Ein schlecht ausgefallener Test eines neuen Medikaments hat 22 Milliarden Pfund (fast 26 Milliarden Euro) Börsenwert von Astra-Zeneca vernichtet. Die Aktie des Pharmakonzerns fiel am Donnerstagvormittag um bis zu zehn Prozent an Wert. Auslöser des Kursrutsches war eine Meldung über enttäuschende Resultate in klinischen Tests für das Herzmedikament Eplontersen (Handelsname Wainua), das der britisch-schwedische Konzern zusammen mit dem US-Konzern Ionis entwickelt hat.Das Medikament habe „keinen statistisch signifikanten Nutzen“ zur Senkung der Zahl der kardiovaskulär bedingten Todesfälle gebracht, wenn es ergänzend zur bestehenden Standardtherapie für Patienten eingesetzt wurde, teilte der Konzern mit. Im Klartext heißt dies: Das neue Medikament, auf das Astra-Zeneca große Hoffnungen gesetzt hat, ist für diesen Behandlungszweck unwirksam.Für den Pharmakonzern mit Hauptsitz in Cambridge bedeutet dies einen herben Rückschlag, der an der Börse für Entsetzen sorgte. Das Medikament hätte ein neuer Milliarden-Umsatzbringer werden sollen. Laut Astra-Zeneca leiden weltweit etwa 300.000 bis 500.000 Menschen an der schweren Herzerkrankung (Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie), gegen die Wainua vermeintlich helfen sollte. Das Medikament ist für die Therapie einer seltenen erblichen Nervenstörung schon in zwanzig Ländern zugelassen und brachte zuletzt mehr als 200 Millionen Dollar Umsatz. Doch wegen des fehlenden Nutzens als Herzmedikament werden jetzt wohl mehr als zwei Milliarden Pfund erhoffte Umsätze entfallen.„Glaubwürdigkeit beschädigt“Analysten der US-Investmentbank Jefferies erklärten, das „überraschende Scheitern“ des Wainua-Tests gefährde zwar nicht Astra-Zenecas ehrgeiziges Umsatzziel von 80 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2030. Im vergangenen Jahr erreichte der Umsatz knapp 59 Milliarden Dollar. Der gescheiterte Test bedeute aber für die Unternehmensleitung einen Glaubwürdigkeitsverlust, schrieb Jefferies. Sie habe sich zuvor absolut zuversichtlich gezeigt, dass der klinische Test von Wainua erfolgreich verlaufen werde.Die für Biopharma-Forschung zuständige Vizepräsidentin Sharon Barr sagte am Donnerstag: Auch wenn der Test „sein primäres Ziel nicht erreicht“ habe, helfe er der Wissenschaft für Behandlungsmethoden von Hunderttausenden Menschen mit der oft tödlichen Herzkrankheit. An dem Test hatten 1200 Patienten teilgenommen.Nach dem Kurseinbruch liegt der Wert der Aktie jetzt um fünf Prozent im Minus im Vergleich zum Jahresanfang. Auf zwölf Monate gesehen, hat der Pharmakonzern seinen Börsenwert aber noch um fast 25 Prozent verbessert. Mit 220 Milliarden Pfund (rund 260 Milliarden Euro) ist er das zweitwertvollste Unternehmen an der Londoner Börse. In den vergangenen fünf Jahren hat der von Pascal Soriot geführte Konzern um rund 50 Prozent zugelegt, innerhalb von zehn Jahren seinen Börsenwert sogar mehr als verdreifacht. Soriot ist einer der am längsten aktiven und zudem bestbezahlten Vorstandschefs unter den britischen FTSE-100-Konzernen.Die Schwerpunkte des Konzerns mit gut 96.000 Mitarbeitern liegen in Medikamenten gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Atemwegserkrankungen. Den Löwenanteil – gut 44 Prozent – des Umsatzes steuerte die Sparte Onkologie (Krebstherapien) bei. Biopharmaka und Herz-Kreislauf-Medikamente machten gut 21 Prozent des Umsatzes aus. Stark wächst das Geschäft in China, wo man in Milliardenhöhe in neue Fabriken investiert. Auch in den USA baut Astra-Zeneca neue Fabriken.Starke Zuwächse besonders mit KrebsmedikamentenEnde Juli legt der Konzern die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vor. Analysten sind optimistisch. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um 13 Prozent zum Vorjahr (währungsbereinigt: acht Prozent). Der Umsatz von gut 15 Milliarden Dollar übertraf die Markterwartungen. Besonders stark wuchs die Sparte Onkologie (plus 20 Prozent), wobei die Umsätze mit den Blutkrebsmedikamenten Calquence und Enhertu herausragten, während das Lungenkrebsmedikament Tagrisso schwächer zulegte. Die Herzkreislaufsparte stagnierte im ersten Quartal. Starkes Wachstum erzielt Astra-Zeneca auch mit seiner Sparte Seltene Erkrankungen. Diese hat es mit der Übernahme des US-Biotechkonzerns Alexion Pharmaceuticals gestärkt.Für das Gesamtjahr prognostizierte Vorstandschef Soriot bislang ein währungsbereinigtes Wachstum des Konzernerlöses „im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich“. Das entspricht etwa sieben bis neun Prozent. Der Umsatz würde damit auf 63,2 Milliarden Dollar steigen. Die operative Gewinnmarge lag 2025 bei mehr als 30 Prozent.Analysten der DZ Bank halten das Unternehmen weiterhin für eine Kaufempfehlung, vor allem wegen der gut gefüllten Pipeline an neuen Medikamenten. Wainua ist nur eines von mehr als hundert Projekten, die gegenwärtig in Phase-2- oder Phase-3-Tests erprobt werden.
AstraZeneca: Gescheiterter Herzmedikamenten-Test belastet
Fast 26 Milliarden Euro Börsenwert gehen verloren, nachdem ein Test ergeben hat, dass ein neues Herzmedikament praktisch wirkungslos ist. Doch trotz des Rückschlags bleibt Astra-Zeneca auf starkem Wachstumskurs.










