Täglich grüssen die französischen Einbrecher – wiederholt sind Schweizer Waffengeschäfte zum Ziel gewordenEin Laden im Kanton Zürich geriet bereits zum dritten Mal ins Visier von Kriminellen. Derweil fahndet im Wallis die Polizei mit dem Helikopter nach flüchtigen Franzosen.09.07.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenFranzösische Kriminelle haben es auf Schweizer Sturmgewehre und andere Waffen abgesehen.Gian Ehrenzeller / KeystoneWer vom zürcherischen Pfungen den Irchel hoch nach Flaach fährt, darf sich auf eine malerische Strecke freuen. Für derlei Ästhetik hatten die drei Insassen eines Wagens mit französischen Kennzeichen aber wenig Sinn. Die zwei Franzosen und ihr Begleiter aus Guadeloupe waren auf der Flucht vor der Polizei, als sie am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe den Berg hinauf rasten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dabei pflügten sie über Feldwege, Felder und Privatgrundstücke. Sie missachteten sämtliche Verkehrsregeln, die Polizei beschreibt die Fahrt als «halsbrecherisch». Es seien dabei Unbeteiligte gefährdet worden.Der Grund für die Raserei: Kurz zuvor, um 5 Uhr, waren die Männer im Alter zwischen 19 und 24 Jahren in Pfungen in ein Waffengeschäft eingebrochen und hatten Beute gemacht.Beim Waffenladen hatte eine Polizeipatrouille die Verfolgung aufgenommen, in Flaach fand die Flucht ihr Ende. Polizeipatrouillen stoppten den Wagen, die drei Männer wurden verhaftet, die gestohlenen Waffen fanden sich im Kofferraum.Derlei Meldungen sind zwar spektakulär, haben aber mittlerweile keinen Seltenheitswert mehr. Bereits im vergangenen Jahr kam es in der Schweiz zu einer Serie von Einbrüchen oder versuchten Einbrüchen in Waffengeschäfte. Das Phänomen begann im Kanton Wallis, danach nahmen die Täter insbesondere die Kantone Zürich und St. Gallen ins Visier.Eine Folge veralteter Sicherheitsanforderungen?Oftmals schlagen sie am gleichen Ort wieder zu. So hatte es das Waffengeschäft in Pfungen 2025 bereits zweimal getroffen, auch bei einem Geschäft im zürcherischen Höri kam es zu einer Wiederholungstat.Was dabei auffällig ist: Immer wieder werden junge Franzosen verhaftet. Die Täter sind jung, brachial und zu allem bereit. Oftmals werden sie von schwerstkriminellen Auftraggebern gesteuert.Das Muster ist seit einigen Jahren bekannt. Ausländische Banden überziehen die Schweiz mit Raubzügen auf Juweliere, Geldtransporter, Bancomaten oder Waffenläden. Dabei überqueren die Täter nachts die Grenze und sind im Morgengrauen retour. Gerade Einbrüche in Autogaragen sind zum kriminellen Alltag geworden.Dieses Phänomen scheint auch dieses Jahr wieder Fahrt aufzunehmen. Am vergangenen Wochenende lief in Sitten eine Grossfahndung nach fünf Franzosen, die zuvor ein Waffengeschäft geplündert hatten. Sie durchbrachen auf ihrer Flucht eine Polizeisperre. Die Polizei bot sogar einen Super Puma der Armee auf, um die Flüchtigen zu stoppen.2025 wurde die Frage laut, ob die Schweiz genügend koordiniert gegen organisierte Kriminalität aus dem Ausland vorgehe. Inzwischen haben die Strafverfolgungsbehörden reagiert. So wurde eine Task-Force eingerichtet, in der neben Vertretern kantonaler Polizeikorps unter anderem aus dem Aargau und Zürich auch das Bundesamt für Polizei vertreten ist.Dass es Schweizer Waffengeschäfte trifft, könnte mit deren Sicherheitsanforderungen zusammenhängen, die aus den 1990er Jahren stammen. Der Bund hat aber Verschärfungen erlassen: Neu müssen die Geschäfte ihre Fenster und Türen verstärken, Videokameras installieren und Einbruchmeldeanlagen einbauen. Allerdings haben die Waffenläden noch bis 2027 Zeit, um nachzurüsten.Der Waffenladen in Pfungen entspreche den neuen Standards, teilt eine Mitarbeiterin auf Anfrage der NZZ mit. Woran es liegen könnte, dass man trotzdem wiederholt in den Fokus von Kriminellen gerät, darüber will man in Pfungen nicht öffentlich mutmassen.Passend zum Artikel