Silvana Tenreyros Talent sei früh erkennbar gewesen, sagte der bekannte amerikanische Ökonom Ken Rogoff im vergangenen Herbst anlässlich der Verleihung des Bernhard-Harms-Preises über seine ehemalige Doktorandin. Die seit dem Jahr 2004 an der London School of Economics lehrende Ökonomin erhielt damals den nach dem Gründer des Kieler Instituts benannten Preis für „herausragende wissenschaftliche Beiträge zur internationalen Ökonomie, mit wegweisender Forschung zu wirtschaftlicher Volatilität, zur Transmission von Geldpolitik sowie zu Währungsunionen“, wie es in der Begründung hieß: „Sie zeichnet sich dadurch aus, theoretische Strenge mit empirischer Präzision und Innovationskraft zu verbinden, und ihre Forschung wirkt nachhaltig nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Politikberatung.“Tenreyro folgt namhaften VorgängernMit der Berufung zur Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds wird die aus dem Norden Argentiniens stammende Wissenschaftlerin Mitte August die wohl einflussreichste internationale Beratungsaufgabe für Volkswirte übernehmen. Sie folgt auf ihren französischen Kollegen Pierre-Olivier Gourinchas, der in den vergangenen Jahren mit ruhiger Überzeugung die ökonomische Expertise des Fonds in einer von Turbulenzen erschütterten Weltwirtschaft vertrat. Auch schon davor hatten namhafte Fachvertreter als Chefökonomen des Währungsfonds gewirkt, darunter Raghuram Rajan, Kenneth Rogoff, Olivier Blanchard und Gita Gopinath.Die für ihre neue Aufgabe in Washington nützliche internationale Erfahrung kann Tenreyro vorweisen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre in Argentinien, wo sie Inflationsraten bis 5000 Prozent mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Folgen kennenlernte. Ihre Doktorarbeit schrieb sie an der Harvard University bei Ken Rogoff und Robert Barro in den Vereinigten Staaten. Ihren ursprünglichen Plan, nach Argentinien zurückzukehren, gab sie für eine Tätigkeit in der Federal Reserve Bank of Boston auf, an die sich eine Professur an der London School of Economics anschloss. Tenreyro sei keine Jasagerin, die sich widerspruchslos dem wissenschaftlichen „Mainstream“ anschließe, sagt Rogoff.Die neue Chefökonomin verfügt auch über geldpolitische Erfahrung. Sie gehörte zwischen 2017 und 2023 dem Zentralbankrat der Bank of England an; vorübergehend hatte sie auch einen Sitz als externes Mitglied im Leitungsgremium der Zentralbank von Mauritius.
Silvana Tenreyro wird IWF-Chefökonomin
Die politikerfahrene Londoner Professorin folgt Pierre-Olivier Gourinchas, der an die Universität in Berkeley zurückkehrt. Sie ist eine Expertin für internationale Wirtschaftsfragen.










