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Immobilien: „Deutliche Zuwächse“ – wo sich Kaufen in Frankfurt jetzt lohnt Die Preise in der Mainmetropole sind weiter gestiegen. Welche Viertel bei Käufern besonders gefragt sind und welchen Stadtteilen Experten noch Potenzial zubilligen.
Carsten Herz 09.07.2026 - 15:30 Uhr Artikel anhörenFrankfurt Westend: Die Immobilienpreise steigen wieder. Foto: Picture Alliance [M]Die Kaufentscheidung dürfte Sommerkamp auch finanziell nicht bereuen. In kaum einer anderen Stadt unter den großen sieben deutschen Metropolen sind die Kaufpreise im ersten Quartal dieses Jahres so stark gestiegen wie in Frankfurt am Main.Die Bankenmetropole mit dem größten Flughafen Deutschlands zieht immer noch neue Einwohner an – was sich an den Kaufpreisen bemerkbar macht. Die Zeiten, in denen ein Immobilienkauf allerdings blind deutliche Wertsteigerungen versprach, sind nach Meinung von Experten vorerst vorbei.Für Interessenten erschwert dies die Wohnungssuche: Wo liegen jetzt die Viertel, die am ehesten Wertzuwächse versprechen? Auf der Grundlage von exklusiven Daten von vdp Research, einer Tochter des Verbands der Deutschen Pfandbriefbanken (vdp), sowie Gesprächen mit Fachleuten, gibt das Handelsblatt einen Überblick über die aktuelle Lage am Immobilienmarkt in der Mainmetropole.Wie entwickeln sich die Preise?Die Preise für Wohnimmobilien in der Bankenstadt steigen – nach einem Rückgang in den Vorjahren – inzwischen wieder. Nach den Daten von vdp Research zogen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent an, Eigentumswohnungen verteuerten sich um 0,6 Prozent.Experten großer Maklerhäuser gehen davon aus, dass der Aufwärtstrend so schnell kein Ende finden wird. „Der Frankfurter Immobilienmarkt wird in den kommenden zwölf Monaten insgesamt stabil bleiben mit leichtem Preisanstieg“, prognostiziert Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter des Maklers Von Poll Immobilien.Frankfurter Skyline: Viele Banken haben ihre Zentrale am Main. Foto: E+/Getty Images„Die Nachfrage ist vorhanden und gut, bewegt sich aber in einem Umfeld strengerer Finanzierungsanforderungen und anhaltender Unsicherheit – unter anderem durch die höheren Zinsen und das geopolitische Umfeld.“ In guten Lagen und bei qualitativ hochwertigen Immobilien werden die Preise anziehen, während vor allem unsanierte Immobilien weiter unter Druck geraten, lautet seine Vorhersage.Auch die Experten von vdp Research, die für das Handelsblatt eine Preisprognose für die Bankenmetropole erstellt haben, erwarten grundsätzlich weiter steigende Preise. Für Zweifamilienhäuser sagen sie für 2026 ein Plus von 3,5 Prozent bis Ende des Jahres voraus. Bei Eigentumswohnungen prognostizieren sie bis Jahresende einen Zuwachs um 3,9 Prozent in der Mainmetropole.Getrieben wird das auch von der Aussicht, dass es für Mieter noch teurer wird: Für die Neuvertragsmieten rechnen die vdp-Experten in Frankfurt mit einem Plus von 4,6 Prozent bis zum Jahresende.Welche Viertel sind die wertbeständigsten?Die Bestlagen in der Metropole sind seit Jahren dieselben: Dazu zählen das Westend, das Diplomatenviertel im angrenzenden Bockenheim sowie das Maler- und das Holzhausenviertel – doch diese sind preislich auch ganz oben. „Sie stehen für zentrale Lagen, hohe Wohnqualität und ein sehr knappes Angebot“, erklärt Ritter.