Immer wieder wird über eine Reform des Föderalismus diskutiert. Bundesländer sollen zusammengelegt werden, damit das Regieren effektiver wird. Solche Vorschläge kommen gern aus Bayern, wo man kaum fürchtet, dass der Freistaat sich mit einem anderen Land vereinigen und die Staatskanzlei in München dadurch Macht verlieren würde.
Auch in der Bevölkerung und in der öffentlichen Debatte ist die föderale Struktur allerdings durchaus umstritten. Gern spricht man von einem Flickenteppich von Regelungen und Gesetzen, von Kleinstaaterei. Wer nach einem neuen Arbeitsplatz sucht oder im Urlaub einen Partner gefunden hat, mit dem er gern zusammenleben will, dem sind Ländergrenzen eigentlich gleichgültig. Zugleich ist die Zustimmungsrate für Bundesländerfusionen gering. Zwei Drittel der Deutschen lehnen das ab, unabhängig davon, ob ihr eigenes Land betroffen wäre oder nicht. In der Ablehnung solcher Pläne sind sich die Deutschen einig wie in wenigen anderen Fragen, egal, ob sie im Westen oder im Osten, im Norden oder im Süden leben.
Sechzehnmal das Rad erfinden
Kulturell ist die Bindung an eine Region, die in den Bundesländern ihren Ausdruck findet, offenbar fest verankert. Auch wenn die Ostdeutschen eine klare Zugehörigkeit zum Osten empfinden, wollen sie nicht in einem „Ostland" leben, sondern in Brandenburg, in Sachsen oder Thüringen. Den West- und den Süddeutschen dürfte es kaum anders gehen.







