Deutschlands Sportchefin Christiane Schenderlein spricht von einer „historischen Woche“. Weil der Spitzensport, so am Dienstag angekündigt, im nächsten Jahr 361,7 Millionen Euro aus der Steuerkasse erhalten soll, ein Rekord. Weil die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt am Donnerstag zur Gründungsveranstaltung des (vom Sport) unabhängigen „Zentrums für Safe Sport“ zum Schutz von Sportlerinnen und Sportlern ins Kanzleramt einlud. Und weil am Freitag dem Bundestag das Sportfördergesetz zur Abstimmung vorgelegt wird: mehr Geld, mehr Sicherheit für Athleten – und auch noch mehr Medaillen?Das ist der Wunsch von Politik und Sport. 14 Jahre versuchte man sich an einer Reform des Spitzensports. Jetzt gibt es, falls das Parlament und Ende September auch der Bundesrat zustimmen, kein Zurück mehr. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wirkt zwar nicht hellauf begeistert, aber erwartungsfroh. Endlich geht es zur Sache mit einem Gesetz, dessen finale Verfassung noch ein paar Verbesserungen enthält.Steuern statt Geld verteilenUnter anderem ist die „Autonomie“ des Sports nun fix formuliert, Trainer sollen „angemessen vergütet“ werden, den Ende 2024 vom DOSB beschlossenen „Safe Sport Kodex“ zum Schutz vor physischer und psychischer oder sexueller Gewalt müssen die Mitgliedsverbände umsetzen, wenn sie ihre Förderung durch den Bund nicht riskieren wollen. Ohne Druck geht’s wohl nicht.Daran denken wohl alle, die im Sportfördergesetz und der damit verbundenen Gründung einer Spitzensportagentur den besten Hebel für eine ertragreichere Zukunft der Deutschen in den Arenen sehen. Damit die Agentur als zentrale Schaltstelle funktionieren kann, ist ihr Zweck umformuliert worden: Aus einer „systematischen Entwicklung“ des Spitzensports wurde eine „Steuerung“. Alle Macht geht von der Agentur aus? Zumindest bietet sich die Chance, zu gestalten, statt nur Geld zu verteilen. Umso bedeutender ist die Konstellation im Stiftungsrat der Agentur, der Kontrollinstanz mit weitreichenden Kompetenzen.Er wurde nach dem berechtigten Protest des Sports, mit drei Positionen unterrepräsentiert zu sein, von neun auf zehn Plätze erweitert. Man kann darüber streiten, ob es klug ist, im machtvollen Stiftungsrat „Empfänger“ von Steuergeldern zu platzieren, wenn das Bundeskanzleramt den Vorsitz bekleidet und das Finanzministerium sowie drei Bundestagsabgeordnete (aus Haushalts-, Verteidigungs- und Sportausschuss) mit am Tisch sitzen. Der Anschein einer potentiellen Abhängigkeit lässt sich kaum vermeiden. Dann aber ist es indiskutabel, dem von der Regierung unterstützten Verein Athleten Deutschland den geforderten Sitz zu verweigern.Der DOSB „entsendet“ laut Gesetz nun zwar vier statt ursprünglich drei Mitglieder und darunter zwingend jemanden aus seiner Athletenkommission. Aber die pochte am Mittwoch in einem dringenden, schriftlichen Appell auf ihr Selbstbestimmungsrecht, auf Profis im Stiftungsrat, auf die „bestmögliche Vertretung“: auf Athleten Deutschland im Gremium. 80 Athletenvertreter aus 47 Spitzenverbänden hatten das schon vor zwei Jahren gefordert. Unerhört, dass sie nicht erhört wurden. Dahinter steckt die Furcht von Spitzenverbänden vor dem Einfluss der von ihnen unabhängigen Sportlervertretung. Sie hat was zu sagen.Falls die Entscheidungen zum Sport in dieser Woche irgendwann als „historisch“ bewertet werden können, dann hätte Athleten Deutschland einen wesentlichen Anteil daran: am Sportfördergesetz sowie am „Zentrum für Safe Sport“. Die Initiative ging von Athleten Deutschland aus.
Sportfördergesetz: Wen die Spitzenverbände fürchten
Endlich geht es zur Sache beim Sportfördergesetz. Das Gute daran: An der Autonomie des Sports wird nicht gerüttelt. Unerhört ist aber, dass diejenigen, die am meisten zu sagen haben, nicht erhört wurden.











