In den vergangenen Jahren sah es so aus, als verschwinde die Elektronikmarke Saturn klammheimlich. Nur 25 Märkte unter dem Logo gibt es in Deutschland, die Schwestermarke Mediamarkt hingegen hat hierzulande 369 Filialen. Immer wieder hat Ceconomy, die Muttergesellschaft der beiden Elektronikmärkte, einzelne Saturn-Märkte in Mediamarkt-Filialen umgewidmet. Das kurbelte mitunter die Umsätze an den umgebauten Standorten um bis zu zehn Prozent an.Doch Remko Rijnders nutzt seine Macht als neuer Ceconomy-Vorstandsvorsitzender nicht dazu, die schrumpfende Marke zu verabschieden, im Gegenteil: „Saturn hat in Deutschland eine Markenbekanntheit von 92 Prozent, die Marke bleibt für uns wichtig“, sagt Rijnders im Gespräch mit der F.A.Z. „Aber wir wollen die Marke stärker von Mediamarkt unterscheiden.“ So soll Saturn stärker auf Tech-Enthusiasten ausgerichtet werden, mit einem kleineren Sortiment, das dafür mehr auf Innovationen setzt. Zeitlich begrenzte Sonderveröffentlichungen von Produkten sollen das Geschäft ankurbeln. Solche „Drops“ kennt man aus dem Verkauf von Turnschuhen oder aus anderen Bereichen der Mode.Beide Marken sollen bleibenIn einzelnen Mediamarkt-Filialen soll Saturn deshalb Showrooms bekommen, aber auch eigene Filialen beibehalten. Zudem soll das Geschäft noch stärker mit dem Online-Kanal verzahnt werden. Bislang gibt es Saturn nur in Deutschland, international ist Ceconomy nur mit Mediamarkt unterwegs. „Wir werden das in Deutschland testen. Wenn das Konzept funktioniert, können wir uns vorstellen, es auch in anderen Ländern auszurollen“, sagt Rijnders. Die Zwei-Marken-Strategie ergebe nur dann Sinn, wenn die Geschäfte unterschiedlich genug seien; bislang seien Sortiment und Positionierung zu ähnlich gewesen.1069 Filialen zählt Ceconomy in Europa und damit etwas mehr als vor einem Jahr. „Wir werden nicht massiv neue Märkte eröffnen, aber stabil bleiben“, kündigt Rijnders an. „Wir sehen etwa, dass wir auch direkt online wachsen, wenn wir eine neue Filiale eröffnen.“ Das hat einen simplen Grund: Kunden können Produkte retournieren oder im Geschäft abholen, es gibt Service vor Ort oder Angebote wie die Lieferung in neunzig Minuten. „In der Umgebung ist der Online-Umsatz dann direkt anderthalb Mal höher“, sagt Rijnders.Schon lange dabei, aber jetzt Chef: Remko Rijnders führt Mediamarkt und Saturn seit Juli.CeconomyErst seit Anfang Juli steht der Niederländer an der Spitze von Ceconomy. Allerdings arbeitet er seit 18 Jahren für die Elektronikhandelsketten und hat zuletzt als Finanzchef auch eng mit dem vorherigen Vorstandsvorsitzenden Kai-Ulrich Deissner zusammengearbeitet. Deissner hatte sein Amt nach nur etwa einem Jahr überraschend aufgegeben; er war auf den heutigen Bundesdigitalminister Karsten Wildberger gefolgt.Der neue Vorstandsvorsitzende Rijnders hat direkt neue Mittelfristziele im Gepäck, krempelt das Geschäft aber nicht gänzlich um: „Wir kommen aus einer Position der Stärke“, sagt Rijnders. „Unsere bestehende Strategie mit den fünf Wachstumsfeldern ist hervorragend, von daher sind die neuen Mittelfristziele eine Evolution.“ Auf dem Kapitalmarkttag 2023 hatte sich das Unternehmen, das zuvor durch zahlreiche Chefwechsel und Streit im Gesellschafterkreis taumelte, ambitionierte Ziele gesetzt. Bis zum Geschäftsjahr 2025/2026 sollte der bereinigte operative Gewinn (Ebit) auf 500 Millionen steigen. Das entsprach mehr als einer Verdopplung.Gewinn soll deutlich zulegenRijnders bestätigt diese Zahl jetzt für das laufende Geschäftsjahr, das im September endet. Bis zum Geschäftsjahr 2028/2029 soll das bereinigte EBIT auf 800 Millionen Euro steigen, was einem Plus von 60 Prozent entspricht. Das soll zum einen durch Synergien passieren, die sich Ceconomy durch die geplante Übernahme durch den chinesischen Technologiekonzern JD.com erhofft. Doch auch das operative Geschäft soll sich verbessern, und zwar deutlich stärker als der Umsatz. Der soll dem Plan nach im gleichen Zeitraum