InteraktivIst Strom in Deutschland gerade sauber oder schmutzig?Die NZZ zeigt in Echtzeit, wie viel Wind, Sonne, Kohle und Gas im Strommix stecken – und wie Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarn dasteht.10.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDeutschlands Strommix ist seit dem Jahr 2000 sauberer geworden. Viele Wind- und Solaranlagen kamen dazu; ihr Anteil an der Stromerzeugung stieg von weniger als zwei Prozent auf fast die Hälfte im Jahr 2025. Kohle verlor an Bedeutung, die Emissionen im Stromsektor sanken.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trotz Energiewende sind viele Nachbarn saubererZugleich hat Deutschland seine Kernkraftwerke abgeschaltet. Damit fehlt eine CO2-arme Stromquelle, die unabhängig von Wetter und Tageszeit grosse Mengen Strom liefern konnte. Auch deshalb ist der deutsche Strommix weiterhin deutlich CO2-intensiver als derjenige von Ländern mit viel regelbarer Kernkraft wie Frankreich oder mit viel Wasserkraft wie Norwegen, Schweden, Österreich und die Schweiz.Im Jahr 2025 lag die CO2-Intensität der deutschen Stromproduktion laut Electricity Maps bei rund 370 Gramm je Kilowattstunde. Unter Deutschlands elf Stromnachbarn war sie nur in Polen und Tschechien höher. Besonders CO2-arm war die Stromerzeugung in Schweden, Norwegen, Frankreich und der Schweiz: Je Kilowattstunde fielen dort im Schnitt weniger als 30 Gramm CO2 an.Was sind «andere Erneuerbare»?Der blaue Balken steht je nach Land für sehr unterschiedliche erneuerbare Stromquellen. In Deutschland und Dänemark ist das vor allem Biomasse – etwa aus Holz, Pflanzenresten oder Biogas. In Norwegen und Schweden dagegen fast ausschliesslich Wasserkraft.Wasserkraft verursacht ähnlich wie Wind und Solar nur geringe CO₂-Emissionen. Biomasse zählt zwar zu den erneuerbaren Energien, setzt beim Verbrennen aber CO₂ frei. Die Klimabilanz hängt deshalb stark von Herkunft und Art des Brennstoffs ab.Beide Quellen lassen sich nur begrenzt ausbauen: Für Wasserkraft fehlen vielerorts geeignete neue Standorte, Biomasse ist durch verfügbare Brennstoffe und Flächen beschränkt.Der Umbau des Stromsystems zeigt sich auch an den Preisen. Wenn Wind- und Solaranlagen wenig liefern und zugleich viel Strom gebraucht wird, kann dieser an den europäischen Börsen sehr teuer werden – besonders bei Dunkelflauten im Winter, also längeren Phasen mit trübem Wetter und wenig Wind.Umgekehrt sinken die Preise, wenn viel Wind- und Solarstrom auf eine geringe Nachfrage trifft – etwa an sonnigen und windigen Wochenenden im Sommer. Mitunter fallen die Preise sogar unter null. Dann ist der überschüssige Strom nicht nur wertlos: Anbieter müssen sogar dafür zahlen, dass ihn jemand abnimmt. Für den Steuerzahler wird das teuer, weil viele bestehende Wind- und Solaranlagen in Deutschland auch bei negativen Preisen eine garantierte Vergütung bekommen.Negative Preise werden häufigerSolche Negativpreise sind häufiger geworden: Im vergangenen Jahr lag der Strompreis in Deutschland mehr als 570 Stunden unter null; im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es noch rund 210 Stunden.So hängen die Werte zusammenIn einem Land mit vielen Wind- und Solaranlagen wie Deutschland hängt viel davon ab, wie viel Strom diese gerade liefern – und wie hoch die Nachfrage ist.Viel Wind- und Solarstrom bedeutet meist: geringere CO2-Emissionen und einen niedrigeren fossilen Anteil. Häufig fallen dann auch die Börsenpreise, und Deutschland exportiert mehr Strom. Wenn besonders viel wetterabhängiger