Klaus S. sitzt jeden Tag im Gerichtssaal, in dem am Landgericht Berlin gegen Reiner F., dessen Frau Christiane und Roland K. verhandelt wird. Der 84-Jährige hat in dem Prozess gegen die mutmaßlich dreisten Grabräuber und ihren vermeintlichen Hehler schon als Zeuge ausgesagt. Der Mann aus Lichterfelde will wissen, warum die Angeklagten auch die Grabstätte seiner Familie geschändet haben.
Klaus S. trägt an diesem Donnerstag Jeans und eine dunkelblaue Jacke. Auch an diesem letzten Prozesstag sitzt er wieder im Publikum, weil er auf das Urteil gegen die Angeklagten gespannt ist. In einer Prozesspause erzählt er, wie er im Frühjahr 2023 auf dem Friedhof in der Moltkestraße in Lichterfelde das Grab seiner Familie besucht hatte – und völlig entsetzt war.
Weil der „Engel mit Kranz“ vom Grabstein abmontiert worden war, eine bronzene Frauengestalt, die einen Kranz in beiden Händen hielt. „Das war schlimm für mich, eine emotionale Katastrophe“, erinnert sich der Senior. Der Engel habe seit mehr als hundert Jahren das Familiengrab geschmückt, in dem unter anderem seine Schwiegermutter und seine Patentante ruhen.
Beim Rundgang über das Gräberfeld habe er dann bemerkt, dass auch der bronzene „Engel vom Grab Westphal“ gefehlt habe. Damals sei er zur Friedhofsverwaltung gegangen und habe den Diebstahl angezeigt, erzählt Klaus S. Dort habe man die geklauten Kunstwerke lediglich als „Metalldiebstahl“ bewertet und abgewinkt. Weil so etwas, so erzählt es Klaus S., angeblich immer wieder vorkomme.








