Sie haben unlängst nach Ihrem Konzertauftritt bei fast vierzig Grad auf dem Cannstatter Wasen gesagt, Stuttgart sei die „lameste Crowd in Deutschland“. Als Stuttgarterin kann ich diese Publikumsbeschimpfung natürlich nicht unkommentiert stehen lassen, zumal Ihnen nicht einmal der Ministerpräsident Cem Özdemir, als Landesvater sonst ja der Defensor Sueviae schlechthin, die Leviten gelesen hat.Was die besondere topographische Lage der Stadt betrifft, spotteten Sie in Ihrem Podcast: „Vielleicht kriegt ihr nicht genug Sauerstoff wegen dem Kessel.“ Oder es sei „einfach so eine süddeutsche Trägheit“. Noch unverschämter war nur noch die Vermutung Ihres Schlagzeugers, die Maultaschen lägen uns Stuttgartern quer im Magen.Wir ertragen sogar „Stuttgart 21“Bei Temperaturen wie in der Wüste müsste man schon ein Hardcore-Fan sein und die Kondition eines Ironman-Champions haben, um Ihnen nonstop zujubeln zu können. Das konnten Sie nicht verlangen. Also: „Net gschimpft isch globt gnug“, sagt der Schwabe. Hand aufs Herz: Waren Sie denn in Bestform? Aus der Stadt mit der „lamesten Crowd“ stammen übrigens die Fantastischen Vier, Freundeskreis und Massive Töne.Klar, deren Konzerte sind Heimspiele, aber dann geht die Crowd hier auch richtig krass ab. Unlängst spielten die Toten Hosen auf dem Wasen zum Auftakt ihrer Abschiedstournee „Trink Aus! Wir Müssen Gehen“ vor 65.000 Fans. Sie waren mit dem Publikum recht zufrieden. Frontsänger Campino sagte dem SWR: „Wir werden noch sehr lange an diesen Abend denken, und das ist keine Plattitüde, das ist Stuttgart.“ Ja, das ist Stuttgart: „Ne 1 mit Sternchen.“Einmal abgesehen vom Talent zum Ausflippen – träfe Ihre These von der ‚lamen Crowd’ zu, hätten wir angesichts der Jammerpartie um „Stuttgart 21“ längst jeden Funken Humor verlieren müssen. Haben wir aber nicht. Denn sonst hätten es auch die Kultzeichentrickfiguren „Äffle & Pferdle“ nie zu den heimlichen Botschaftern dieser Stadt gebracht.1976 landeten sie mit dem „Hafer- und Bananenblues“ einen Hit, der es 40 Jahre später in die Top Ten der SWR Hitparade schaffte. Bitte nachmachen! Ach ja, wenn es uns Stuttgartern im Kessel zu stickig wird, fahren wir auf den Killesberg und lassen uns den Wind um die Ohren blasen. Kommen Sie doch einfach mal wieder ins Ländle, Frau Chuba, „Mir send’s doch.“