In der ersten Hälfte des Jahres sind nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts über 5000 Menschen in Deutschland hitzebedingt gestorben, davon über 4300 allein in der letzten Juniwoche. Das berichtet das in Köln ansässige Science Media Center (SMC) unter Berufung auf aktuelle Daten der Forschungseinrichtung der Bundesregierung.Laut Bericht des RKI machen Menschen im Alter von über 75 Jahren über 80 Prozent der Hitzetoten aus. Außerdem verstürben mehr Frauen als Männer, was sich aber durch den höheren Frauenanteil in den älteren Gruppen erklären lasse.Die Wissenschaftler des SMC weisen darauf hin, dass es bei der Schätzung von Hitzetoten viele unbekannte Faktoren gibt. Hohe Temperaturen könnten beispielsweise durch einen Hitzschlag zum Tod führen. „Doch oftmals sterben Menschen aufgrund einer Kombination von Faktoren wie Vorerkrankungen und Hitze. Daher wird Hitze selten als klarer Todesgrund erfasst, sodass genaue Daten nicht erhebbar sind.“Die Schätzungen des RKI-Wochenberichts beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts, wonach in der letzten Juniwoche etwa 23 600 Menschen starben. Das waren knapp 30 Prozent mehr als der mittlere Wert der Vorjahre, der bei etwa 18 200 Toten lag. Um die hitzebedingten Sterbefälle zu schätzen, modellierten die Forschenden, wie viele Todesfälle es stattdessen unter Bedingungen mit Temperaturen bis maximal 20 Grad Celsius gegeben hätte. Dabei spielen auch langfristige Sterblichkeitstrends und saisonale Veränderungen eine Rolle.Gesundheitsrisiken ab 20 Grad DurchschnittstemperaturAb einer Wochenmitteltemperatur – also den durchschnittlichen Tages- und Nachttemperaturwerten einer Woche – von etwa 20 Grad Celsius lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler typischerweise ein Effekt von Hitze auf die Sterblichkeit beobachten. In der letzten Juniwoche betrug diese Temperatur in Deutschland über 26 Grad Celsius, regional wurden tagsüber Rekordtemperaturen von teilweise über 41 Grad Celsius gemessen.Zwischen 1992 und 2025 kam es nach Berechnungen des RKI immer wieder zu einzelnen Spitzen in den Hitzetotenzahlen. Dies war zum Beispiel in den Jahren 1994 und 2003 mit jeweils über 10 000 Hitzetoten der Fall. In der jüngeren Vergangenheit fielen die Hitzeperioden unterschiedlich aus: 2023 und 2024 schwankte die Fallzahl um etwa 3000 Verstorbene, vergangenes Jahr waren es schätzungsweise 2500 Hitzetote.Neue Rekordwerte möglich„Sollte es im Lauf des Sommers noch eine weitere vergleichbare Hitzephase geben, könnten im Gesamtjahr historische Höchstwerte erreicht werden“, erklärte das Science Media Center. Insgesamt aber mache Hitze einen eher kleinen Anteil an allen Todesursachen aus. Zum Vergleich: In Deutschland sterben im Schnitt knapp eine Million Menschen pro Jahr, starke Hitzejahre haben laut Schätzungen des RKI für rund 10 000 hitzebedingte Sterbefälle gesorgt.Neben der Zahl der Hitzetoten ist die hitzebedingte Morbidität – also durch Hitze verschlimmerte oder verursachte Erkrankungen – ebenfalls eine relevante Kenngröße. Betroffen sind vor allem Gruppen wie Vorerkrankte, ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Diese Zahlen seien allerdings noch schwieriger zu erfassen.Kälte sorgt für mehr Todesfälle in EuropaDie Leiterin der Forschungsgruppe Umweltrisiken am Helmholtz-Zentrum München, Alexandra Schneider, wies zugleich darauf hin, dass bislang in Europa noch die Kälte zu mehr Todesfällen führt als die Hitze. „Dies ändert sich allerdings mit der globalen Erwärmung.“ Neben Todesfällen sollte auch über hitzebedingte Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen, die Belastung des Gesundheitssystems und die damit verbundenen Kosten in die Debatte einbezogen werden, forderte Schneider.Veronika Huber vom Institut des Spanischen Nationalen Forschungsrats erklärte auf Anfrage des SMC, es handele sich bei den Todeszahlen eher um konservative Schätzungen. Es sei zudem wissenschaftlich gut untersucht, dass sich die Hitze auf das Sterbegeschehen mit Verzögerungen von bis zu einigen Tagen oder sogar Wochen auswirke. „Die hitzebedingte Mortalität ist nur die Spitze des Eisberges. Es wäre wünschenswert, zum Beispiel auch hitzebedingte Krankenhauseinweisungen, das Aufsuchen von Notfallaufnahmen, oder Rettungsdiensteinsätze nach einem extremen Hitzeereignis zeitnah abschätzen zu können.“