mischwald nur geradeaus vorangeht. Oben, nahe Wilhelmsdorf, stehen die Markierungen zurück, wenn man nach Queren der Gleise rechts in die seit der Gründung 1707 topographisch wenig veränderte Gemeinde läuft. Etwas abgesetzt von der Bebauung mit giebelstän­digen Häusern ragt das kleine Fachwerk-Rathaus in die Wilhelm-Heinrich-Straße. Sie erinnert an den Sohn und Nachfolger von Fürst Walrad, der hier gleichfalls Hugenotten ansiedeln ließ.Feldwege wurden zu drei Meter breiten Radstraßen ausgebautHundert Meter weiter verlässt man diese nach links (An der Laubach) mit Dreieck und Zeiger (beide schwarz). Die Bachsenke wird durchschritten und bei ei­nigen Richtungswechseln über zu drei Meter breiten Radstraßen ausgebauten Feldwegen dem Wald entgegen. Die Wanderlotsen bleiben davor und kreuzen diagonal die nahe Straße.Auf der anderen Seite folgt eine ungepflegte Passage. Ihr lässt sich auch ausweichen, indem man kurz links neben der Fahrbahn läuft, und dann rechts auf den aufwendig gestalteten Rad-/Fußweg (mit Verkehrsschildern!) bis zum Wiederanschluss an die Zeichen. Sie weisen nach gut 50 Metern rechts ab und leiten über zum bequemen, dann befestigten Weg um die Erdfunkstelle Usingen. Seit sich der Digitalverkehr per Satellit vervielfachte, ragen neben älteren Parabolantennen nun ganze Felder kleinerer Kuppeln auf. Die Zählung steht aktuell bei 135 – Tendenz steigend.Seit 1979 in Betrieb: die „Erdfunkstelle Usingen“. Neben den großen, bis zu 19 Meter messenden Parabol-Antennen stehen ganze Felder kleinerer Kuppeln.Thomas KleinDer Weg mündet in die Bundesstraße. Auf der anderen Seite werden die bishe­rigen Markierungen gegen den roten Punkt getauscht, der nach links weist. Un­ter dunklen Fichten könnte übersehen werden, dass man nach kaum 300 Metern scharf links abbiegen muss. Es folgen nun kleinere Biotope und ein ausgeräumter Hang, den einzelne Lärchen wie Flaggen überragen. Dicht bewaldet blieb der idyllische Grünwiesenweiher, den man nach Kreuzen einer Straße und kurzem Abstieg via holprigem Pfad erreicht. Jegliche Nutzung des geschützten Teichs ist untersagt, lediglich Angler dürfen ihrer Passion frönen.Mit dem roten Punkt umrundet man das Gewässer, bevor es über einen Pfad zwischen Kiefern bergauf geht. Nach Rechs- und Linksschwenks geht es auf die mächtige, längst stillgelegte Kreisdeponie zu. Ein Stück führt der Weg daran entlang, dann links und bald rechts, vorbei am kleinen, nach dem früheren Bürgermeister Ernst Ludwig Lißmann benannten Teich, und hinaus ins Freie.Was sich schon vorher punktuell andeutete, wird nun bedauerlicherweise zur Zumutung. Der neben den Gleisen verlaufende Pfad ist faktisch zugewachsen und verlangt zumindest lange Hosen. Das Zeichen fehlt dennoch nicht und kommt punktgenau an einer Bahnbrücke heraus. Jenseits davon findet es nach rechts auf regulärem Feldweg bis Usingen seine Fortsetzung; dort links und rechts den bekannten Stockheimer Weg zum Bahnhof.Unter Naturschutz: Der kleine Grünwiesenweiher wurde ursprünglich zur Wasserversorgung von Usingen angelegt.Thomas KleinUm diesem abenteuerlichen Pfad auszuweichen, besteht hinter dem Grünwiesenweiher eine Alternative. Vor der Anglerhütte schließt man sich rechts dem blauen Strich an. Unter Kiefern führt er zu einer Häuserzeile, die nach gut 600 Metern zurückbleibt, wenn man sich nach links wendet. Knapp vor dem Wald geht es zur Deponie. Auf ihrer breiten Zufahrt läuft man talwärts bis zum ersten Verkehrsschild und links in den holprigen, aber gemähten Grasweg zwischen verblühten Rapsfeldern.Hinter den Rechts-links-Kurven wird nach 400 Metern geradeaus die Hochspannungsleitung unter- und das Bächlein überschritten. Das Maisfeld ist zu umkurven, dann geht es links hinauf zu dem Verkehrskreisel. Aus ihm leitet der Strich im breiten Achtzehnmorgenweg an Großmärkten und Gewerbebetrieben vorbei zu einem Wendehammer. Kurz danach geht es über die Bahnbrücke und gleich links in den Saumpfad zum Bahnhof.AnfahrtAus südlicher Richtung über die A661 und von Bad Homburg Nord auf die B456; oder via A5, Ausfahrt Friedberg und durch das Köpperner Tal bis zur Bundesstraße.Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man mit der S 5 nach Bad Homburg, von wo jede halbe Stunde eine Regionalbahn verkehrt (sonntags stündlich).SehenswertTrotz Brandkatastrophen blieb der historische Kern in der ehemals ­nassauischen Residenz Usingen ­erhalten. Dank umfassender ­Sanierung wurde viel Fachwerk ­freigelegt und die nach 1692 für ­Hugenotten angelegte „Neustadt“ mit ihrer großen Kirche um den ­Alten Markplatz zu einem Schmuckstück. Die Feuer überdauerten die ­spätgotische Laurentiuskirche und das Fachwerk-Rathaus von 1687 gegenüber vom 1873 abgebrannten Schloss, das durch einen Klinkerbau ersetzt wurde. Weitgehend wieder hergestellt ist der terrassierte Schlosspark, wo seit 1905 eine ­Gedenkstätte an den ersten ­Regenten Fürst Walrad erinnert. Mit dem 1,5 Hektar großen ­Hattsteinweiher besitzt die ­Gemeinde die Rarität eines für ­Taunusverhältnisse seltenen ­Badesees. Er dient Freizeitbelangen wie dem Naturschutz.ÖffnungszeitenDer Hattsteinweiher ist frei ­zugänglich; Baden auf eigene Gefahr. Usingen hat zwei Museen, die ­alternierend sonntags von 14 bis 17 Uhr öffnen: das Stadtmuseum im Rathaus sowie die Vorgeschichtliche Sammlung im Kavaliersbau ­unterhalb des Schlossplatzes (beide sind eintrittsfrei).