Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp schließt einen Rücktritt aus – trotz des weiteren Anteilsaufbaus durch Unicredit an der Frankfurter Bank. „Solange ich das Vertrauen vom Aufsichtsrat, von den Mitarbeitenden und von den Kunden habe, stellt sich diese Frage für mich nicht“, sagte sie der FAZ. Ihr Vertrag laufe bis 2029. Zugleich bekräftigte sie ihre Gesprächsbereitschaft mit Unicredit-Chef Andrea Orcel: Es gelte, „Instabilität zu vermeiden“.Der italienische Bankkonzern Unicredit, zu dem auch die Münchener Hypovereinsbank gehört, ist mit seinem Übernahmeangebot nur knapp an einer Mehrheitsbeteiligung an der Commerzbank vorbeigeschrammt. Die Mailänder Großbank hat Zugriff auf 47,6 Prozent der Commerzbank-Aktien. Auf einer Hauptversammlung könnte die Bank sogar 49,65 Prozent kontrollieren, weil die eigenen Aktien, die die Commerzbank im Bestand hält, keine Stimmrechte haben. Die Italiener sprachen am Mittwoch von „einem weiteren Schritt zur Umsetzung des strategischen ‌Investments in die Commerzbank“, gaben sich aber versöhnlicher als vorher: Man wolle mit allen Interessengruppen rund um die Commerzbank ins Gespräch kommen. Dem Vernehmen nach dürfte es nun bald zu einem erneuten Austausch kommen.Zugleich wies die Commerzbank-Chefin am Donnerstag aber auch daraufhin, dass sie nicht nur Unicredit als Großaktionär verpflichtet ist. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Unicredit mehr braucht als nur die Kontrolle. Solange es keinen Beherrschungsvertrag, keine Verschmelzung, keinen Squeeze-out gibt, muss ich unabhängig agieren, weil es Minderheitsaktionäre gibt, die ich schützen muss“, sagte sie der FAZ. Für einen Beherrschungsvertrag bräuchte Unicredit eine Mehrheit von 75 Prozent auf der Hauptversammlung – davon sind die Italiener noch deutlich entfernt.Unicredit dürfte rasch mit der Integration loslegen wollenJeder Vorstand, jeder Aufsichtsrat sei verpflichtet, einzig und allein im Sinne der Institution zu handeln, nicht im Sinne eines Großaktionärs, sagte Orlopp. Um wirklich die von der Unicredit in den Raum gestellten Synergien zu realisieren – und erst daraus würde der Wert entstehen – brauche sie „strukturelle Maßnahmen und qualifizierte Mehrheiten“. Sie könne auch keine Integration durchziehen, ohne dass sie die Arbeitnehmervertreter an ihrer Seite habe. „Das funktioniert nicht“.Ohnehin muss Unicredit nun erst einmal die Genehmigung der EZB einholen, um bestimmte Kontrollschwellen überschreiten zu dürfen, was bei allen Bankübernahmen in Europa notwendig ist. Widerstand ist von dort zwar kaum zu erwarten: Die EZB hat durchblicken lassen, dass sie die europäische Bankenkonsolidierung vorantreiben will. Offen bleibt allerdings, ob für das sogenannte Inhaberkontrollverfahren überhaupt alle Unterlagen eingereicht sind – und damit die 60-Tage-Prüfungsfrist der EZB begonnen hat. Unicredit und EZB schweigen dazu auf Nachfrage. Erst nach einer Genehmigung kann Unicredit die erworbenen Stimmrechte auf einer Hauptversammlung auch nutzen. Weil die Übernahme angesichts des gestiegenen Commerzbank-Aktienkurses für Unicredit teuer ist, dürfte Orcel darauf drängen, möglichst rasch mit der Integration zu beginnen – um Kostensynergien zu heben, die den Kaufpreis rechtfertigen.Unicredit kann allerdings grundsätzlich erst dann jenseits der aktuellen Schwellen am Markt Aktien nachkaufen, wenn die EZB grünes Licht gegeben hat. Sollte Unicredit in einem bestimmten Zeitraum dem Bund oder anderen Aktionären außerhalb des Angebots einen höheren Preis zahlen als den bisherigen Angebotspreis, müsste sie die Differenz auch allen übrigen Aktionären nachzahlen, die ihre Aktien bereits angedient haben – was Sonderverhandlungen mit dem Bund für Unicredit sehr teuer machen könnte.Derweil gibt der Betriebsrat der Commerzbank seine Fundamentalopposition gegen die Übernahme des Frankfurter Geldhauses längst nicht auf. Ein Zusammenschluss der beiden Banken sei nicht als Schritt zu einer europäischen Bankenunion zu werten, betonten die Betriebsräte in einem Schreiben an die Belegschaft, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Eine „Verschmelzung zweier – auch ‌alleine – erfolgreicher Banken (um den Preis eines zigtausendfachen Arbeitsplatzabbaus und jahrelanger Integrationsschmerzen)“ – habe das ‌Siegel „pro-europäisch“ nicht verdient. „Andrea Orcels Crashkurs liegt weder im Interesse der Beschäftigten der Commerzbank noch derjenigen in der HypoVereinsbank“, schreibt der Betriebsrat.Staatsanwaltschaft: keine Hinweise auf MarktmanipulationNach SZ-Informationen haben sich die Arbeitnehmervertreter in einer Vereinbarung mit dem Vorstand sogar das Recht gesichert, die „konstruktive Zusammenarbeit“ mit dem Vorstand der Commerzbank aufzukündigen, sobald Unicredit formal die Kontrolle übernimmt – wobei der Betriebsrat selbst festlegen kann, ab welcher Schwelle diese „Kontrollübernahme“ greift. Mit anderen Worten: Sollte Unicredit seine Anteile erhöhen, dürfte die eher konstruktive Haltung des Betriebsrats mit Blick auf das laufende Stellenabbauprogramm der Commerzbank schnell Geschichte sein. Die Folge könnten Streiks und andere Maßnahmen sein, die die Integration erschweren und verteuern.Immerhin in einem Punkt gibt es für Unicredit Entwarnung: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe mitgeteilt, dass sie in der Sache kein Ermittlungsverfahren wegen Marktmanipulation aufnehmen werde, sagte Betriebsratschef Sascha Uebel der dpa. Nach Abschluss des Prüfverfahrens habe man die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgelehnt, „da zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat nicht festgestellt werden konnten“, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Weitere Angaben könnten wegen des „noch nicht abgeschlossenen Übernahmeprozesses und damit einhergehender etwaiger Kursbeeinflussungen“ nicht gemacht werden.