Pekings Zangengriff: Chinas Regierung will Chinesen die Geldanlage in Hongkong erschwerenAnleger aus Festlandchina, die in ausländische Aktien, Versicherungen oder Immobilien investieren wollten, brachten bislang ihr Geld nach Hongkong. Das wird nun deutlich schwieriger. Auch die UBS ist betroffen.09.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDie UBS und andere internationale Banken in Hongkong werden sich ihre chinesischen Kunden und deren Vermögen künftig genauer anschauen müssen.Bertha Wang / Bloomberg / GettySo schnell kann die chinesische Regierung die Pläne einer internationalen Grossbank über den Haufen werfen. Eigentlich wollte die UBS im Juni in China eine Konferenz für wohlhabende chinesische Anleger abhalten. Doch auf einmal kündigte die Bank an, man werde das Event verschieben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Man habe auf eine «sanfte Aufforderung» der chinesischen Behörden reagiert und die Konferenz zunächst abgesagt, heisst es bei der UBS in Hongkong. Andere internationale Grossbanken bekamen von den chinesischen Behörden ähnliche Hinweise.Der Grund für die kurzfristige Verschiebung der Konferenz ist eine neue aggressive Kampagne der chinesischen Regierung, die den Kapitalabfluss vor allem nach Hongkong stoppen soll. Während der vergangenen Jahre brachten immer mehr Chinesinnen und Chinesen grosse Teile ihres Ersparten über die Grenze nach Hongkong. Allein im vergangenen Jahr trugen sie nach Angaben des International Institute of Finance 807 Milliarden Dollar in die frühere britische Kronkolonie, ein neuer Rekord.Weil die Zinsen in China niedrig sind und der Konjunkturmotor stottert, machen sich die Menschen auf die Suche nach renditestarken Anlagen im Ausland. Der Tech-Boom an den internationalen Börsen mit einer Welle von IPO chinesischer Firmen befeuert den Trend noch.Strafen gegen drei WertpapierhäuserDie Folge: Im vergangenen Jahr überholte Hongkong die Schweiz als Finanzplatz mit den höchsten Vermögensanlagen von jenseits der Grenze. Insgesamt 2,9 Billionen Dollar flossen 2025 auf Hongkonger Konten, 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. China hat daran einen grossen Anteil. Für chinesische Anleger ist Hongkong attraktiv, denn die chinesische Sonderverwaltungsregion kennt keine Kapitalverkehrskontrollen, ausserdem ist der Hongkong-Dollar an den US-Dollar gekoppelt.Vordergründig will die chinesische Regierung mit ihrer neuen Kampagne gegen den Finanzsektor illegale Kapitaltransfers von China nach Hongkong unterbinden. So verhängte die chinesische Finanzmarktaufsicht kürzlich Strafen von insgesamt 330 Millionen Dollar gegen drei Hongkonger Wertpapierhäuser. Diese hatten ohne Genehmigung der Behörden für Kunden in China gearbeitet.In Wahrheit geht Peking aber viel weiter. Die chinesischen Behörden wollen dem massiven Kapitalabfluss der vergangenen Jahre einen Riegel vorschieben, denn die Lage der öffentlichen Kassen und der Staatsbanken ist nach der Covid-Krise und dem Platzen der Immobilienblase 2021 mehr als prekär. «Die Strafen für die drei Wertpapierhäuser sind wahrscheinlich erst der Anfang», schreibt Wei He, China-Analyst bei Gavekal Dragonomics in Peking.Die UBS wird sich Kunden genauer anschauen müssenDeshalb bereiten sich auch die internationalen Banken in Hongkong auf schwierige Zeiten vor. Die lokale Finanzmarktaufsicht hat bereits neue Anweisungen für lokale Banken erlassen. Danach müssen deren Kunden schriftlich erklären, dass das Geld auf ihren Hongkonger Konten nicht aus China stammt.Für Experten kommt der Schlag gegen den Finanzsektor nicht überraschend. Während der vergangenen Jahre hat die chinesische Regierung immer wieder ihre Entschlossenheit demonstriert, den Finanzsektor umfassend zu regulieren.So erklärte der Staats- und Parteichef Xi Jinping bereits am Parteitag der Kommunistischen Partei im Herbst 2022, es sei das politische Ziel, «sämtliche Arten von Finanzaktivitäten einer Regulierung im Einklang mit geltenden Gesetzen» zu unterziehen. Chinas starkem Mann sind Investitionen in Wertpapiere oder Immobilien von jeher ein Greuel. Gewinne aus solchen Anlagen betrachtet Xi als unanständig. Nach seiner altertümlichen Auffassung muss Geld mit den Händen erarbeitet werden.