Ähnlich klingt es beim Rivalen Engel & Völkers: „Die ‚Blue Chips‘ Frankfurts bleiben das Westend, das Diplomatenviertel, das Nordend, das Holzhausenviertel und Sachsenhausen-Nord, die durch ihre historische Bausubstanz, die Mikrolage und die Nähe zum Zentrum besonders verlässliche Wertbeständigkeit bieten“, sagt Astrid Hilscher, Director Sales bei Engel & Völkers Frankfurt.Villa im Holzhausenviertel: Das Viertel im westlichen Nordend mit seinen klassizistischen Vorstadtanwesen gehört zu den exklusiven Stadtteilen. Foto: PRNach den Daten von vdp Research zahlen Käufer in diesen Topvierteln im ersten Quartal 2026 inzwischen Quadratmeterpreise von bis zu 9070 Euro – und damit einen kräftigen Premiumaufschlag.Zum Vergleich: Im Durchschnitt wird laut vdp Research ein Quadratmeterpreis von 6150 Euro beim Kauf einer Wohnung im Bestand aufgerufen. „Interessenten für Eigentumswohnungen suchen gern in den Cityrandlagen, wie zum Beispiel Westend, Nordend und Ostend“, erläutert Saskia Kalweit, Analystin von vdp Research.Analystin Kalweit von vdp Research: „Interessenten für Eigentumswohnungen suchen Cityrandlagen.“ Foto: vdp ResearchWelche Viertel bieten Chancen auf Preiszuwächse?Für Geldanleger sind Stadtteile mit hohem Mietwachstum interessant, die noch als bezahlbare Lagen gelten. Vdp Research macht dabei Stadtrandlagen sowie Viertel im Norden nahe der Innenstadt aus. So stiegen die Wohnungsmonatsmieten im ersten Quartal 2026 vor allem in Nied sowie in Praunheim und Hausen überdurchschnittlich.Frankfurter Stadtteil Praunheim: Reihenhäuser der Ernst-May-Siedlung. Foto: Carsten Herz„Wer nach einem Haus Ausschau hält, schaut sich vor allem in der nordwestlichen und nordöstlichen Stadtperipherie um“, sagt Kalweit. Besonders interessant seien die Stadtteile Praunheim, Heddernheim, Niederursel, Seckbach und Bergen-Enkheim. Als beliebter, aber höherpreisiger Hotspot in Frankfurt gelte Sachsenhausen-Süd, sagt sie.Südufer des Mains: Das Flussufer auf der Seite des Stadtteils Sachsenhausen in Frankfurt ist vor allem im Sommer beliebt. Foto: dpaTrendviertel für Eigentumswohnungen sind nach Aussage von Kalweit dagegen Ober- und Niederrad sowie Sachsenhausen. Beliebt im westlichen Stadtgebiet seien außerdem Griesheim, Nied und Unterliederbach, sagt sie. Aber auch am nördlichen Stadtrand sind nach ihrer Einschätzung die Ortsteile Kalbach-Riedberg und Nieder-Eschbach mit ihren städtebaulichen Entwicklungsgebieten attraktiv.Deutliche Preiszuwächse seien perspektivisch eher in den Randgebieten Frankfurts mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu erwarten, sagt Engel & Völkers-Managerin Hilscher. Hierher weichen ihrer Einschätzung nach oft junge Familien und Paare aus, die aufgrund der Zinsentwicklung die Preise in den zentralen Lagen nicht mehr finanzieren können.Director Sales Hilscher bei Engel & Völkers in Frankfurt: Deutliche Preiszuwächse sind in Randgebieten mit guter Anbindung zu erwarten. Foto: Engel & Völkers„Ein Hidden Champion ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel Höchst“, sagt die Expertin. Auch Griesheim werde häufig unterschätzt. Moderate Wertsteigerungen seien noch im Ostend, aber auch in familienfreundlichen, citynahen Lagen wie Eschersheim möglich, ergänzt sie.