um vier Prozent steigen, auf dann 24 Milliarden Euro. Jedes Jahr will Ceconomy 350 Millionen Euro investieren, um seine Logistik und Technologie zu verbessern.Die Profitabilität soll vor allem aus den Wachstumsfeldern kommen, die Rijnders Vorgänger aufgebaut haben. Dazu gehört etwa der Bereich Service & Solutions, dessen Bruttoertrag in den letzten drei Jahren um 300 Millionen auf bald 1,4 Milliarden Euro gewachsen ist. „In den Niederlanden und Belgien verkaufen wir schon Mobilfunkverträge und werden das zukünftig auch in Spanien machen. Ich bin überzeugt, dass das wichtiger wird“, sagt Rijnders. „Solche neuen Services werden uns dabei helfen, unser Ziel von 1,65 Milliarden Euro Bruttoertrag zu erreichen.“Besserer Service soll das Geschäft ankurbelnAuch was auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit wirkt, kann große Wirkung haben. So ist aus Daten ersichtlich, dass mehr als die Hälfte der Kunden nach dem Kauf eines Smartphones auch eine Schutzfolie dazu nimmt. Bislang wurde die oft von den Mitarbeitern im Laden aufgeklebt. „Jetzt liefern wir die Smartphones direkt mit Schutzfolie aus unseren Lagern aus, sind dadurch effizienter und unsere Mitarbeiter können sich noch stärker auf die Kunden fokussieren“, sagt Rijnders. Das soll das Servicegeschäft ankurbeln.Im Marktplatzgeschäft liege Ceconomy im Plan: Im Wettbewerb mit den reinen Onlinekonkurrenten habe das Unternehmen seinen Marktanteil in den vergangenen acht Monaten leicht um 0,2 Prozentpunkte steigern können. „Da haben wir noch unglaublich großes Potential“, sagt Rijnders. Der Umsatz ist seit dem vorigen Kapitalmarkttag von 140 Millionen auf jetzt 800 Millionen Euro gewachsen. Für 2028/2029 peilt das Unternehmen einen Wert von 1,9 Milliarden Euro an.Auch im Werbegeschäft, Retail Media, hat das Unternehmen seine eigenen Ziele übererfüllt. Lieferanten und Partner sähen, welches Potential darin stecke, über Mediamarkt und Saturn zu werben. Das dürfte sich durch die Art, wie Menschen online einkaufen, zukünftig noch beschleunigen. „Schon jetzt kommt ein Prozent unseres Traffics aus Agentic Commerce“, sagt Rijnders. Also wenn Menschen etwa ChatGPT fragen, was die beste Waschmaschine oder der günstigste Saugroboter ist. „Unsere Kunden suchen dort vermehrt nach Produkten und wir sehen, dass die Abschlussquote besser ist und der durchschnittliche Bon höher.“ Dort über Mediamarkt und Saturn präsent zu sein, könnte sich für die Markenhersteller also lohnen.Das Eigenmarken-Geschäft schwächeltNicht erreicht hat das Unternehmen einzig sein Ziel, mit den Eigenmarken fünf Prozent des Umsatzes zu erzielen. „Wir sind im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich gewachsen, aber können die Produkte im Vertrieb auch sichtbarer machen. Sowohl im Geschäft und online als auch im Marketing“, sagt Rijnders. Bislang waren gerade in der Werbung die bekannten Marken stärker vertreten.„In Europa streiten viele Lieferanten erbittert um einen Platz im Sortiment, der Markenwettbewerb ist stark“, sagt Rijnders. Um den Eigenmarkenanteil anzuheben, könne es notwendig werden, auch mal einen Lieferanten weniger ins Sortiment aufzunehmen. „Das mag kurzfristig die Marge drücken, ist langfristig aber besser, weil das auch das Kundenerlebnis verbessert.“Derweil kommt der chinesische Konzern JD.com seiner milliardenschweren Übernahme von Ceconomy näher. So hat das Bundeswirtschaftsministerium Ende Juni die investitionskontrollrechtliche Freigabe gegeben. Ceconomy beschäftigt rund 48.000 Menschen, etwa 17.000 davon in Deutschland. In der Transaktion wird das Unternehmen mit rund 2,2 Milliarden Euro bewertet.Jetzt stehen noch einzelne Freigaben in wenigen Ländern und die Genehmigung der EU aus. „Wir sind froh, dass wir die Freigabe in Deutschland bekommen haben. Und wir sind weiter davon überzeugt, dass wir den Prozess im zweiten Halbjahr abschließen können“, sagt Rijnders. Im nächsten Jahr könnte Ceconomy dann von der Börse genommen werden.