Startseite

Finanzen

Geldpolitik

EZB: Notenbank lässt weiteren Zinspfad im Euro-Raum bewusst offen Die Euro-Notenbank bekräftigt in ihrem jüngsten Protokoll den Verzicht auf „Forward Guidance“. Experten gehen aber davon aus, dass die im Juni vollzogene Zinserhöhung kein Einzelfall bleibt.

09.07.2026 - 15:20 Uhr Artikel anhörenEZB in Frankfurt: Die Euro-Notenbank hatte den Einlagenzins zuletzt um 25 Basispunkte erhöht. Foto: dpaFrankfurt. Bei der jüngsten Zinserhöhung hat die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der fragilen Lage in Nahost den weiteren Kurs bewusst offengelassen. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der EZB-Ratssitzung vom Juni hervor. Wichtige Hinweise für die Zukunft bleiben jedoch aus.„Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit war es wichtig, von einer Orientierungshilfe zum künftigen Zinspfad abzusehen“, heißt es darin. Die Kommunikation sollte neutral gehalten werden. Damit solle weder der Eindruck erweckt werden, die aktuelle Entscheidung sei der Auftakt zu einer Reihe weiterer Zinserhöhungen, noch solle sie als einmalige Maßnahme dargestellt werden. Der Verzicht auf eine vorzeitige Festlegung sollte demnach dazu beitragen, flexibel auf unterschiedliche Szenarien zur Entwicklung des vom Nahost-Konflikt ausgehenden Energiepreisschocks zu reagieren.Auf der Suche nach Signalen zum weiteren Zinskurs werden Investoren in den Protokollen also nicht fündig. „Insgesamt lieferte das Protokoll zahlreiche Argumente für die Zinserhöhung im Juni, gab jedoch kaum Aufschluss darüber, wie es weitergehen wird“, sagte der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski.Beim jährlichen Notenbankertreffen in Sintra in der vergangenen Woche hatte EZB-Chefin Christine Lagarde dieses Vorgehen noch einmal unterstrichen. Sie bereue, dass sich die EZB in der Vergangenheit vorab auf einen Zinspfad festgelegt hat. Die Notenbank hat von dieser Art der Geldpolitik – im Fachjargon spricht man von „Forward Guidance“ – jedoch bereits vor längerer Zeit Abstand genommen.In der derzeitigen Lage ist aus Sicht der Währungshüter anhaltende Wachsamkeit geboten. „Zudem musste berücksichtigt werden, dass weitere Zinserhöhungen bereits in das Basisszenario der Projektionen eingeflossen waren“, heißt es.Daher galt es laut den Protokollen zu vermitteln, dass der EZB-Rat entschlossen sei, mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent zu gewährleisten. Die EZB erhöhte wegen der stark gestiegenen Inflation infolge des Iran-Kriegs auf der Juni-Sitzung erstmals seit fast drei Jahren ihren Leitzins. Der Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,25 Prozent angehoben.Der vollzogene Zinsschritt sei nicht als Vorsichtsmaßnahme zu deuten, heißt es in den veröffentlichten Mitschriften. Vielmehr habe man die Zinsen aus Überzeugung über das gegenwärtige Inflationsbild erhöht. Die Entscheidung sei „tragfähig und durch eine gründliche Bewertung gestützt“. Verwandte Themen EZBIranInflationKonjunkturEuropäische UnionEZB: Wohin steuert die Inflation?Die EZB entscheidet am 23. Juli und danach am 10. September über den Leitzins. Auf der übernächsten Sitzung im September werden dann auch die aktualisierten Prognosen des EZB-Stabs vorgelegt. Die Mehrheit der Experten geht davon aus, dass die Notenbank bei der September-Sitzung eine weitere Zinserhöhung folgen lässt.Die Inflation im Euro-Raum hatte im Juni an Kraft verloren: Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Zuge des Ölpreisrückgangs um durchschnittlich 2,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im Mai. Wie sich die Preisentwicklung im Juli gestaltet, ist jedoch offen – nicht zuletzt wegen der neu aufgeflammten Kämpfe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, die den Ölpreis wieder steigen ließen. rtr, les Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt