Pandas, Kuchen und Pistolen: Die Kunst des diplomatischen Schenkens hat ihre TückenDer türkische Präsident Erdogan hat auf dem Nato-Gipfel in Ankara allen Staatsgästen Revolver geschenkt. Aussergewöhnlich? Ach was, die Staatslenker dieser Welt lassen sich so einiges einfallen, wenn es ums Schenken geht. Ein Blick auf die kuriosen Gaben.09.07.2026, 16.49 Uhr5 LeseminutenEin Revolver «mit besten Grüssen»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan liess ein solches Exemplar samt Munition an die Regierungschefs beim jüngsten Nato-Gipfel in Ankara verteilen.Lithuanian President’s Office / Handout via ReutersEin Revolver also. Samt Munition. Schon rätselt die Welt, zumindest die Welt rund um die Beschenkten und ihre Beobachter, was sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel in Ankara denn dabei gedacht habe, als er die dort anwesenden Regierungschefs mit Waffen bedachte. Waffen, die manche der Beschenkten gar nicht erst nach Hause mitnehmen können, weil die teilweise rigiden Waffengesetze ihrer Länder weder die Einfuhr noch den Besitz erlauben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Verteidigt sich das Verteidigungsbündnis nun auf diese hemdärmelige Art, oder was für eine Botschaft will der türkische Autokrat durch die Revolver – eingraviert mit Namen der Beschenkten – verbreiten? Die Kunst des diplomatischen Schenkens steckt stets voller Tücken. Erdogan weiss das genauso wie alle anderen Staatenlenker, die quer durch die Geschichte von sich reden liessen, ob durch Kamele, Tausendfüssler oder Bären. Vasen, Teller und Uhren sind da nichts dagegen!Der kaiserliche ElefantNatürlich waren die Herrscher auch weit vor unserer Zeit kreativ bei ihren Gaben. Der Kalif von Bagdad zum Beispiel, Harun al-Rashid sein Name, griff bereits im Jahr 802 auf – nun ja – ein Tier zurück. Damals kam das tierisch gut an. Al-Rashid schenkte Karl dem Grossen, dem damals frisch gekrönten Kaiser, einen weissen asiatischen Elefanten. Der Herrscher über das Frankenreich, so heisst es in alten Quellen, liess den Dickhäuter über das Mittelmeer bringen und über die Alpen treiben. Er nahm das Tier als Statussymbol auf seine kaiserlichen Reisen mit – bis Abul Abbas, so hiess des Kaisers mächtiger Begleiter, acht Jahre später im feuchten Klima des Rheins an einer Lungenentzündung verendete.Eine Tonne ButterImponiergehabe war auch August dem Starken, im Jahr 1730 Kurfürst von Sachsen und König von Polen, nicht fremd. Er schenkte Friedrich Wilhelm I., dem preussischen «Soldatenkönig», einen tonnenschweren Riesenstollen. Laut Überlieferung wurden dafür etwa 700 Kilogramm Mehl, knapp 5000 Eier, 326 Kannen Milch, eine Tonne Butter und eine halbe Tonne Hefe verwendet. Der Stollen wurde direkt auf den Feldern bei Zeithain und Radewitz verspeist. Die preussischen Soldaten waren gut gesättigt, und der «Soldatenkönig» dürfte zufrieden gewesen sein. Wie auch der sächsische August.Das Weisse Haus und die KrokodileDamit erst einmal genug von den historischen Gaben. Die Geschenke der vergangenen Jahrzehnte haben es ebenfalls in sich. Zum Beispiel ein Bulle, 1995 lebend an Queen Elizabeth bei ihrem Staatsbesuch in Südafrika verschenkt. Im Volk der Zulu steht das Tier für Respekt. Nach traditioneller Sitte hätte die Empfängerin das Tier symbolisch zu Boden ringen und schlachten müssen. Die Queen, ein Profi in Sachen Staatsgeschenke, hielt selbstredend Abstand und überliess den Bullen den Zulu. Immerhin war es kein lebendes Reptil.Eine Legende, die sich in den USA hartnäckig hält, besagt, dass John Quincy Adams, von 1825 bis 1829 amerikanischer Präsident, vom damaligen französischen Generalkonsul Marquis de Lafayette einen Alligator bekommen hat. Das Tier soll gar in der Präsidentenbadewanne des Weissen Hauses gelebt haben. Eine hübsche Erzählung eigentlich. Doch dieser Mythos, so heisst es von den Historikern der American Historical Society, ist längst widerlegt.Gut belegt aber ist die Geschichte, als Barack Obama in seiner Funktion als amerikanischer Präsident im November 2011 Australien besuchte. Die Regionalregierung des Northern Territory schenkte dem Gast eine Versicherungspolice gegen Krokodilangriffe. Immerhin leben in diesem australischen Bundesterritorium schätzungsweise an die 100 000 Krokodile in freier Wildbahn. Wäre der damals mächtigste Mann der Welt von einer Echse attackiert worden, hätte seine Frau Michelle 50 000 australische Dollar bekommen. Obama nahm es offenbar mit Humor: «Ich muss zugeben, dass beim