Die ersten Brücken waren ganz einfach: ein paar Felsen im Wasser, über die man einen Fluss überqueren konnte. Oder ein Baumstamm über der Senke zum Drüberbalancieren. Brücken von heute dagegen sind teilweise Bauwerke mit erstaunlichen Maßen. Die längste ist ein chinesischer Viadukt aus der Kategorie Eisenbahnbrücke. Über 164,8 Kilometer führt sie von Shanghai nach Nanjing. Beeindruckend.Aber wahr ist auch, dass Brücken traditionell nicht viel mehr leisten, als eine Seite mit der anderen zu verbinden. Sie sind ein Stück Weg über der Landschaft. Man betritt sie, um sie gleich wieder zu verlassen. Nur wenige Unikate wie die Karlsbrücke in Prag haben sich im Laufe der Zeit als Treffpunkt mit Aussicht bewährt.Die Brücke als Ziel, nicht als Weg – wie revolutionärGenau deshalb war es an der Zeit, dass eine mutige Verwaltung wie die der indonesischen Hauptstadt Jakarta die Brücke neu erfindet. Laut der Jakarta Post will sie nämlich am Fluss Cideng Brücken bauen lassen, die im Alltag niemand braucht. Als „romantischer öffentlicher Raum“ sollen sie dienen. Paare sollen dort verliebt aufs Wasser schauen und ein Liebesschloss anbringen können.Die Brücke als Ziel, nicht als Weg: Das verändert das Bild der klassischen Überführung. Dass die Idee revolutionär ist, sieht man schon am Widerstand von Einwohnern und Experten: Eine Zierbrücke bringe nichts und koste Geld, das man für wichtige Infrastrukturprojekte brauche – zum Beispiel für Brücken. Da sieht man mal wieder, wie eingefahren die Rollenbilder auch im Bauwesen sind. Als könnten Brücken nicht das Gleiche leisten wie Plätze oder Plattformen. Jakartas Regierung wird kämpfen müssen für die Freiheit der Brücke, auch mal keine Brücke zu sein.Weitere Folgen der Kolumne „Bester Dinge“ lesen Sie hier.