Ab den siebziger Jahren begeisterte Bonnie Tyler ihr Publikum mit rauchiger Stimme und Powerballaden. Die Sängerin aus Wales lebte ab den achtziger Jahren in Portugal, wo sie am Donnerstag 75-jährig gestorben ist.Marion Löhndorf09.07.2026, 12.12 Uhr4 LeseminutenAktualisiertBonnie Tyler bei der Probe vor ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest in Schweden im Jahr 2013.Alastair Grant / APDie Rocksängerin mit charakteristischer Mähne und rauer Stimme gehörte zu den Stars der siebziger und achtziger Jahre. Aber auch in den nachfolgenden Dekaden trat sie noch regelmässig auf. Ihre Karriere endete erst mit ihrer schweren Erkrankung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Mai 2026 hatte sie eine Tournee mit rund dreissig Auftritten antreten wollen. Als letzte Station war Cardiff in ihrer walisischen Heimat geplant. Dann aber wurde sie wegen einer Darmerkrankung im portugiesischen Faro notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt. In der Nacht auf Donnerstag ist sie ihrem Leiden erlegen.Liebeskummer und HerzschmerzIn von Rock, Country und Blues beeinflussten Schlagern besang Bonnie Tyler Liebeskummer und Herzschmerz und hatte damit grossen Erfolg. «Lost in France» (1977) war ein erster Hit , Powerballaden wie «It’s a Heartache» (1977) und «Total Eclipse of the Heart» (1983) erwiesen sich später als enorm langlebig. «Total Eclipse of the Heart» wurde auf Spotify bis 2026 über eine Milliarde Mal geklickt. «It’s a fool’s game / Nothing but a fool’s game» sang sie in diesem zum Lied geronnenen Seufzer, das von einem Mann handelt, der sie im Regen stehen liess – «like a clown».Mit ihrer rauchigen Stimme grundierte sie den Kummer, aber sie jammerte nicht. Stattdessen gab sie dem falschen Liebhaber eine Portion Zorn und Verachtung mit auf den Weg. Bald würde sie Herzschmerz und Demütigung hinter sich lassen.Was Bonnie Tylers Stücke so besonders machte, war ihr Timbre, das auf eine operative Entfernung von Stimmbandknötchen zurückzuführen war. Man riet ihr zwar, nach der Operation sechs Wochen lang nicht zu sprechen – aber: «Das fiel mir sehr schwer, weil ich eine ziemliche Quasselstrippe bin», erklärte sie später selbst. Einmal war sie so frustriert, dass sie schrie. In der Folge veränderte sich ihre Stimme dauerhaft. Den Schöpfungsmythos ihrer Reibeisenstimme erzählte sie gern. Tatsächlich wurde der Sound ihrer beeinträchtigten Stimmbänder zu ihrem Markenzeichen. Danach hob ihre Karriere erst richtig ab.Mit «Total Eclipse of the Heart», ihrem grössten Hit, ging sie mit grossem Pathos aufs Ganze. Tyler hatte Meat Loafs Songschreiber Jim Steinman gebeten, ein Stück für sie zu schreiben. Der ursprüngliche Titel lautete «Vampires in Love», weil Steinman gerade an einem Musical zu «Nosferatu» arbeitete: «Wenn man sich den Text genau anhört, klingt er wirklich wie ein Vampirdialog. Es dreht sich alles um die Dunkelheit, die Macht der Dunkelheit und den Platz der Liebe in der Dunkelheit», sagte Bonnie Tyler.Die Sängerin selbst hatte eigentlich wenig Grund zu Liebeskummer in ihrem Leben. Sie blieb mit ihrem ersten ernsthaften Freund Robert Sullivan zusammen, den sie mit 22 traf und mit 26 Jahren heiratete. «Ich bin immer noch sehr in ihn verliebt, und er in mich. Wir streiten uns nie», erklärte sie dem «Guardian» 2012 in einem Interview.Einer ihrer letzten grossen Welthits war «Holding Out for a Hero», eine bombastische Hymne, die sie ebenfalls mit Jim Steinman produziert hatte – für den Soundtrack des Films «Footloose» (1984). Dieses Mal besang sie keinen Kummer, nur die Sehnsucht nach einem Helden in ihrem Leben. Die Kritiker schwankten zwischen Begeisterung für den übertriebenen Sound und die lächerlichen Lyrics.Dass sie als Königin der Powerballaden in die Geschichte der Pop-Musik eingehen sollte, war ihr nicht in die Wiege gelegt worden. Sie wurde 1951 unter dem Namen Gaynor Hopkins in einem walisischen Dorf als eines von sieben Kindern in arme Verhältnisse hineingeboren. Der Vater war Minenarbeiter, die Mutter Hausfrau.Bonnie Tyler bei einem Konzert im Jahr 1987. Die britische Pop-Sängerin sagte von sich, sie habe ein gesegnetes Leben gehabt.ImagoDurch Glück entdecktSpäter betrachtete sie die Chance, ihre Familie finanziell zu unterstützen, als Bonus ihres Starruhms. Sie und ihr Mann investierten in ein umfangreiches Immobilienportfolio. Starruhm sei nicht ihre Triebfeder gewesen, erklärte sie. Sie hatte sieben Jahre lang gesungen, bevor sie einen Plattenvertrag bekam: «Ich habe meine Arbeit schon damals geliebt. Ich hatte einfach Glück und wurde entdeckt.»Trotz ihrem Superstarstatus war sie für ihre bodenständige Art bekannt. Sie sprach oft von ihrer «Niemals aufgeben»-Einstellung, die ihr eine treue Fangemeinde bescherte. Im Jahr 2022 wurde sie für ihre Verdienste um die Musik mit dem Titel MBE (Member of the Order of the British Empire) ausgezeichnet. Als Bonnie Tyler von der BBC einmal gefragt wurde, was sie ihrem 21-jährigen Ich mit auf den Weg geben würde, hatte sie keinen Ratschlag parat, sondern eine begeisterte Prognose: «It’s gonna be a great ride!» – das wird eine grossartige Reise. Auf die Frage, ob sie etwas bedaure, winkte sie ab: «I’ve had a blessed life and it’s been a great journey» – ich hatte ein gesegnetes Leben, und es war eine wunderbare Reise.Passend zum Artikel