Gesetzgebungsverfahren im US-Kongress Krokodilbisse bisher sträflich vernachlässigt wurden.»Die «Panda-Diplomatie» beginntTiere und amerikanische Präsidenten sind ohnehin eine Erzählung für sich. Richard Nixon – nein, die Krokodile sind auserzählt – hatte sich 1972 nach Peking aufgemacht. Ein historischer Schritt. Der chinesische Oberkommunist Mao Zedong liess den Gast nicht unbeschenkt heimfahren. Zwei Pandabären kamen hinterher: Hsing-Hsing und Ling-Ling, die im Washingtoner Zoo schliesslich zu Publikumsmagneten wurden. Die «Panda-Diplomatie» war geboren. Wer sich politisch wohl verhält – was Wohlverhalten bedeutet, bestimmt natürlich Peking –, der bekommt die flauschigen Tierchen geschenkt, pardon, verliehen. Die Empfängerstaaten zahlen bis zu einer Million Dollar «Miete» pro Jahr und Tier. Jeder im Ausland geborene Panda-Nachwuchs bleibt chinesisches Eigentum. Die Jungtiere müssen im Alter von zwei bis vier Jahren nach China «zurückkehren».Medwedew und die Bären von BernMit Bären kennt sich auch Russland aus. Es hatte gar einen Präsidenten, der den Bären bereits in seinem Nachnamen trug: Dmitri Medwedew, Nachfolger und Vorgänger des jetzigen Präsidenten Wladimir Putin, liess bei seinem Staatsbesuch in der Schweiz im Jahr 2009 zwei Braunbären nach Bern transportieren. «Medwed» bedeutet Bär auf Russisch, «Mischa» – wie das mitgebrachte männliche Tier schliesslich getauft wurde – heisst in der russischen Kindersprache ebenfalls Bär. Mischa und seine tierische Gefährtin Mascha wurden zu Publikumslieblingen in Bern.Mischa und Mascha, die beiden Braunbären, liess 2009 der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew («Medwed» heisst Bär auf Russisch) der Stadt Bern schenken.Stadt Bern via KeystonePutin derweil kam bei seinen Geschenken oft auf den Hund. Er verschenkte sie, wie 2012 einen Terrier an den damaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Er bekam aber auch welche: einen Akita, den japanischen Spitz, vom damaligen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe (2012), einen Alabai, diesen zentralasiatischen Schäferhund, vom damaligen turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow (2017), einen Sarplaninac, auch Jugoslawischer Hirtenhund genannt, vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic (2019).Putin setzt Hunde auch gern ein, um bei seinen Gesprächspartnern Furcht auszulösen. Im Januar 2007 brachte er zum Fototermin mit der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Putin in Sotschi am Schwarzen Meer eine Aufwartung machte, seinen schwarzen Labrador Koni mit – im Wissen darum, dass Merkel eine Hundephobie hat. Eine entspannte Atmosphäre sieht anders aus.Zu seinem Treffen mit Wladimir Putin brachte der einstige turkmenische Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow 2017 einen kleinen Alabai mit. Die zentralasiatischen Schäferhunde werden bis zu 70 Kilogramm schwer.Maxim Shemetov / ReutersVon Kalaschnikows und KartoffelnAndere erfreut Putin dagegen schon einmal mit einer Kalaschnikow. Ein solches Exemplar schenkte er bei seinem Staatsbesuch in Kairo 2015 dem damaligen ägyptischen Präsidenten Abdelfatah al-Sisi. Selbst musste sich Putin 2018 öffentlichkeitswirksam über vier Säcke Kartoffeln freuen. Sein weissrussischer Amtskollege Alexander Lukaschenko, ein ständiger Gast im Kreml, brachte sie ihm zum Neujahrstreffen mit. Russland – aber auch Weissrussland – hatte zu dem Zeitpunkt eine «Kartoffelkrise» zu bewältigen. Missernten und Frost hatten dazu geführt und für Unmut im Volk über die hohen Preise gesorgt. Mit Unmut kann der Kreml stets wenig anfangen.Dafür sorgte der einstige französische Präsident François Hollande für einen reichlich gedeckten Tisch bei einer malischen Familie. Ungewollt. Denn als Dank für den französischen Militäreinsatz in Timbuktu im Jahr 2013 hatte die Regierung Malis Hollande ein junges Kamel überlassen. In den Élysée-Palast wollte der Präsident das ungewöhnliche Präsent nicht mitnehmen. Also übergab er es einer malischen Familie. Sie hatte aber wohl etwas missverstanden – und schlachtete das Tier. Aus dem Kamel wurde ein Kamelragout. Bon appétit!Passend zum Artikel
Erdogan verschenkt Revolver, Putin ein Gewehr: Kuriositäten der diplomatischen Gaben
Der türkische Präsident Erdogan hat auf dem Nato-Gipfel in Ankara allen Staatsgästen Revolver geschenkt. Aussergewöhnlich? Ach was, die Staatslenker dieser Welt lassen sich so einiges einfallen, wenn es ums Schenken geht. Ein Blick auf die kuriosen Gaben.










