Der voraussichtlich neue britische Premierminister Andrew, genannt Andy, Burnham hat in einem Gastbeitrag in der Zeitung „Times“ beteuert, unter seiner Führung werde Großbritannien seine Verpflichtungen aus der NATO-Mitgliedschaft und sein nukleares Abschreckungspotential unverändert aufrechterhalten. Auch der Ukraine werde Großbritannien weiter nach Kräften beistehen. Burnham legte Grundsätze seiner Außenpolitik in jenem Augenblick dar, in dem am Donnerstag das formelle Verfahren zur Bestimmung eines neuen Labour-Parteivorsitzenden begann.Der bisherige Premierminister und Labour-Parteichef Keir Starmer hatte vor zweieinhalb Wochen seinen Rücktritt von beiden Ämtern angekündigt, sobald ein Nachfolger gefunden sei. Die Satzung der Labourpartei bestimmt, dass Kandidaten für den Parteivorsitz von mindestens einem Fünftel der Mitglieder der Labour-Unterhausfraktion unterstützt werden müssen. Die offizielle Nominierungsfrist begann am Freitag, sie endet am Mittwoch nächster Woche. Burnham verfügt über den notwendigen Rückhalt von mindestens 75 Fraktionsmitgliedern, weitere Kandidaturen sind bislang nicht erklärt worden.Alistair, genannt Al, Carns, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, hatte sich eine eigene Kandidatur lange offengehalten. Carns gab jedoch kurz vor Beginn der Nominierungsfrist bekannt, dass er sich nicht um den Parteivorsitz bewerben werde. Er habe nach einem langen Gespräch mit Burnham den Eindruck, dass dieser „die richtigen Entscheidungen treffen“ und „das Land voranbringen“ werde. Carns sagte zudem, eine Kampfkandidatur um den Vorsitz sei „nicht die beste Art und Weise“, Labours Regierungszeit zu nutzen, alle müssten sich jetzt hinter Burnham versammeln.Schon Zugang zu RegierungsinternaDas Team von Burnham hat schon seit mehr als einer Woche Zugang zu Regierungsinterna und wird von den Spitzenbeamten der Regierungszentrale in der Downing Street 10 und den Ministerien mit den wichtigsten Angelegenheiten vertraut gemacht.In dem Gastbeitrag verspricht Burnham auch weitere Ausgaben für die militärische Rüstung in Großbritannien. Die ungenügende Investitionsplanung für militärische Beschaffung hatte vor einem Monat zu den Rücktritten von Verteidigungsminister John Healey und auch von Al Carns geführt – zwei der letzten Protestakte gegen Starmer, die schließlich zu dessen Rücktrittsankündigung führten.Burnham kündigte keine bestimmte Investitionssumme an, sondern beteuerte lediglich, dass seine Regierung nicht nur beschaffen werde, was die Streitkräfte benötigten, sondern auch darauf achten wolle, dass mit den Mitteln wirtschaftliches Wachstum und neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich geschaffen würden.Regierungswechsel am 20. Juli möglichGleichzeitig soll aber nach Burnhams Willen die europäische Rüstungskooperation vertieft werden. Der voraussichtlich einzige Kandidat für die Nachfolge Starmers gab an, er wolle alle Hindernisse beseitigen, die dem entgegenstünden; er wolle zudem den europäischen Pfeiler der NATO stärken und eine „noch engere Zusammenarbeit“ mit den Ländern Europas, etwa auch im Kooperationsformat „E3“, in dem sich Großbritannien, Deutschland und Frankreich abstimmen.Falls bis zum Ende der Nominierungsfrist kein weiterer Bewerber für den Vorsitz der Labour-Partei seine Kandidatur anmeldet und die Unterstützung von mindestens 75 Abgeordneten vorweist, wird Burnham am kommenden Freitag von seiner Unterhausfraktion offiziell ins Amt des Parteichefs gewählt. Die Übergabe des Premierministeramts, die formell von König Charles III. vollzogen wird, ist für den 20. Juli, den folgenden Montag, vorgesehen. Anschließend muss Burnham sogleich die Mitglieder seiner Regierung bekannt geben. Am 22. Juli wird das Parlament in die Sommerpause entlassen.