Als noch die Rede davon war, dass der unmöglich nachzusingende Song „Gut genug“ zur WM-Hymne werden könnte, zur inoffiziellen Nationalhymne der Deutschen in diesem Fußballsommer, hätte man mit viel Wohlwollen zumindest behaupten können, dass die Botschaft (Du bist gut genug) angemessen war. Für dieses Land im Jahr 2026. Für den Fußball ergibt sie ja gar keinen Sinn, gut genug gibt es da nicht, nur besser, also siegreich.Hätten die Jungs aus der Nationalelf von Kap Verde als Kinder nicht tagein, tagaus in den Hinterhöfen von Mindelo Bälle gegen Steinwände geknallt, mit dem erklärten Ziel, irgendwann zu den besten der Welt zu gehören, sie wären vielleicht gut genug für den Kader geworden, hätten aber nie ein mexikanisches Stadion zu Gesicht bekommen und nie erlebt, wie es sich anfühlt, den Argentiniern, den Göttern des Fußballs, eine Heidenangst einzujagen.Ein Song zum Jahr der UnsportlichkeitMal ganz abgesehen davon, dass Shirin David, die den Song mit den Produzenten Kitschkrieg und der Band Blumengarten aufgenommen hatte, mit „Gut genug“ meint, nach dem Heulen aus dem Bett zu steigen und seinen „Swag“ aufzudrehen. Was für ihre Verhältnisse geradezu gesellschaftskritisch klingt, aber die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen dann doch nicht so recht trifft.Alle waren also weiter auf der Suche nach dem idealen Sommer-WM-Song. Die Herzen sind immer noch lauwarm von der Erinnerung an „Waka Waka“ und „Zeit, dass sich was dreht“. Aber was passt am besten zu einem Jahr der Unsportlichkeit, in dem ein Präsident per Anruf eine rote Karte zurückholt und rassistische Beleidigungen weit über den Platz hinausschießen, in dem homophobe Sprechchöre und die lärmende nächtliche Belagerung von Hotels, in denen Fußballer schlafen wollen, gebilligt wird?Es war also wirklich Zeit, dass etwas kam, was die Herzen erwärmte. Die Rapperin Ikkimel gab ihr Bestes im ZDF-Fernsehgarten, als sie im Minirock zu wächsernen Statuen erstarrte Fußballfans antanzte und „Bierbauch, Bratwurst, lecker-schmecker“ rief. Das fand leider niemand lustig im Studio, und im Internet war dann alles gleich wieder politisch.Da trat Kygo auf den Plan, bürgerlich Kyrre Gørvell-Dahll: guter, erfolgreicher, allenfalls etwas gefälliger DJ, der Songs von Selena Gomez und Ed Sheeran geremixt hat. Bei seinen Songs denkt man immer an gerechte Sandstrände, auf denen schöne Menschen wie er in weißen Hemden barfuß Muscheln sammeln.
Erling Haalands „Kygo jo“: Ein Song, der die Massen beglückt
Was hat Fußball mit Rap zu tun? Es geht um jede Menge Geld. Das wusste der Fußballer Erling Haaland schon als Fünfzehnjähriger. Jetzt beglückt sein damals aufgenommener Song die Massen.












