Gewalt im öffentlichen Verkehr: Bund prüft Einsatz von Tasern und BodycamsUm die zunehmenden Attacken in Bahn und Bus in den Griff zu bekommen, planen Politik und Transportunternehmen neue Massnahmen.09.07.2026, 14.13 Uhr3 LeseminutenDie Angehörigen der Transportpolizei könnten in Zukunft mit Tasern ausgerüstet werden.Michael Buholzer / KeystoneGewalt gegen Zug- und Buspersonal erschüttert immer wieder die Öffentlichkeit. So wurde beispielsweise im Februar dieses Jahres ein 36-jähriger Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer so schwer verprügelt, dass er wenig später verstarb. Am Donnerstag hat das Landgericht Zweibrücken den 26-jährigen Angreifer zu zehn Jahren Haft verurteilt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nur wenige Wochen vor der tödlichen Attacke kam es im Januar 2026 in der Schweiz zu einem sehr schweren Zwischenfall. In einem Interregio von Luzern nach Basel schlug ein Passagier einen SBB-Mitarbeiter so heftig nieder, dass dieser mit schweren Kopfverletzungen bewusstlos liegen blieb. Einige Tage später konnte die Polizei einen Tatverdächtigen festnehmen.Bessere Ausrüstung für die TransportpolizeiSolche Fälle beherrschen für kurze Zeit die Schlagzeilen, bevor das Thema wieder in der Versenkung verschwindet. Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) steht die Gewalt gegen das Personal hingegen seit Jahren ganz oben auf der Sorgenliste. Auch die Politik hat sich eingeschaltet. So fordert der Tessiner SVP-Nationalrat Piero Marchesi einen nationalen Aktionsplan, um die Sicherheit in den Zügen nachhaltig zu erhöhen.Am Mittwoch wurde nun der erste Schritt zu einer umfassenden Lösung gemacht. Auf Einladung des Bundesamts für Verkehr (BAV) kamen in Bern erstmals Vertreter von Transportunternehmen, Transportpolizei, Kantons- und Bundesbehörden sowie Sozialpartnern zusammen. Wie das BAV in einer Medienmitteilung schreibt, wurden noch keine Entscheidungen getroffen.Beim Thema bessere Ausrüstung für Personal und Bahnpolizei wird der Bund konkret tätig. Das Bundesamt für Verkehr erarbeitet Anpassungen der Regelwerke für den Einsatz von Bodycams sowie für die Zulassung von Tasern durch die Transportpolizei. Diese sorgt in Bahnhöfen und in öffentlichen Transportmitteln für Sicherheit. Ausserdem soll die Video-Echtzeitüberwachung in Bahnen und Bussen auf eine neue Grundlage gestellt werden.Vor allem der Einsatz von Tasern, die im Fachjargon als «Destabilisierungsgeräte» bezeichnet werden, dürfte für Gesprächsstoff sorgen. Bislang stehen der Transportpolizei Fesselungsmittel, Pfefferspray, Diensthunde, Schlagstöcke und Feuerwaffen zur Verfügung, jedoch keine Elektroschockwaffen. Dabei kommen Taser in verschiedenen kantonalen Polizeikorps bereits seit 2008 zum Einsatz. Nun zieht der Bund nach und setzt einen Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2024 um, der den Weg für Taser im öffentlichen Verkehr freimacht.Matthias Hartwich, der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, begrüsst, dass eine Arbeitsgruppe von Experten nun die Zulassung von Tasern diskutiert. Er verweist auf die Vorteile gegenüber Pfefferspray. «Statt in einem Abteil eine ganze Personengruppe einzunebeln, kann die Transportpolizei damit gezielt den Aggressor ausschalten.» Auf entschiedene Kritik stösst die Absicht hingegen bei Amnesty International. Ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation sagte gegenüber SRF warnend, solche Taser seien für den täglichen Einsatz ungeeignet und gehörten ausschliesslich in die Hände von Spezialeinheiten.Passagiere sollen bei Attacken eingreifenMit dem runden Tisch sei ein Anfang gemacht, sagt Hartwich. Der SEV-Präsident hofft, dass nachhaltige Lösungen gefunden werden, die für alle Angestellten des öffentlichen Verkehrs sowie die Kunden mehr Sicherheit bringen. «Wichtig wäre zum Beispiel eine gesamtschweizerisch einheitliche Statistik», sagt Hartwich. Bisher erfassten die Transportunternehmen gewalttätige Attacken nach unterschiedlichen Kriterien. «Wir wissen also gar nicht, wie stark die Vorfälle zugenommen haben.»Bereits zum dritten Mal führt der SEV am 3. September einen nationalen Aktionstag gegen Gewalt und für mehr Respekt gegenüber dem ÖV-Personal durch. Mit Flugblättern wendet sich die Gewerkschaft direkt an die Fahrgäste: «Wir rufen die Passagiere dazu auf, gewalttätige Vorfälle zu melden und dem Personal bei Attacken beizustehen – natürlich ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.»Passend zum Artikel