«Wollen die Aufsichtsbehörden Xis Aufforderung nachkommen, ist schwer vorstellbar, dass Banken und Versicherer in Hongkong einer strengeren Kontrolle entgehen werden», so der Analyst Wei He. Jeder warte jetzt erst einmal ab und schaue, was passiert, heisst es bei der UBS in Hongkong. Sicher ist aber, dass sich auch die Schweizer Bank ihre Kunden aus China und deren Vermögen künftig genauer anschauen muss.Dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping sind Erträge aus Investitionen in Wertpapiere oder Immobilien ein Greuel.Kevin Frayer / GettyAn anderer Stelle will Peking chinesischen Anlegern das Investieren in Hongkonger Wertschriften erleichtern. So kündigte die chinesische Zentralbank vor wenigen Tagen an, sie werde die jährliche Quote für in Hongkong gehandelte Anleihen in Yuan von 200 Milliarden Yuan auf 500 Milliarden Yuan erhöhen. Anleger in China können in diese Papiere investieren.China schottet seinen Kapitalmarkt seit Jahrzehnten mit umfassenden Kontrollen ab. So darf jeder Chinese pro Jahr maximal Fremdwährung mit einem Wert von 50 000 US-Dollar erwerben. Um das Geld über die Grenze zu transferieren, müssen die Anleger lediglich angeben, was sie mit dem Geld vorhaben. Knappe Angaben wie «Reisen» oder «Bildung» genügen als Verwendungszweck.Findige Chinesinnen und Chinesen haben aber schon vor Jahren Schlupflöcher gefunden, um die strengen Obergrenzen zu umgehen. Mit Ausweispapieren ihrer Kinder oder Grosseltern gelingt es ihnen, deutlich grössere Summen nach Hongkong zu schaffen. Dort eröffnen die Anleger zumeist ein Bankkonto und transferieren das Geld online oder zahlen es in bar ein – zuletzt in immer grösserem Umfang.Die Einlagen chinesischer Privatpersonen und Gesellschaften in Hongkong sind seit 2023 um 50 Prozent auf 237 Milliarden Dollar gestiegen, haben die Analysten von Gavekal Dragonomics ausgerechnet.Investitionen in VersicherungenBefindet sich das Geld erst einmal ausserhalb der hohen Mauern der chinesischen Kapitalverkehrskontrollen, können Anleger aus China beliebig investieren, entweder in Aktien oder festverzinsliche Papiere, die in Hongkong kotiert sind oder aber an jedem anderen Finanzplatz der Welt.Besonders beliebt waren bei chinesischen Privatanlegern in jüngster Zeit Investitionen in Versicherungen, auch weil die entsprechenden chinesischen Produkte einen schlechten Ruf haben. Die Anleger können die dort deponierten Vermögen in Wertpapiere rund um den Globus investieren. HSBC, der grösste Anbieter von Versicherungsprodukten in Hongkong, konnte 2024 und 2025 im Durchschnitt jedes Jahr fast 800 000 neue Bankkunden gewinnen. Ein grosser Teil davon kam aus China.Nervosität macht sich indes am Hongkonger Immobilienmarkt breit. Der schwer angeschlagene Sektor hatte sich erst in den vergangenen zwei Jahren erholt, vor allem dank dem Engagement chinesischer Investoren. Nun droht Ungemach. Die neuen Regeln für grenzüberschreitende Investitionen könnten zu erhöhten Friktionen bei Kapitalflüssen und einer strengeren Kontrolle der Herkunft der Vermögen chinesischer Immobilienkäufer führen und damit zu Druck auf den Markt führen, teilte die UBS gemäss der Nachrichtenagentur Reuters mit.Die Hongkonger Regierung versucht indes, Bedenken zu dem harten Durchgreifen der chinesischen Regierung zu zerstreuen. «Peking will ein erfolgreiches internationales Finanzzentrum Hongkong», beteuerte Paul Chan, Finanzminister der Sonderverwaltungsregion, im Juni.Das stimmt sogar. Doch wie so oft scheinen sich die chinesischen Machthaber nicht darüber im Klaren zu sein, welche Folgen selbst kleine Regeländerungen in einer an Freiheiten gewöhnten Stadt wie Hongkong haben können. Peking will wie immer beides: vollständige Kontrolle und die Erfolge eines offenen Finanzzentrums.Passend zum Artikel