Da hat man schon 50 Euro in eine Babysitterin investiert, um sich und dem Partner einen kinderfreien Abend in einem Restaurant zu kaufen – und dann brüllt das Baby am Nachbartisch einfach los. Viele Deutsche würden solche Situationen offensichtlich gerne vermeiden. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Kassensystemanbieters Lightspeed unter 1000 deutschen Restaurantbesuchern befürwortet eine Mehrheit Adult-only-Gastronomie, also Restaurants, die nur Erwachsenen zugänglich sind. Etwa 61 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Wirte solche Konzepte anbieten sollten. 38 Prozent hingegen hielten das für keine gute Idee. Die Generation der Babyboomer, also die zwischen 1946 und 1964 Geborenen, zeigte sich vergleichsweise kinderfreundlich. Von ihnen hießen nur 45 Prozent kinderfreie Restaurants gut. Die meiste Zustimmung gab es bei den potenziellen Eltern von morgen: Unter den 18- bis 28-Jährigen waren rund drei Viertel der Befragten dafür, manche Restaurants nur Erwachsenen zugänglich zu machen.Für Hunde hingegen, die in vielen Gaststätten verboten sind, scheint die Gen Z deutlich mehr Sympathie zu haben. 60 Prozent der Befragten aus dieser Generation sprachen sich für die Tiere in Restaurants aus; über alle Altersgruppen hinweg lag der Zuspruch bei 56 Prozent. Für die PR-Agentur von Lightspeed ist die Schlussfolgerung klar: „Deutschland wünscht sich kuratierte Atmosphäre – gern ohne Kinderlärm, aber mit Fellnase am Tisch“, heißt es im feinsten PR-Jargon in der entsprechenden Pressemitteilung.In Österreich führte das Thema im vergangenen Jahr zu StreitWer das für ein typisch deutsches Phänomen hält – kein Herz für Kinder, sehr wohl aber für Hunde –, irrt übrigens. Vor einem Jahr löste eine Umfrage des Online-Research-Instituts Marketagent in der österreichischen Presse Ärger aus, die zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam. Demnach wäre es für 55 Prozent der Österreicher unproblematisch, wenn unter 16-Jährigen der Zutritt zu Restaurants verwehrt würde. Durch Hunde fühlten sich 59 Prozent der Befragten nicht gestört.Als Kinderhasser möchte sich aber niemand outen. Mario Pulker, der damalige Obmann des Fachverbands Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wurde in einem Artikel über die Umfrage in der Tageszeitung Standard mit den Worten zitiert: „Ein Gast mit Hund ist mir lieber als ein Gast mit Kind.“ Die Vierbeiner würden sich erfahrungsgemäß besser benehmen, zum Beispiel weder an Tischdecken ziehen noch in der Gaststube umherrennen oder gar den Salzstreuer ausleeren, fasste Der Standard Pulkers Haltung zusammen. Nach den darauf erfolgten Stornierungen in seinem Betrieb erklärte der Gastronom, das so nie gesagt zu haben, und kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Zeitung zu prüfen, was diese ebenfalls berichtete und ihrerseits darauf beharrte, Pulker nichts in den Mund gelegt zu haben.Kinderfreie Konzepte sind aktuell nicht nur in der Gastronomie gefragt, sondern finden sich auch in der Hotellerie. Laut Europas größtem Reisekonzern Tui halten 64 Prozent der Gäste reine Erwachsenenhotels für eine gute Idee. Tui nahm das so ernst, dass die Kreuzfahrttochter im vergangenen Jahr kurzerhand eine Kreuzfahrt zur Adults-only-Cruise umgewidmet hat. Familien, die bereits gebucht hatten, wurden von der Reise ausgeschlossen.Und wie stehen die Kinder dazu, dass sie an Orten, an denen Erwachsene sich erholen wollen, offenbar nicht sonderlich erwünscht sind? Schwer zu sagen, denn sie werden nur selten gefragt. Eine leise Ahnung verschafft vielleicht der Blick auf einen sogenannten Funfact, mit dem Tui seine Pressekonferenz auf der vergangenen Tourismusmesse ITB beendet hat. Demnach würden es 13 Prozent der vom Reisekonzern befragten Kinder vorziehen, mit dem Hund in den Urlaub zu fahren statt mit Mama und Papa. Offensichtlich lassen sie sich nicht gegen ihre Haustiere ausspielen.