Fünf Gründe, warum sich das Locarno Film Festival dieses Jahr besonders lohntEine Rekordzahl an eingereichten Filmen, 103 Weltpremieren und prominente Gäste wie Isabella Rossellini oder Darren Aronofsky: Locarno geht mit einem vielfältigen Programm in seine 79. Ausgabe. Fünf Höhepunkte, auf die man sich freuen darf.09.07.2026, 18.00 Uhr3 Leseminuten«Frank & Louis» ist der erste englischsprachige Film von Petra Volpe. In Locarno läuft er am 10. August auf der Piazza Grande.FilmcoopiEin Jahr vor seinem 80. Geburtstag wirkt das Locarno Film Festival so gar nicht greis. Viele Filmschaffende reissen sich um den Anlass, wie der künstlerische Leiter Giona Nazzaro bei der Programmpräsentation mit eindrücklichen Zahlen belegte: 7759 Filme wurden eingereicht – rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon schafften es 233 in die finale Auswahl, 103 feiern im Tessin Weltpremiere.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Fünf Gründe, sich auf Locarno zu freuen:Die Oscar-Nachfolge: Für die Nominierung zum wichtigsten Filmpreis der Welt hatte es für «Heldin» am Ende zwar nicht gereicht, doch umso grösser ist die Vorfreude auf den neuen Film der Regisseurin Petra Volpe. «Frank & Louis», die erste englischsprachige Produktion der Aargauerin, feierte im Winter am renommierten Sundance Festival Premiere und erhielt gute Kritiken. Erneut steht die Pflege im Zentrum, diesmal in einem Gefängnis, wo sich ein Insasse um einen Mithäftling mit Alzheimer kümmert. «Frank & Louis» ist der einzige Schweizer Film auf der Piazza Grande; weitere einheimische Beiträge im Programm sind unter anderem die Doku «Small Talk» über Jugendliche in der Elite-Benimmschule Villa Pierrefeu oder die einzige Serie: «Die Engelmacher» über die Sekte Methernitha und ihren kriminellen Guru Paul Baumann.Die grosse Leinwand: Die Piazza bleibt das Herzstück von Locarno, an ihrem Zuspruch misst sich das Festival, hier müssen sich Kunstfertigkeit und Unterhaltung die Waage halten. Zwei Spielfilmpremieren, die diese Balance versprechen: In «Ich ist ein Anderer» geht es um die Behauptungen von Felix Kersten (gespielt von Claes Bang), dem ehemaligen Masseur von Heinrich Himmler, der behauptet, er habe unzählige Juden vor der Vernichtung bewahrt. Und in «Down the Arm of God» muss ein Pastor (Caleb Landry Jones) Obdachlose vor rabiaten Gemeindemitgliedern schützen.Die Spätvorstellungen: Leidenschaftliche Nachteulen und bleiche Schlafwandler dürften mit den Second Screenings, den Vorstellungen nach dem Hauptfilm auf der Piazza, kein Problem haben. Alle anderen müssen sich warm anziehen und ordentlich Kaffee ordern. Besonders in der Nacht auf den 8. August für die restaurierte Originalfassung von Kevin Costners mit sieben Oscars prämiertem Western «Dances with Wolves» (1990). Dauer: rund vier Stunden. Wer nicht ganz so lange ausharren kann und will, besucht vielleicht eher die beiden anderen Second Screenings «Wild at Heart» (6. August) und zum 50-Jahr-Jubiläum Martin Scorseses «Taxi Driver» (8. August).Der Blick zurück: Die Retrospektive in Locarno ist üblicherweise stets eine sichere Bank. Für Neuentdeckungen, wie 2023 die Breite des mexikanischen Kinos, ebenso wie für das Schliessen unvermeidlicher cineastischer Bildungslücken. Dieses Jahr dreht sich die Sektion um die aufreibenden McCarthy-Jahre, als in Hollywood der «Red Scare», die bis zur Paranoia gehende Angst vor dem Kommunismus, umging – und Künstler wie Dalton Trumbo, Dorothy Parker oder Charlie Chaplin zensiert, diffamiert und vertrieben wurden. Gezeigt werden unter anderem Klassiker wie «Crossfire» (1947), «On the Waterfront» (1954) oder «A King in New York» (1957).Die Gäste: In den letzten Jahren wurde es in Locarno fast zum Trend, globale Superstars aus dem asiatischen Raum einzuladen: Shah Rukh Khan, Jackie Chan, Lucy Liu. Diesen Weg setzt die 79. Ausgabe vorerst nicht fort. Doch die Liste der Ehrengäste ist dennoch prominent und originell: Mit Isabella Rossellini kommt eine Schauspielikone, die mit dem Excellence Award ausgezeichnet wird. Der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky («Black Swan», «The Whale») erhält den Ehrenleoparden für sein Gesamtwerk. Zudem präsentieren die Schauspielerinnen Asia Argento («Armony») und Virginie Efira («Soudain») neue Filme. Ebenfalls ausgezeichnet wird der amerikanische Maskenbildner Rick Baker, dessen Spezialeffekte Klassiker wie «An American Werewolf in London» geprägt haben.Locarno Film Festival: vom 5. bis zum 15. August.Passend zum Artikel