Strom im System ist, können die Preise sogar unter null fallen.Wenig Wind- und Solarstrom bedeutet meist: höhere CO2-Emissionen und einen höheren fossilen Anteil – besonders, wenn zugleich viel Strom gebraucht wird. Oft steigen dann auch die Börsenpreise, und Deutschland importiert mehr Strom.Auch im Stromhandel ist der Wandel sichtbar. Deutschland war lange Nettoexporteur; seit dem Atomausstieg hat sich die Bilanz gedreht. Im Jahr 2025 hat Deutschland unter dem Strich mehr Strom importiert als exportiert. Diese zusätzlichen Importe deckten rechnerisch knapp 5 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms. Besonders wichtig sind Importe in Stunden mit wenig Wind und Sonne oder hoher Nachfrage. Dann importiert Deutschland häufig aus Nachbarländern mit viel regelbarer Kern- oder Wasserkraft.Fehler entdeckt? Verbesserungsvorschläge? Schreiben Sie uns eine E-Mail an [email protected].Von Simon Off, Benedikt Mayer, Sophia KisslingWas steckt hinter den Zahlen?Der NZZ-Strom-Tracker (v0.5) zeigt, wie Deutschland derzeit seinen Strom produziert, zu welchem Preis der Strom an der Börse gehandelt wird und wie CO2-intensiv der deutsche Strommix ist – auch im Vergleich mit den Nachbarländern. Importe aus dem Ausland werden im Strommix nicht berücksichtigt, weil ihre genaue Herkunft und Zusammensetzung nicht direkt messbar ist. Die durchschnittliche CO2-Intensität wird nach der erzeugten Strommenge gewichtet und bemisst sich an Lebenszyklus-Emissionen. Diese erfassen nicht nur die Stromerzeugung selbst, sondern auch Bau und Betrieb der Kraftwerke und Anlagen. Abweichungen zu anderen Datensätzen ergeben sich vor allem daraus, dass Stromerzeugung aus unklaren oder gemischten Quellen anders klassifiziert wird; bei Gas werden zudem etwas höhere Emissionen angesetzt als zum Beispiel bei Ember.Welche Quellen nutzt der NZZ-Strom-Tracker?Die NZZ bereitet Daten unter anderem von «Electricity Maps» auf und berechnet daraus eigene Kennzahlen. Das Portal bündelt Stromdaten aus verschiedenen Quellen wie Handelsplattformen für Strom und der Transparenzplattform des Verbands der europäischen Netzbetreiber (Entso-E). Zusätzlich bezieht die NZZ regelmässig aktualisierte Zahlen zur installierten Leistung der Energieträger vom Fraunhofer ISE.Wie verlässlich sind die Werte?Für Deutschland nutzt «Electricity Maps» stündliche Messdaten. Fehlende oder noch nicht gemeldete Werte werden geschätzt und können sich später noch verändern; die NZZ berücksichtigt Korrekturen bis zu einem Monat rückwirkend. Das gilt auch für Deutschlands Stromnachbarn – mit Ausnahme der Schweiz. Dort modelliert «Electricity Maps» die Erzeugung, weil keine stündlichen Meldedaten vorliegen.Wie ordnet die NZZ die Werte ein?Der NZZ-Strom-Tracker nutzt feste, gerundete Schwellen; dadurch bleiben die Skalen über alle auswählbaren Zeiträume hinweg gleich. Sie wurden wie folgt ermittelt:Emissionen: Die NZZ-Grenze für «sehr sauber» beruht auf den EU-Regeln für klimafreundliche Investitionen. Die übrigen Schwellen orientieren sich an historischen Werten und Einschätzungen von Energieexperten.Strompreis: Die Skala für die Preise im Grosshandel ist angelehnt an die historische Verteilung der Day-Ahead-Preise in der Strompreiszone Deutschland - Luxemburg.Handelsbilanz: Die Werte stammen von Entso-E und zeigen Deutschlands Nettoexporte im kommerziellen Stromhandel als mittlere Leistung in Gigawatt. Die Skala orientiert sich an historischen Werten.Passend zum Artikel
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