Kann ein einziger Punkt, ein einziger Schlag einen Tennisprofi ein Leben lang verfolgen? Aber natürlich, und deshalb besteht eine hohe Chance, dass Coco Gauff diesen missglückten Stopp nie ganz vergessen wird. Es stand 9:8 für die US-Amerikanerin im Tiebreak des dritten Satzes, ein guter Aufschlag, ein zu kurz geratener Return von Karolina Muchova – und hätte Gauff jetzt, wie so oft in diesem hochklassigen Halbfinale am Donnerstag in Wimbledon, den Ball präzise links oder rechts geschlagen, sie wäre in ihr erstes Endspiel im All England Club eingezogen. Stattdessen stöpselte sie die gelbe Filzkugel ins Netz. Kurz darauf war es die Tschechin, die jubelte.Muchova, die zu den vielseitigsten Spielerinnen zählt, siegte 6:2, 1:6, 7:6 (10). Gauff, laut dem Forbes Magazin 2025 mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 28,85 Millionen Euro die bestbezahlte Sportlerin der Welt, verpasste ihr großes Ziel, ihren Triumphen bei den US Open 2023 und French Open 2025 einen Erfolg beim Rasenklassiker hinzuzufügen. Im Endspiel am Samstag (nicht vor 16 Uhr) trifft Muchova auf ihre Landsfrau Linda Noskova, 21, die die Ukrainerin Marta Kostjuk 6:4, 6:4 besiegte und erstmals ein Grand-Slam-Finale erreichte.Lange Sperre für Wimbledonsiegerin:Und wieder überschattet ein Dopingfall den TennissportMarketa Vondrousova, Wimbledonsiegerin 2023, wird nach einem verweigerten Dopingtest für vier Jahre gesperrt. Ihr Fall wirft die Frage auf: Wie gerecht wird im Tennis bestraft?„Ich versuche immer noch, das alles zu verarbeiten. Es war ein unglaublicher Kampf“, sagte Muchova nach ihrem Finaleinzug. Für die 29-Jährige wird es das zweite Endspiel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere sein: 2023 hatte sie in Paris gegen die Polin Iga Swiatek verloren. Mit dieser Finalbesetzung steht fest, dass in jedem Fall eine Tschechin die Trophäe namens Venus Rosewater Dish erhält. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen 15 Jahre fort – Tschechinnen spielten immer exzellent in Wimbledon. Petra Kvitova triumphierte 2011 und 2014, Marketa Vondrousova, die im Juni wegen einer verweigerten Dopingprobe für vier Jahre gesperrt wurde, siegte 2023. Und 2024 setzte sich Barbora Krejcikova durch.„Ich freue mich, dass ich mein erstes Slam-Finale gegen Karolina spielen darf“, sagte Noskova, die die erste Nasenringträgerin im Endspiel sein dürfte. Beide Finalistinnen waren bereits mit Erfolgserlebnissen ins Turnier gestartet. Die Weltranglistenneunte Muchova hatte das Vorbereitungsturnier in Bad Homburg gewonnen, Noskova holte den Titel in Berlin.Coco Gauff, 22, gab schließlich auf ihrer Pressekonferenz zu, dass sie noch lange über ihren Stopp nachdenken werde und schlussfolgerte: „Wenn ich es noch mal machen müsste, hätte ich wahrscheinlich einen Slice-Vorhand-Longline gespielt.“
Tennis in Wimbledon: Muchova und Noskova im Finale
Zwei Tschechinnen bestreiten das Endspiel von Wimbledon: Karolina Muchova setzt sich in einem Krimi gegen Coco Gauff aus den USA durch, Linda Noskova besiegt die Ukrainerin Marta Kostjuk.











