«Ein ausserordentlich erfolgreicher Gipfel»: Trotz Spannungen mit Bündnispartnern zeigt sich Trump mit dem Nato-Treffen in Ankara zufriedenZwei Tage Gipfeltreffen in Ankara gehen mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung zu Ende. Zum grossen Bruch zwischen den Bündnispartnern kommt es trotz verbalen Attacken von Donald Trump nicht.08.07.2026, 20.10 Uhr4 LeseminutenDonald Trump gab sich zum Schluss des Gipfels versöhnlich.Stoyan Nenov / ReutersZum Schluss fand er versöhnliche Worte. «Es war ein aussergewöhnlich erfolgreicher Gipfel», sagte der amerikanische Präsident Donald Trump am Mittwoch an seiner Pressekonferenz in Ankara. Er dankte dem Gastgeber Recep Tayyip Erdogan und dem Nato-Generalsekretär Mark Rutte dafür. Mehrmals lobte er ausdrücklich die 32 Nato-Verbündeten für ihre grossartige Arbeit und die Einigkeit, die sie bei dem Treffen an den Tag gelegt hätten. «Ich möchte nur sagen, dass in diesem Raum eine unglaubliche Liebe herrschte», sagte Trump über die Beratungssitzung zwischen den Alliierten. Nur Stunden davor hatte es noch ganz anders geklungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Attacken auf VerbündeteKaum war Trump am Dienstag in Ankara gelandet, machte er seinem Ärger Luft. «Ich war sehr enttäuscht von der Nato», erklärte er bei einem Treffen mit Erdogan. Er warf Grossbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich erneut vor, die USA im Iran-Krieg hängen gelassen zu haben. Später attackierte er Dänemark scharf und bezeichnete Spanien als furchtbaren Bündnispartner. Trump kündigte prompt den Abbruch der Handelsbeziehungen mit Madrid an, weil das Land das Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Verteidigung aufzuwenden, ablehnt und den USA die Nutzung von Stützpunkten für die Angriffe auf Iran verweigert.Des Weiteren griff der amerikanische Präsident eine Forderung vom Jahresbeginn auf, indem er erneut Besitzansprüche auf das zu Dänemark gehörende Grönland geltend machte: Die Insel sollte von den Vereinigten Staaten und nicht von Dänemark kontrolliert werden. Er drohte: «Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen.» Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen wies die Forderung scharf zurück: «Wir sind bereit, jeden Zentimeter des Nato-Gebiets zu verteidigen, einschliesslich unseres eigenen Territoriums», betonte sie. Grönland stehe nicht zum Verkauf.Trotz den Spannungen wertete auch der Nato-Generalsekretär Mark Rutte das Jahrestreffen in Ankara als Erfolg. «Dieser Gipfel hat gezeigt, dass das Bündnis stärker ist als je zuvor», sagte er an der Abschlusspressekonferenz am Mittwoch. Als Beweis dafür verwies Rutte auf den ersten Punkt der Gipfelerklärung, in dem die Verbündeten ihr Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 bekräftigen. Die verbalen Angriffe des amerikanischen Präsidenten wiegelte er ab und meinte: Streitereien würden Freundschaften stärken.Rutte berichtete, Trump habe sich bei den Gipfelberatungen hinter verschlossener Tür versöhnlich gezeigt. Ähnliches war aus diplomatischen Kreisen zu vernehmen. Er habe sich in der kleinen Runde in keiner Weise konfrontativ verhalten, hiess es. Weder Grönland noch Spanien seien Thema gewesen. Der öffentliche und der interne Auftritt stünden in einem gewissen Kontrast zueinander. Trump habe klargemacht, dass er zur Allianz stehe.Sie lobten sich gegenseitig: Nato-Generalsekretär Mark Rutte, der amerikanische Präsident Donald Trump und der türkische Gastgeber Recep Tayyip Erdogan.Mustafa Kaya / ImagoMehr Militärhilfe für die UkraineDer wohl bemerkenswerteste Punkt der Abschlusserklärung ist die Zusage der Allianz, die Militärhilfe an die Ukraine auszuweiten. Kiew soll in diesem Jahr 70 Milliarden Euro an Unterstützung erhalten. 2027 soll die Hilfe mindestens auf diesem Niveau aufrechterhalten werden. Bis zuletzt war umstritten, ob das Versprechen für zwei Jahre gelten soll. Besonders Deutschland hatte sich dafür eingesetzt. Die Bundesregierung wollte der Ukraine eine finanzielle Garantie geben und Russland gegenüber Entschlossenheit demonstrieren. Unterstützung erhielt Berlin dabei von den baltischen Staaten, Polen und Grossbritannien. Wie aus Medienberichten zu erfahren war, wehrte sich vor allem Italien dagegen.Von den 70 Milliarden Euro im laufenden Jahr stammen 30 Milliarden aus einem EU-Kredit. Die übrigen 40 Milliarden müssen die Nato-Staaten aus ihren nationalen Haushalten stemmen. Weil die USA die finanzielle Ukraine-Hilfe eingestellt haben, wird Deutschland mit 11,5 Milliarden Euro den Löwenanteil der Summe übernehmen. Einen Aufteilungsschlüssel gibt es nicht. Stattdessen wird auf freiwillige Beiträge gesetzt, um die zugesagte Unterstützung sicherzustellen. Ein grosser Teil der Summe im laufenden Jahr soll bereits durch zugesagte bilaterale Hilfsgelder gedeckt sein. Woher die noch fehlenden 8 bis 10 Milliarden kommen sollen, bleibt offen. Die Finanzierungsfrage wird sich auch im kommenden Jahr stellen.Eine weitere positive Botschaft erhielt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Mittwoch von Trump. «Wir werden der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Raketen erteilen», versprach der amerikanische Präsident vor einem gemeinsamen Treffen. Die Ukraine braucht diese Flugabwehrraketen, um ballistische Raketen aus Russland abzufangen. Selenski drängt angesichts schwerer russischer Angriffe seit Wochen auf ihre Lieferung und die Lizenzvergabe. Der Haken daran: Die Produktion dürfte nicht vor 2028 beginnen, und die Ukraine braucht jetzt Nachschub aus westlichen Patriot-Beständen.Präsident Donald Trump zeigt sich in Ankara gegenüber seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodimir Selenski ungewöhnlich gut gelaunt. Er verspricht eine Lizenz für den Bau von Patriot-Raketen in der Ukraine.Alex Brandon / APDie Abschlusserklärung hält ferner fest, dass die Nato-Staaten in Ankara neue Rüstungsbeschaffungen im Umfang von mehr als 50 Milliarden Dollar beschlossen haben. Was den Iran-Krieg betrifft, einigten sich die Bündnispartner auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Im Communiqué heisst es, Iran dürfe niemals eine Nuklearwaffe besitzen. Die Regierung in Teheran wird dazu aufgerufen, die Freiheit der Schifffahrt in der Strasse von Hormuz uneingeschränkt zu achten.Passend zum Artikel