„Neben den etablierten Bestlagen gewinnen vor allem Quartiere an Dynamik, die sich durch neue Projekte und bessere Infrastruktur entwickeln“, sagt Von-Poll-Chef Ritter. Dazu zählen seiner Meinung nach aktuell das Europaviertel, das Ostend, der Riedberg und der Bereich am Kaiserlei im nahegelegenen Offenbach.Stadtteil Riedberg: Das Viertel im Nordwesten war eines der größten Neubauprojekte der letzten Jahrzehnte in Frankfurt. Foto: picture alliance / ZB/euroluftbild.deEntscheidend sei jedoch dabei weniger der ganze Stadtteil als die spezifische unmittelbare Umgebung – denn dort entstünden die eigentlichen Wertzuwächse, erklärt er. „Gerade in frühen Entwicklungsphasen lassen sich hier noch vergleichsweise attraktive Einstiegsmöglichkeiten finden“, lautet Ritters Rat.Wo sind interessante Projekte in Planung?Trotz einer insgesamt sehr verhaltenen Neubautätigkeit gibt es in Frankfurt einige große Projekte. Dazu gehören nach Worten von Ritter die Hellerhöfe im Gallus auf dem ehemaligen Standort der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, das Hafenpark-Quartier im Ostend sowie das neu entstehende Wohn- und Geschäftsviertel am Kaiserlei, das Kaiserviertel.Hellerhöfe im Frankfurter Stadtteil Gallus: Dort entstehen mehr als 500 neue Mietswohnungen. Foto: Architektur: kbnk Architekten GmbH; Visualisierung: bloomimages GmbHAuch das Hilgenfeld im nördlichen Stadtteil Frankfurter Berg sei für Frankfurt ein zentraler Baustein für die zukünftige Stadtentwicklung, sagt der Immobilienmakler. „Gleichzeitig gilt: Neue Projekte kommen nur zögerlich auf den Markt, das Angebot bleibt daher auf absehbare Zeit knapp“, betont er. „Das verstärkt den Druck auf bestehende Wohnlagen zusätzlich.“Besonders interessant findet Engel & Völkers-Managerin Hilscher im Nordwesten Frankfurts das Projekt „Stadtteil der Quartiere“ im Nordwesten der Stadt. Es stecke noch in der frühen Planungsphase, könnte aber eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands werden, sagt sie.Ideenskizze für einen Stadtteil der Quartiere in Frankfurt: Offizielle Bilder des geplanten neuen Viertels im Norden der Metropole gibt es noch nicht. Foto: bb22 Architekten„Diskutiert werden neue Wohngebiete, Schulen, ÖPNV-Anbindung und Grünachsen“, führt sie aus. Im Stadtgebiet werde mit Spannung der Kulturcampus Frankfurt erwartet, sagt sie: „Das ehemalige Uni-Gelände in Bockenheim wird langfristig zu einem gemischten Kultur- und Wohnquartier umgebaut.“Was raten Experten Geldanlegern jetzt?„Für gute Renditen macht es in Frankfurt durchaus Sinn, den Suchradius größer zu ziehen“, empfiehlt Hilscher. Randlagen mit guter ÖPVN-Anbindung an die Frankfurter City und mit hohem Freizeitwert böten durchaus interessantes Entwicklungs- und Wertsteigerungspotenzial. „Attraktive Einstiegspreise finden sich auch im südlichen Umland von Frankfurt, wo wir aufgrund der interessanten Preisstruktur eine verstärkte Nachfrage feststellen können“, sagt die Expertin.Von-Poll-Gesellschafter Ritter: Der Immobilienprofi zählt zu den Gründern des Maklerhauses. Foto: Von Poll Immobilien Verwandte Themen TrendviertelFrankfurter Allgemeine Zeitung„Für Kapitalanleger sind gut geschnittene Bestandswohnungen in gutem energetischen Zustand und in zentralen, gut angebundenen Lagen mit öffentlicher Verkehrsanbindung nach wie vor die sicherste Wahl“, sagt Ritter. Diese Aspekte seien entscheidend für eine nachhaltig gute Vermietbarkeit, ergänzt er.„Wir sehen im Markt ganz klar: Lage und Zustand setzen sich durch“, lautet sein Resümee. Wer auf Lage, Substanz und langfristige Perspektive achte, treffe in Frankfurt am Main weiterhin eine stabile Investitionsentscheidung, betont der Topmakler. „Kurzfristige Spekulationen spielen dabei eine immer geringere Rolle.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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