Die Allianz versteht sich als in der Welt führender Versicherungskonzern. Doch es gibt eine Region, in der es noch deutlich Nachholbedarf gibt: Asien. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte ließ am Dienstagabend auf einer Presseveranstaltung keinen Zweifel daran, dass die Expansion in Asien eine strategische Priorität der Allianz ist. „Asien ist bei uns unterrepräsentiert“, sagte Bäte. Große Hoffnungen hegt er für den indischen Markt mit seiner rasant wachsenden Mittelschicht.Dort kooperiert die Allianz mit Jio Financial Services, zum Imperium des indischen Milliardärs Mukesh Ambani gehörend. Dieser kontrolliert den Großkonzern Reliance Industries. Mit Jio hat die Allianz Gemeinschaftsunternehmen für Rück- sowie Sach- und Krankenversicherungen gegründet. Ein weiteres „Joint Venture“ ist für Lebensversicherungen geplant. Das mit 1,4 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichste Land der Welt ist für Bäte besonders attraktiv, weil die indische Regierung bis zum Jahr 2047 einen Versicherungsschutz für jeden anstrebt.„Asien bietet vielversprechende langfristige Wachstumschancen“Hinzu kommen für ihn das starke Wirtschaftswachstum und die vorteilhafte demographische Entwicklung. Die wachsende Mittelschicht lässt seiner Ansicht nach eine steigende Nachfrage nach Versicherungslösungen und Vermögensverwaltung erwarten. Insgesamt sieht er in Asien das größte Wachstumspotential für den Allianz-Konzern. Bislang verlief die Expansion in dieser Region holprig. Im Jahr 2024 war der Versuch, in Singapur den Versicherer Income Insurance zu übernehmen, am dortigen politischen Widerstand gescheitert.„Asien bietet vielversprechende langfristige Wachstumschancen“, sagte Bäte. Jeder vierte Euro, der in der Welt für Versicherungen ausgegeben werde, entfalle auf Asien. Bei Lebensversicherungen sei es jeder dritte Euro. Die Hälfte des weltweiten Wachstums auf dem Lebensversicherungsmarkt finde in Asien statt. Der Anteil der Region am Wachstum des Gewinnpotentials in der Vermögensverwaltung beträgt seinen Angaben zufolge 30 Prozent.Falsche Versprechen am Markt für PrivatkrediteDie Bewertungen an den Finanzmärkten betrachtet Bäte mit Sorge, vor allem die Probleme am Markt für Privatkredite („Private Credits“), in die über Fondsprodukte immer mehr Anleger gelockt wurden. „Überbewertungen gibt es nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch am Anleihemarkt“, sagte Bäte. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte mit der Finanzkrise, der Eurozonen-Staatsschuldenkrise und der Corona-Pandemie stellt sich für ihn angesichts der geopolitischen Unsicherheiten nicht die Frage, ob es zu einer Marktkorrektur kommt, sondern wie tief diese ausfallen werde und was danach komme.Den Private-Credit-Markt, in den auch die Allianz kräftig investiert hat, hält Bäte in den guten Bonitätsklassen für unproblematisch. Für ihn ist er wichtig, weil seiner Ansicht nach private Märkte Finanzierungsstrukturen für Unternehmen schneller darstellen könnten als Banken, die durch die Regulierung eingeschränkt würden. Doch die vielen darauf basierenden Investmentprodukte für Privatkunden hätten Liquiditätsversprechen abgegeben, die sie nicht einhalten könnten. Daraus resultiere Panik. „Das ist das Problem“, betonte der Allianz-Chef. Die Anleger könnten nicht aus dem Produkt aussteigen, wie sie es wollten.Denn nach Zahlungsausfällen einiger Unternehmen kam es zu so vielen Rücknahmeanträgen der Anleger, dass selbst große Fondsgesellschaften wie Blackrock die Auszahlungen einschränken mussten. Für fraglich hält Bäte auch die Bewertungen von Unternehmensbeteiligungen durch Private-Equity-Fonds. „Sind diese bei einem Verkauf realistisch?“, fragte er sich zum Beispiel bei Softwareunternehmen, die durch die Künstliche Intelligenz unter Druck stehen.